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Schlechte Stimmung beim Echo

07. Mrz 2004 16:48
Dieter Bohlen
Bei der 13. Echo-Verleihung hagelte es Kritik für Dieter Bohlen und die Deutsche Musikindustrie. Gefeiert wurde trotzdem.

Am vergangenen Samstagabend war das Berliner Congress Centrum ICC auch mit geschlossenen Augen zu finden. In schrillen Höhen schrien Fans am roten Teppich zur 13. Echo-Verleihung um die Aufmerksamkeit ihrer Idole. Mädchen mit rotgeweinten Gesichtern hatten laut eigenen Angaben seit sieben Uhr morgens vor der Halle ausgeharrt. Als dann endlich Juliette Schoppmann kam - mit riesig geschminkten Augen, braungrauem Kleid und dicken Perlen um den Hals, schrien sie wohl auch ein bisschen den Frust des langen Wartens heraus.

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  • Frust mussten auch Dieter Bohlen und der Vorsitzende der Deutschen Phonoakademie Gerd Gebhardt über sich ergehen lassen. Der als Laudator auftretende Komiker Michael Mittermeier forderte, gegen die Diktatur des «Dieter Hussein» vorzugehen. Und als der ehemalige Modern-Talking-Sänger sich für seinen Echo als bester Produzent national bedankte und sagte, er habe Musik machen wollen, seitdem er ein kleiner Junge war, ging ein Murren durchs Publikum und einer rief: « Warum machst Du's dann nicht?!» Bohlen bediente sich seines teflonartigen Selbstbewusstseins und gab zurück: «Schön, dass mir hier alle den Preis gönnen.» Schließlich vergaß er nicht, den Chef seiner hauseigenen Werbeagentur «Bild» zu grüßen, seinen «großen Buddy Kai Diekmann». «Volltreffer», sagte «Stern»-Chefredakteur Andreas Petzold.

    Die schlechte Laune setzte sich auch in der Laudatio Dirk Bachs für den Preis des besten Künstlers national fort: «Noch nie habe ich eine Branche erlebt, die so weit von dem entfernt ist, was sie macht», sagte der Dschungelshow-Moderator mit süffisantem Grinsen. «Und ihr wundert euch, dass es euch mies geht? Aber so lange es für die schönen Anzüge reicht...» Eisiges Schweigen.

    Und Gebhardt kassierte auch aus eigenen Reihen eine Schlappe Mit einem Blumenstrauß verabschiedete er eine langjährige Mitarbeiterin der Phonoakademie in die Rente, und die sagte mit deutlichem Blick auf ihren Chef: «Es hat Spaß gemacht, wenn es auch nicht immer freundlich war.»

    Bühnen-Absturz

    Fast war man froh, als die Preisverleihung mit ihren Sticheleien und schiefen Scherzen wie einer Janet-Jackson-Hommage der Laudatorin und Viva-Moderatorin Gülcan Karahanci vorbei war: Der war angeblich das knappe Top geplatzt, und Geissen musste deshalb hinter ihr das Dekolltee zusammenhalten.

    Auch die Auftritte internationaler Popstars wie Pink, Kylie Minogue, Enrique Iglesias und Anastacia brachten nicht so richtig Konzertstimmung auf. Nur The Darkness machten Lust auf mehr, doch dann kam auch schon der Echo für die Volksmusik.

    Judith Holofernes von Wir sind Helden
    Der Auftritt der Abräumer Wir sind Helden, die an diesem Abend drei Mal eine Dankesrede halten mussten, sorgte dann auch noch für technische Probleme: Sie hatten in einer schwebenden, puppenhausartigen Bühne gespielt und die war nach ihrem Song «Denkmal» zuerst samt den Musikern fast abgestürzt, so Geissen, und ließ sich dann nur unter Schwierigkeiten abbauen.

    Für Standing Ovations sorgte die Übergabe des Echo für das Lebenswerk an Howard Carpendale. Und auch er gab zum Schluss noch einen Kommentar zum Haifischbecken Musikindustrie ab: «Egal ob man Techno, Hip Hop oder Schlager macht, die Leute dieser Branche sind eine große Familie, und so sollten wir uns auch benehmen und uns gegenseitig respektieren.»

    Sauerstoff und Cohibas

    Als hätten die Veranstalter schon vorher geahnt, dass die Gala auf die Stimmung schlagen würde, warteten bei der Aftershowparty Masseure und Damen in engen roten Lack-Catsuits mit Sauerstoffflaschen auf die Gäste. Etwas entspannter und mit hellrotem Blut konnten die Feiernden dann Cohibas rauchen oder sich auf der Tanzflächen vergnügen.

    Da hatte allerdings der Hip-Hop-Nachwuchs Hausrecht. Schöne, junge Menschen ließen Bohlen und die Phonoakademie links liegen und gaben sich ihrer Freude an der Musik hin. Und sie schienen dabei wesentlich größeren Spaß zu haben als zum Beispiel Jasmim Wagner alias Blümchen, die ihrer älteren Begleiterin zuzischte, dass sie sich erstmal umsehen wolle; oder Vicky Leandros, die sich mit düsterem Blick durch die Menge schob. Selbst Bohlens «Kinder» Alexander Klaws und Juliette Schoppmann saßen später scheinbar gelangweilt an einem Tisch, als müssten sie die Veranstaltung absitzen. Sicherlich nicht zur ausgelassenen Stimmung beigetragen hat die sichtbare Präsenz der Polizei, die das Gesamtbild olivfarben sprenkelte.

    Deutsche Prominenz blieb unter sich

    Kylie Minogue war gleich nach ihrem Auftritt nach Hause geflogen, auch Enrique Iglesias, The Darkness und Pink waren verschwunden. Anastacia war noch da, aber schien das, ihrem gelangweilten Blick nach zu urteilen, zu bereuen. Richtig gut gelaunt wirkte allerdings Jürgen Vogel, der selig grinsend tanzte, und auch die spät kommende Jana Pallaske war guter Dinge.

    Vor allem das männliche Publikum konnte sich an diesem Abend über gute Ausblicke freuen: Bevorzugtes Kleidungsstück der weiblichen Partygäste war der Minirock, meist im 80er-Jahre Stil. Dazu gab es viele Nieten, ein bisschen Neofarben und Glitzer. Und das beeindruckendste Hinterteil gehörte diesmal nicht Kylie Minogue sondern einer aufgerüschten Unbekannten, die auf türkisem Satin über dem Steißbein «Mon Dieu» (Mein Gott) stehen hatte.

     
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