30.10.2003
Herausgeber: netzeitung.de
870 Seiten Potter
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wenn Kinder zu lange das schwere «Harry Potter und der Orden des Phönix» lesen, werden sie krank. Das zumindest befand ein amerikanischer Arzt - und erfand die «Hogwarts-Kopfschmerzen».
Ende des 19. Jahrhunderts grassierte unter jungen Engländerinnen eine Modekrankheit namens Florenz-Syndrom. Nachdem die jungen Frauen von Bildungsreisen aus dem lieblichen Italien in die verregnete Heimat zurückgekehrt waren, verfielen viele von ihnen aus Sehnsucht nach der Schönheit des Südens in Depressionen. Wie das Betrachten der italienischen Bau- und Kunstwerke und Landschaften krankgemacht haben soll, hat ein amerikanischer Arzt nun auch ein Leiden entdeckt, zu dem angeblich die Lektüre des neuen «Harry Potter»-Romans führt.
Die Beschreibung der «Hogwarts-Kopfschmerzen» brachte dem Washingtoner Arzt Howard Bennett eine Veröffentlichung in der renommierten Fachzeitschrift «New England Journal of Medicine» ein. Der Kinderarzt stellte drei eigentlich kerngesunde kleine Patienten vor, die im vergangenen Sommer unter Kopfschmerzen gelitten hätten. Wie der Arzt herausfand, hatten alle den neuen, 870-Seiten schweren «Harry Potter und der Orden des Phönix» fast in einem Stück durchgelesen.
«Die Kinder waren alle begeisterte Harry-Potter-Fans, die das Buch einfach durchgepflügt haben», zitiert die Nachrichtenagentur AP Bennett. «Viele meiner Kids haben sechs bis acht Stunden am Tag gelesen. Und es ist ein großes Buch für ein neun- oder zehnjähriges Kind.»
MuskelverspannungenEr gab seiner Diagnose den Namen «Hogwarts Kopfschmerzen» nach der Zauberschule, die der angehende Magier Potter besucht. Die Beschwerden rührten daher, dass die Kopfmuskeln über einen langen Zeitraum angespannt würden. Ein Kind habe außerdem über Hals- und Handgelenkschmerzen geklagt.
Zwar unterstütze er weiterhin, dass Kinder «Harry Potter» lesen, so der Arzt, doch «es wäre gut, wenn man mal eine Pause macht».
Bei den vorhergehenden Potter-Romanen habe Bennett keine Klagen gehört. Der erste Band hatte allerdings auch gerade mal 309 Seiten. Wenn es so weitergehe, und die Autorin J.K. Rowling immer mehr schreibe, «könnten wir eine Hogwarts-Kopfschmerz-Epidemie bekommen», schreibt Bennett, der auch als Autor medizinischer Witz-Bücher bekannt ist. (nz)