«Episode II - Angriff der Klonkrieger»: George Lucas schlägt zurück
15.05.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Aber «Episode II» hat auch noch die legendäre Musik von John Williams und starke Charaktere - allen voran Ewan McGregor als Obi-Wan, Natalie Portman in der Rolle der Padmé Amidala sowie Hayden Christensen in seinem Star-Wars-Debüt als Anakin Skywalker.
Und dann gibt es da noch diese unerklärliche Aura, die alle Filme der Saga umgibt und sie zu mehr macht als Weltraumopern mit Spezialeffektoverkill, die die Mythen der Filmgeschichte plündern.
Geradezu schockierend wirken die Wendungen der Handlung und lassen die Zukunft der strahlenden galaktischen Republik grausam erscheinen. Genau wie die der Lichtgestalt der zweiten Trilogie, Anakin Skywalker. Lucas muss, dem Gesetz seiner eigenen Historie folgend, aus ihm einen Bösen formen, einen intergalaktischen Schurken, der einst versuchen wird, seinen eigenen Sohn zu töten. So wie aus Anakin langsam Darth Vader entsteht, nimmt die Republik die ersten faschistoiden Züge des späteren Imperiums an.
Ebenso wie die Liebe zwischen Anakin und Padmé Amidala werden sie allerdings völlig von den offensichtlichen Elementen überlagert: Der Entwicklung der Hauptfigur zum Bösewicht und den brachialen Spezialeffekten. Im Gesicht Anakins gehen beängstigende Dinge vor sich, und sie sind genauso beeindruckend wie die Schlachtszenen des Finales.
Diese physikalisch eigentlich unmöglichen Töne sind eines der Merkmale von Lucas' Welt. Genau wie die Liebesbeziehungen. Sie sind immer konstruiert, verklemmt, fast pubertär und unoriginell. Eine der Regeln dieses speziellen Universums, das es nur im Film gibt.
Dabei sind sie aber immer funktional, die Geräusche genauso wie die Liebesgeschichten. Sie stehen im Dienste der Story und der Wirkung der Doppel-Trilogie: Anakin muss Padmé Amidala heiraten und mit ihr Luke und Leia zeugen, die ihn dann einst erlösen werden. Das alles erzählt Lucas wie immer ohne Sex, der im Star Wars Universum nicht existiert. Anakin selbst zum Beispiel, der Ursprung der Geschichte, wurde unbefleckt empfangen.
Die neue Technik nutzte Lucas, um seine digitalen Charaktere nahtlos in den Film und die Geschichte einzubauen. Der alte Jedi-Meister Yoda darf nun weitaus mehr agieren als bisher und sogar kämpfen. Er konnte nicht mehr eine von Muppet-Veteran Frank Oz gespielte Puppe sein, sondern musste voll digitalisiert werden. Das Ergebnis ist überzeugend und verleiht dem Jedi eine erstaunliche Beweglichkeit. Oz leiht Yoda übrigens im englischen Original weiterhin seine Stimme.
Dafür ist eine andere, bereits in «Episode I» voll digitale Figur, nun angenehm zurückhaltend: Die oft kritisierte, eher nervende statt komische Präsenz des Gungans Jar Jar Binks hält sich in Grenzen. Allerdings darf er nun sogar vor dem intergalaktischen Senat sprechen.
Schwächen wie in «Episode I» leistet er sich nicht, abgesehen natürlich von der sich hinschleppenden Liebesgeschichte, die aber ein Teil des Lucas'schen Universums ist und so erzählt werden muss. Fans werden den Film nicht schönreden müssen, denn Lucas ist es zum ersten Mal wieder gelungen, das «alte Star-Wars-Feeling» zu erzeugen: Ein längst vergangenes Universum zum Leben zu erwecken, das nichts zu tun hat mit diesem hier, und das trotzdem so wirkt, als wäre es ein Zuhause, als wären die erzählten Mythen Teil der eigenen Geschichte.
