netzeitung.deJulie Delpy singt

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Julie Delpy (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Julie Delpy
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die französische Schauspielerin Julie Delpy hat ein Album aufgenommen, und will in Amerika ihren Eltern entkommen.

Julie Delpy hat ein Album mit Folksongs aufgenommen. Dabei sollte die französische Schauspielerin doch Hollywood erobern.

Als Über-Französin hat sie in «Before Sunrise» Ethan Hawke den Kopf verdreht, in «Killing Zoe» zeigte sie Eric Stoltz das «wahre Paris». Als Delpy 1990 nach Amerika ging - zuerst nach New York dann nach Los Angeles - erwarteten viele eine großartige Karriere.

Nur nicht sie selbst: «Ist es nicht seltsam, dass man von Schauspielern immer denkt, maximaler Ruhm sei ihr wichtigstes Ziel? Ich habe in Frankreich erste Erfahrungen mit dem Ruhm gemacht - und die haben mir nicht besonders gefallen», sagt die 33-Jährige im Interview mit dem «Spiegel».

Flucht vor den Eltern
Der Hauptgrund für ihren Umzug in die USA sei gewesen, dass sie ihren Eltern entkommen wollte: «Verstehen Sie mich nicht falsch, meine Eltern sind die nettesten Menschen, die man sich vorstellen kann. Beide sind Schauspieler, totale Hippies, die Lou Reed und Janis Joplin hören. Aber sie sind eine Art emotionaler Schwamm, sie saugen einen aus. Meine Mutter hätte mit dauernd erklärt, dass ich mit Musik mein Leben verplempere. Ich bin eine erwachsene Frau, aber gegenüber meiner Mutter fühle ich mich bis heute, als sei ich vier Jahre alt.»

Auf der am 13. Oktober in Deutschland erscheinenden, schlicht «Julie Delpy» betitelten CD singt Delpy Englisch: «Die meisten Stücke habe ich für ganz bestimmte Menschen geschrieben, die wie ich in den USA leben. Weil es mir oft schwer fällt, mich in Briefen oder Gesprächen mitzuteilen, habe ich entdeckt, dass ein lied ein guter Weg ist, meine Gefühle auszudrücken,» sagte Delpy dem Nachrichtenmagazin. Ihr Vater habe kürzlich gesagt: «Du machst ein Geschäft mit deinen gescheiterten Beziehungen. Andere werden depressiv, du machst Lieder darüber.»

Katze auf Kokain
Das sei auch der Grund, warum die Liebe in ihren Liedern immmer tragisch ende: «Letztenendes ist es aufregend, in der Liebe auch Schmerz zu fühlen. Das hält dich lebendig. Wenn es in Beziehungen zu gut läuft, droht man abzustumpfen.»

Sie selbst habe kein Talent für glückliche Beziehungen. «Jedensfalls nicht auf Dauer.» Im Gegensatz zu anderen Menschen habe sie keine Mauern aufgebaut, «die das schützt, was sie sind und fühlen. Es gibt keinen Schutz zwischen mir und der Welt. Das macht mich häufig sehr nervös. Ich fühle mich manchmal wie eine Katze auf Kokain.» Die Verwandlung ihrer Gefühle in Musik verhelfe ihr zur Distanz. (nz)

Julie Delpy, «Julie Delpy» ab dem 13. Oktober im Handel erhältlich.