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Die Überfrauen des Helmut Newton

24. Jan 2004 21:23
Helmut Newton
Mit Helmut Newton ist einer der bedeutendsten und umstrittensten Modefotografen des 20. Jahrhunderts gestorben. Ein Nachruf.

Die Frau ist groß, das, was man gut gebaut nennt, intim rasiert, und obwohl es sich um eine Schwarz-Weiß-Aufnahme handelt, ist klar, dass sie blond ist. Aber deutlich mehr als ihr perfekter Körper wirken ihre Haltung und ihr Blick auf den Betrachter. Die Frau ist zwar nackt, aber alles andere als hilflos oder gar erniedrigt in ihrer Darstellung. Ihr Blick gleicht einer geraden Rechten. Sie ist eine von Helmut Newtons «Big Nudes», eine von den Überfrauen, die der Fotograf immer wieder für die Ewigkeit festgehalten hat. Und vor allem diese Frauenbilder haben ihn nicht nur zu einem der bedeutendsten Mode- und Porträtfotografen des 20. Jahrhunderts gemacht, sondern auch zu einem der umstrittensten. Für die einen ist er ein Star, für die anderen ein Pornograf.

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Dabei gehe es ihm doch vor allen Dingen um die Darstellung von Macht, egal ob politisch, finanziell oder sexuell, hat Newton einmal gesagt. Und «natürlich will das Publikum auch einen Kitzel haben, okay.»

Flucht vor den Nazis

Helmut Newton wurde am 31. Oktober 1920 in Berlin geboren. Er wuchs als Sohn eines jüdischen Knopffabrikanten in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Mit zwölf Jahren habe er seine erste Kamera bekommen, hat er erzählt. Und mit 16 durfte er - trotz des Widerwillens seines Vaters - bei der berühmten Berliner Modefotografin Yva in die Lehre gehen. Doch musste Newton schon zwei Jahre später vor den Nazis fliehen. Yva wurde als Jüdin in Auschwitz ermordet.

Der junge Mann ging nach Singapur und arbeitete als Bildreporter bei der «Singapore Straits Times». 1940 kam er nach Australien und nahm als einfacher Soldat in der australischen Armee am Zweiten Weltkrieg teil. Nach seiner Entlassung aus der Army eröffnete er ein kleines Fotostudio in Melbourne. Dort lernte er auch seine spätere Frau June Brunell kennen, die sich in den 70er Jahren als Fotografin mit dem Künstlernamen Alice Springs eine eigene Karriere erarbeitet hat.

Sinnlich-erotische Revolution

Newton Karriere begann in den 60er Jahren in der Modefotografie, die er mit seinen sinnlich-erotischen Bildern revolutionierte. Seit 1961 war er regelmäßiger Mitarbeiter der französischen «Vogue», die in den folgenden 25 Jahren viele seiner wichtigsten Modeaufnahmen veröffentlichte. Auch die deutsche, die italienische und die US-«Vogue» sowie «Elle» und «Marie Claire» gehörten zu seinen Auftraggebern.

In den 80ern, dem Jahrzehnt der Supermodels, inszenierte Newton Claudia Schiffer, Naomi Campbell und Tatiana Patiz als Überwesen. Da war er bereits der bestbezahlte Modefotograf der Welt.

Mittlerweile war sein Name so bekannt, dass er sich seinem Thema Macht auch auf direktem Wege nähern konnte. Es entstanden Porträtreihen mit Prominenten wie Leni Riefenstahl, Elisabeth Taylor und später auch Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Rückkehr nach Berlin

Gerade im Oktober vergangenen Jahres war Newton nach Berlin zurückgekehrt mit einem versöhnlichen Anliegen: Er und seine Frau übergaben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mehr als 1000 ihrer Werke als Dauerleihgabe, die bald in einem eigenen Museum zu sehen sein sollen.

Für den Frühsommer 2004 ist eine Retrospektive geplant, deren Anlass nun ein trauriger sein wird: In der Nacht zum vergangenen Samstag ist Helmut Newton bei einem Autounfall in Los Angeles ums Leben gekommen. Es heißt er habe am Steuer einen Herzinfarkt erlitten. (nz)

 
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