22.01.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Tatjana Gsell
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Im Fall des Todes des Chirurgen Franz Gsell ist ein zweiter mutmaßlicher Täter verhaftet worden. Die Justiz hält den Fall für aufgeklärt.
Die Nürnberger Justiz hält den Fall des Todes des Schönheitschirurgen Franz Gsell für «im Wesentlichen aufgeklärt».
Wie das zuständige Oberlandesgericht am Donnerstag mitteilte, haben Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft auch den zweiten unmittelbar an der Tat beteiligten Mann ermittelt. Laut der Nachrichtenagentur ddp handelt es sich um einen 41-jährigen mehrfach vorbestraften Mann, der derzeit wegen eines anderen Delikts in der Justizvollzugsanstalt Halle einsitzt. Das Amtsgericht Nürnberg habe Haftbefehl wegen Körperverletzung mit Todesfolge erlassen. Der 33-jährige Komplize hat ein umfassendes Geständnis abgelegt.
Der Schönheitschirurg Gsell war im Januar vergangenen Jahres in seinem Haus überfallen worden und kurz darauf an seinen schweren Verletzungen gestorben.
Für 30.000 EuroDie Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich der 33-jährige Verdächtige im Auftrag von Gsells Ehefrau Tatjana und einer international operierenden Autoschieberbande gegen Zahlung von 30.000 Euro in den Besitz von Tatjana Gsells Luxuslimousine bringen sollte. Die wollte den Diebstahl dann der Versicherung melden.
Das Geld sollte bei der Schlüsselübergabe ausgezahlt werden. Für die Übergabe wurde der 41-Jährige als Fahrer angeheuert. Die Nürnberger Justiz geht davon aus, dass der Arzt wusste, dass der Wagen an die Autoschieber gehen sollte.
Doch weil die beiden Männer die 30.000 Euro nicht dabei hatten, wollte Gsell ihnen den Schlüssel und die dazugehörigen Papiere nicht geben. Der 41-Jährige soll den Mann daraufhin mehrmals ins Gesicht geschlagen und gegen ein Treppengeländer gestoßen haben. Gsell stürzte und zog sich Rippenbrüche, Prellungen und eine Lungenquetschung zu. Die beiden Verdächtigen flüchteten.
Tatort präpariertUm das illegale Geschäft zu verdecken, sollen der schwerverletzte Arzt und der Hofer Staatsanwalt Stefan M. den Tatort präpariert haben. Der Polizei und der Versicherung sollte so vorgespielt werden, dass Gsell Opfer eines Raubüberfalls geworden sei. Der vermeintliche Überfall wurde erst erhebliche Zeit später gemeldet.
Tatjana Gsell soll ausgesagt haben, dass sie den vermeintlichen Schaden im Einvernehmen mit ihrem Mann der Versicherung gemeldet hatte. Der Witwe und dem befreundeten Staatsanwalt M. werden versuchter Versicherungmissbrauch, Vortäuschen einer Straftat und versuchter Betrug vorgeworfen. Frau Gsell musste kurzzeitig selbst ins Gefängnis, wurde jedoch wieder freigelassen, als sich der Verdacht, dass sie am Überfall beteiligt war, nicht erhärtete. (nz)