netzeitung.de«Episode II - Angriff der Klonkrieger»: George Lucas schlägt zurück

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Lupe «Episode II - Angriff der Klonkrieger»: George Lucas schlägt zurück

Vor drei Jahren wurde «Episode I» heftig kritisiert, sogar von Star-Wars-Anhängern. «Episode II - Angriff der Klonkrieger» wird nicht nur Fans begeistern, sondern alle Liebhaber des perfekten Hollywood-Kinos. Von Niki Kopp Bilderschau: Bilderschau: ...

«Episode II» hat alles, was einen Star-Wars-Film ausmacht: exotische Planeten, schrille Wesen, atemberaubendes Design, haarsträubende Actionszenen mit perfekten Spezialeffekten. Natürlich gibt es auch wieder die beiden Droiden R2-D2 und C3-PO, die wie gewohnt durch die Handlung stolpern und fiepen und sie durch kleine humoristische Einlagen auflockern.

Aber «Episode II» hat auch noch die legendäre Musik von John Williams und starke Charaktere - allen voran Ewan McGregor als Obi-Wan, Natalie Portman in der Rolle der Padmé Amidala sowie Hayden Christensen in seinem Star-Wars-Debüt als Anakin Skywalker.

Und dann gibt es da noch diese unerklärliche Aura, die alle Filme der Saga umgibt und sie zu mehr macht als Weltraumopern mit Spezialeffektoverkill, die die Mythen der Filmgeschichte plündern.

Düster und faschistoid
Teil zwei (oder fünf) der Serie lebt vor allem von dieser Stimmung. Der Humor hält sich in Grenzen, der Film wirkt düsterer und bedrohlicher als sein Vorgänger. Wie schon im zweiten oder jetzt fünften Teil von Star Wars, «Das Imperium schlägt zurück», wendet sich wieder alles dem Bösen zu.

Geradezu schockierend wirken die Wendungen der Handlung und lassen die Zukunft der strahlenden galaktischen Republik grausam erscheinen. Genau wie die der Lichtgestalt der zweiten Trilogie, Anakin Skywalker. Lucas muss, dem Gesetz seiner eigenen Historie folgend, aus ihm einen Bösen formen, einen intergalaktischen Schurken, der einst versuchen wird, seinen eigenen Sohn zu töten. So wie aus Anakin langsam Darth Vader entsteht, nimmt die Republik die ersten faschistoiden Züge des späteren Imperiums an.

George Lucas hatte bereits angekündigt, «Angriff der Klonkrieger» werde ein finsterer Film, ähnlich der Episode «Das Imperium schlägt zurück» von 1981. Die gilt, auch wegen ihrer dunklen Szenen, als bisher beste der Serie. Der Regisseur und Drehbuchautor hat sein Versprechen wahr gemacht und es erscheint durchaus realistisch, dass «Episode II» diesen Platz als Lucas' Meisterwerk einnehmen wird.

Dessen Science Fiction-Werke sind darauf ausgelegt, dass hartnäckige Fans sie sich über Jahre immer wieder angucken, sie begutachten, bewerten. Die Filme reifen. Und Lucas weiß das. Die Handlung ist so gedrängt, dass sie beim ersten Sehen kaum verarbeitet und in allen Facetten verstanden werden kann.

In der kurzen Zeit, die Lucas zwischen den spektakulären Action- und Spezialeffektszenen bleibt, ist kein Platz für ausführliche Erklärungen oder plausible Entwicklungen. Trotzdem gibt es komplizierte politische Winkelzüge, bösartige Intrigen und neue religiöse Aspekte.

Ebenso wie die Liebe zwischen Anakin und Padmé Amidala werden sie allerdings völlig von den offensichtlichen Elementen überlagert: Der Entwicklung der Hauptfigur zum Bösewicht und den brachialen Spezialeffekten. Im Gesicht Anakins gehen beängstigende Dinge vor sich, und sie sind genauso beeindruckend wie die Schlachtszenen des Finales.

Liebe der Dritten Art
Die sind nicht nur optisch ein Genuss, sie leben auch von der außergewöhnlichen Akustik. Alltägliche Geräusche, Maschinen, Tiere, Menschen, wurden zu einem organischen Sound zusammengesetzt, der nicht digital und kalt wirkt, sondern beeindruckend lebendig. Natürlich gibt es wieder die klassischen Geräusche im Vakuum des Weltalls: jaulende Raumschiffe, pfeifende Laserschüsse und berstende Asteroiden.

Diese physikalisch eigentlich unmöglichen Töne sind eines der Merkmale von Lucas' Welt. Genau wie die Liebesbeziehungen. Sie sind immer konstruiert, verklemmt, fast pubertär und unoriginell. Eine der Regeln dieses speziellen Universums, das es nur im Film gibt.

Dabei sind sie aber immer funktional, die Geräusche genauso wie die Liebesgeschichten. Sie stehen im Dienste der Story und der Wirkung der Doppel-Trilogie: Anakin muss Padmé Amidala heiraten und mit ihr Luke und Leia zeugen, die ihn dann einst erlösen werden. Das alles erzählt Lucas wie immer ohne Sex, der im Star Wars Universum nicht existiert. Anakin selbst zum Beispiel, der Ursprung der Geschichte, wurde unbefleckt empfangen.

Yoda in Action
«Angriff der Klonkrieger» ist der erste Film, der völlig digital aufgenommen wurde und er kann auch nur in Kinos gezeigt werden, die digitale Technik besitzen. Bei «Episode I» gab es nur einige digitale Testszenen, der Rest wurde noch auf herkömmlichem Filmmaterial gedreht.

Die neue Technik nutzte Lucas, um seine digitalen Charaktere nahtlos in den Film und die Geschichte einzubauen. Der alte Jedi-Meister Yoda darf nun weitaus mehr agieren als bisher und sogar kämpfen. Er konnte nicht mehr eine von Muppet-Veteran Frank Oz gespielte Puppe sein, sondern musste voll digitalisiert werden. Das Ergebnis ist überzeugend und verleiht dem Jedi eine erstaunliche Beweglichkeit. Oz leiht Yoda übrigens im englischen Original weiterhin seine Stimme.

Dafür ist eine andere, bereits in «Episode I» voll digitale Figur, nun angenehm zurückhaltend: Die oft kritisierte, eher nervende statt komische Präsenz des Gungans Jar Jar Binks hält sich in Grenzen. Allerdings darf er nun sogar vor dem intergalaktischen Senat sprechen.

Ein neues Zuhause
«Episode II» hat seine Pflichtaufgabe erfüllt. Alle für einen Star Wars-Film wichtigen Elemente sind darin enthalten und die Entwicklung Anakins zu Darth Vader wirkt plausibel.

Schwächen wie in «Episode I» leistet er sich nicht, abgesehen natürlich von der sich hinschleppenden Liebesgeschichte, die aber ein Teil des Lucas'schen Universums ist und so erzählt werden muss. Fans werden den Film nicht schönreden müssen, denn Lucas ist es zum ersten Mal wieder gelungen, das «alte Star-Wars-Feeling» zu erzeugen: Ein längst vergangenes Universum zum Leben zu erwecken, das nichts zu tun hat mit diesem hier, und das trotzdem so wirkt, als wäre es ein Zuhause, als wären die erzählten Mythen Teil der eigenen Geschichte.