Rafael Seligmann: Holocaust-Denkmal überflüssig wie ein Blinddarm
29.10.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Rafael Seligmann
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Autor Rafael Seligmann fordert den endgültigen Ausstieg aus dem Holocaust-Denkmal-Projekt in Berlin. Er findet, es diene nicht dem deutsch-jüdischen Dialog.
Wem an einer deutsch-jüdischen Verständigung liege, der sollte dem Bau des Holocaust-Denkmals endgültig Einhalt gebieten, fordert der Schriftsteller und Publizist Rafael Seligmann im Interview.
Der vorläufigen Baustopp für das Mahnmal in Berlin solle für einen endgültigen Ausstieg aus dem Projekt zum Anlass genommen werden, schreibt Seligmann im «Stern». Nur so lasse sich ein Desaster verhindern, das «die deutsch-jüdischen Versöhnungsbemühungen eines halben Jahrhunderts zunichte zu machen» drohe.
Holocaust-KassandraVon einem «Häufchen Bußsüchtiger unter der Führung der Holocaust-Kassandra Lea Rosh abgesehen» wolle niemand in Berlin dieses Denkmal, das «mit seinen gigantomanischen Ausmaßen eher dem Nürnberger Reichstagsgelände gleicht als einem Ort der Besinnung». Schon der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, habe vor einem Zuviel an gewollter Belehrung über die Schrecken des Völkermords gewarnt.
Seligmann warnte, das Mahnmal könne bei jungen Menschen einen kontraproduktiven Effekt haben. Doch obwohl diese Psycho-Logik allen bekannt sei, werde weiter an dem Monument gebaut, das «überflüssig und gefährlich wie ein Blinddarm» sei.
Die ermordeten Juden verdienten Trauer und Andenken. Doch ein «ertrotzter Betonstelenwald» würde nicht die Toten ehren, sondern die Lebenden in Unverständnis stürzen. (nz)