27.11.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Wenn der Verteidigungsminister ein Kleid trüge
Eine überforderte Kati Witt, ein angeschlagener Helmut Kohl und ein Gast, dessen Rede einfach wegfiel: Die «Bambi»-Preisverleihung war reich an bizarren Momenten. Immerhin bewies Freifrau zu Guttenberg, dass auch sie zur medialen Allzweckwaffe taugt.
Müder Auftakt für die neuen «Bambi»-Moderatoren: Nach Harald Schmidt, der die Medienpreisverleihung in den vergangenen Jahren unbestritten unterhaltsam moderiert hatte, führten nun mit Ex-Eiskunstlaufstar Katarina Witt und Sportmoderator Tom Bartels zwei eher unbedarfte Kräfte durch den Abend. Während Witt in einem besorgniserregend engem Abendkleid einen bemühten Gag nach dem anderen herauspresste, beschränkte sich Bartels auf spröder Überleitungen.
Gut, dass gleich zu Beginn der Feier in Potsdam, die zeitgleich auch in der ARD übertragenen wurde, zumindestens ein emotionaler Moment garantiert war: 20 Jahre nach dem Mauerfall erhielten Helmut Kohl als «Kanzler der Einheit» neben drei «Stillen Helden» der Wende das goldene Reh.
«Jopie» gekürztDer Altkanzler konnte die Auszeichnung wegen seines bekanntermaßen angeschlagenen Gesundheitszustandes nicht vor Ort entgegen nehmen. Der 79-Jährige bedankte sich per Videoeinspieler sichtlich bewegt für den Preis. Viele der rund 800 Gäste wirkten schockiert über den Anblick Kohls, dessen Hände zitterten und dem das Sprechen viel Mühe bereitete. Auch ein anderer großer alter Mann kam nicht zu seinem Auftritt: Johannes Heesters bekam sein mittlerweile achtes Bambi - seine Laudatio (ebenfalls eine Videoeinspielung) wurde den rund 4,79 Millionen Fernsehzuschauer allerdings unterschlagen - zu sehr hatten die Veranstalter schon den Zeitplan überzogen.
Die Nachrichtenagentur dpa leistete Aufklärungsarbeit und will erfahren haben, was «Jopie», der am 5. Dezember 106 Jahre alt wird, zu der Auszeichnung sagte: «Das ist jetzt der 8. Bambi, und dann kommt noch der 9. und dann kommt noch der 10.!»
Überraschung, Herr Joop!Mehr als eine etwas länglich ausgefallene Aneinanderreihung von Preisen war denn auch die Gala des Burda-Verlages nicht. Sichtlich erfreut und überrascht zeigte sich etwa Modemacher Wolfgang Joop, der von seiner Auszeichnung zuvor nichts gewusst hatte. Als Stargast sorgte Oscar-Preisträgerin Kate Winslet für große Gesten: Sie sank dankbar vor ihrem Laudator, Schauspieler Bruno Ganz, auf die Knie und verkündete, ihren Bambi mit Schauspielkollege David Kross (ebenfalls «Der Vorleser») zu teilen.
«Ich hab' Hunger»Christoph Waltz, geehrt für seine viel beachtete Rolle in Quentin Tarantinos «Inglourious Basterds» wollte nach eigenen Angaben «etwas Geistreiches» zum Besten geben - und kam dann dankenswerterweise aber nur auf die kürzeste Rede des Abends: «Vielen, vielen Dank». Deutlich länger holte Stephanie zu Guttenberg aus, die ihren Mann, Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, wegen der aktuellen Nachrichtenlage vertrat («Denken Sie sich Ihren Verteidigungsminister in dieses Abendkleid») und - im quietschroten Abendkleid und mit aufgetürmter Betonfrisur - eine lange Eloge auf den scheidenden Bayern-Manager Uli Hoeneß hielt.
Spätestens da überwogen im Publikum offenbar andere Gefühle: «Ich hab' Hunger», verkündete der für sein Lebenswerk geehrte Schauspieler Maximilian Schell als letzter Preisträger. Endlich konnte sich die illustre Gästeschar über den Kalbsrücken hermachen - und der TV-Zuschauer abschalten.