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Jagd auf den Crocodile Hunter

05. Jan 2004 15:05
Steve, Bob und das dreieinhalb Meter lange Krokodil Murray
Foto: AP
Steve Irwin ist in Australien vor allem bekannt durch die Fernsehsendung «Crocodile Hunter». Dass er nun auch sein Baby in dieser Rolle auftreten ließ, brachte ihm keinen Ruhm.

In Australien ist Steve Irwin ein echter Star, das Bundesland Queensland hatte ihn sogar als «Australier des Jahres» nominiert. Nach seinem letzten Krokodil-Stunt jedoch gibt es nun nicht nur in Australien laute Kritik an seinem Tun.

Der Mann ist laut Selbstbeschreibung Krokodil-Jäger, zumindest heißt so die Fernsehserie, die ihn auch in den USA und Europa bekannt gemacht hat. In der springt Irwin, euphorische Rufe ausstoßend, durch die Wüsten und Wälder der Welt und fasst giftige oder sonst wie gefährliche Tiere an. Außerdem ist er Leiter eines Krokodil-Zoos in Queensland an der Sunshine Coast.

«Australien for stupid»

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Um seine Fähigkeiten auf dem Gebiet der gefährlichen Tiere zu beweisen, hatte er am vergangenen Freitag ein vier Meter langes Krokodil namens Murray gefüttert, während sein einmonatiger Sohn Bob auf seinem Arm saß. Die Fernsehübertragung hatte enorme Einschaltquoten, doch gibt es einige, die Irwin selbst nun öffentlich für gefährlich erklären.

Aus dem Fast-Australier-des-Jahres wurde nun der dümmste Australier. Zumindest titelte die in den USA erscheinende «New York Daily News»: «Steve Irwin - Australian for stupid». Auch andere amerikanische Zeitungen sind dieser Meinung und fragen, ob er als Vater wirklich geeignet ist. Und sie verglichen ihn mit Michael Jackson, der sein Baby aus einem Fenster des Berliner Hotels «Adlon» gehalten und damit die anwesenden Fans schwer erschreckt hatte.

Irwin: Kinder müssen Gefahren kennen lernen

Irwin fühlt sich durch die Vorwürfe verletzt, zumindest berichtet das der «Sydney Morning Herald». Das Risiko der Aktion sei kalkulierbar gewesen, so Irwin zu seiner Verteidigung. «Ich hatte die vollständige Kontrolle.» «Die Menschen sagen, 'Was wäre, wenn du hingefallen wärst?' Doch damit dies passiert, hätte ein Meteorit aus dem Himmel kommen und Australien wie das Erdbeben in Iran mit einer Stärke von 6,6 auf der Richterskala treffen müssen.»

Er sagte, er würde seinen Sohn immer wieder mit in das Krokodilgehege nehmen, allerdings nicht mehr, wenn Beobachter dabei seien. «Ich würde aufpassen, dass keine Kameras in der Nähe sind», sagte er dem australischen Fernsehsender «Channel nine». «Ich werde meine Kinder und die Kinder der Welt weiter unterrichten, damit sie nicht mit Krokodilen ins Wasser gehen.»

Auch seine Frau Terri versteht die Aufregung nicht. Schließlich sei es die Aufgabe von Eltern, ihre Kinder mit den Gefahren des tropischen Lebens vertraut zu machen. «Kinder lernen in sehr jungen Jahren zu schwimmen», sagte sie. «Wäre es besser, ein Kind unter Anwendung von Zwang das Schwimmen beizubringen, oder es ertrinken zu lassen?»

Irwin selbst hat auf ähnliche Art seine Kindheit verbracht. Er war in dem kleinen Reptilienpark seines Vaters aufgewachsen, den er selbst unter dem Namen «Australia Zoo» zu einer Touristenattraktion ausgebaut hat. Zu seinem sechsten Geburtstag bekam er eine dreieinhalb Meter lange Python geschenkt. Im Alter von neun Jahren zum ersten Mal unter Anleitung seines Vaters Bob ein Krokodile per Hand gefangen. Auch er sei von seinem Vater als Baby mit in das Gehege genommen worden. Schließlich lebe er mit seiner Familie mitten im «Australia Zoo».

Zumindest «etwas seltsam»

Die Australier scheinen trotzdem skeptisch. Wie die Zeitung schreibt, muss Irwin wohl seine Hoffnung aufgeben, zum Australier des Jahres gewählt zu werden. Auch wenn die Landesregierung von Queensland zu ihrer Entscheidung stehe, der «Australia Day Council», die Jury, scheint eher negativ beeindruckt.

Sie habe «tiefe persönliche Bedenken» gegen die Art, wie Irwin sich verhalten habe, wird die Direktorin der Jury, Marjorie Turbayne, zitiert. «Er ist ein sehr netter junger Mann und ich bin sicher, dass er auf seine Familie aufpasst, aber das ist schon ein wenig seltsam.» (nz)

 
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