22.12.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Hier steht Roman Polanski unter Hausarrest - bei seiner Ankunft versammelten sich viele Journalisten vor dem Chalet
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Vergewaltigungs-Vorwürfe seien «zu ernst», das Gericht wird den Fall Roman Polanski also vorerst nicht einstellen. Das schlimmste Szenario des Star-Regisseurs scheint wahr zu werden - er muss in die USA reisen.
Roman Polanski wird einem Prozess in den USA wohl kaum entgehen können: Das zuständige Gericht in Kalifornien lehnte am Montag seinen Antrag auf die Einstellung des Verfahrens gegen ihn vorerst ab. Zuerst müsse Polanski in die USA zurückkehren und vor dem Gericht erscheinen, sagte ein Gerichtssprecher der Nachrichtenagentur dpa. Erst dann werde geprüft, ob das Verfahren weitergehe oder nicht. Die Vorwürfe gegen den Regisseur seien zu ernst. Polanski soll 1977 eine damals 13-Jährige in Los Angeles vergewaltigt haben.
Argumentation AmtsverletzungDer 76-Jährige steht derzeit unter Hausarrest im Schweizer Prominentenort Gstaad. Die Anwälte des Oscar-Preisträgers hatten vor zehn Tagen verlangt, das Verfahren einzustellen. Als Grund hatten sie unter anderem angegeben, dass zum Beginn des Prozesses vor mehr als 30 Jahren sowohl der Richter als auch die Staatsanwaltschaft zahlreiche Amtsverletzungen begangen hätten. So hätten sie zum Beispiel vertrauliche Dinge mit Unbefugten besprochen. Polanski hatte sich damals einer Strafe entzogen, indem er flüchtete. Seitdem war er nicht mehr in die USA eingereist. Der Prozess blieb daraufhin vorerst in der Schwebe.
In einer Stellungnahme erkannte das Gericht an, dass es schwer sei, die Vorgänge von damals heute noch nachzuvollziehen. Es gebe nur wenige Aufzeichnungen zu dem Fall. Um mehr Einsicht zu bekommen, müssten alle Beteiligten weitere Untersuchungen anstellen. Der Regisseur («Der Pianist») war am 26. September in Zürich verhaftet und auf Ersuchen der USA in Auslieferungshaft genommen worden.
Nach 70 Tagen im Gefängnis war der 76-Jährige jüngst entlassen worden. Er hält sich nun in seinem Chalet in Gstaad auf und wird per elektronischer Fußfessel überwacht. (nz/dpa)