23.11.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Links das Original, rechts die Parodie
Foto: nz / screenshot
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Am selben Tag veröffentlicht und äußerlich zum Verwechseln ähnlich: Sarah Palins Memoiren sind auf dem Markt, ebenso deren Parodie - wenn auch eine sehr ernst gemeinte. Man achte auf ein Wortspiel und ein Donnerwetter.
Eine lächelnde Sarah Palin ist auf dem Buchcover zu sehen. Der Blick der ehemaligen Republikaner-Kandidatin für das Amt des US-Vizepräsidenten ist nach oben gerichtet, ein heller Schein liegt auf ihr. Soweit, so erwartbar für die Memoiren einer Frau, die sich als Lichtgestalt im Präsidentschaftswahlkampf sah und sich als Gegenpol zum tatsächlich dunkelhäutigen und vermeintlich «dunkle» Absichten verfolgenden Barack Obama zu positionieren versuchte.
Doch eines stört das Bild: Der Hintergrund des Buchcovers ist ein einziges drohend-schwarzes Wolken-Chaos, aus dem heraus Blitze zucken. Was will Palin damit sagen? Gar nichts.
Denn das Buch «Going Rouge Sarah Palin. An American Nightmare» ist eine Parodie auf die tatsächliche Biographie, die Palin derzeit auf ihrer Lesereise präsentiert. Statt «Nightmare» (Albtraum) ist im Titel des Originals von «Life» (Leben) die Rede, aus «Rogue» wurde in der Parodie «Rouge», und der Himmel der Memoiren ist natürlich hellblau von weißen Wölkchen durchzogen. Aber insgesamt ähneln sich beide Bücher zum Verwechseln.
So ist es denn auch geschehen, dass «USA Today» das falsche Cover zu seiner Buchrezension druckte, und Fox News musste sich dafür entschuldigen, einen ähnlichen Fehler begangen zu haben.
Google-Ads umgeleitetDie «New York Post» berichtet, dass der Herausgeber der echten Palin-Memoiren nun extra Anzeigen schalten muss, um potenzielle Leser nicht versehentlich bei der Parodie landen zu lassen.
Der Mit-Herausgeber des nachgemachten «Rouge»-Buchs, Colin Robinson, verdächtigt zudem «Rogue»-Verlag HarperCollins, Google-Anzeigen gekauft zu haben, um Menschen, die nach der Parodie suchen, aufs Original umzuleiten. «Ich finde das ziemlich unsportlich», so Robinson in der «New York Post».
Wer trotzdem die gewitterumnachtete Palin ersteht, erhält ein Buch, das Texte vieler verschiedener Autoren vereint. «Eine super Sammlung», kommentiert man im Blog «Huffington Post», der Leser erfahre hier «weitaus mehr über die wirkliche Sarah Palin, als man je aus ihren Memoiren erfahren würde».
WortspielSchön ist natürlich unabhängig von jeglicher Plagiatsfrage oder dem Sinn und Unsinn von Parodien das Wortspiel «Rogue» vs «Rouge». Als Schlingel, Schurke, Spitzbube wollte sich Palin stets verstanden wissen. Sie wollte eine sein, die sich absetzt vom etablierten Politikbetrieb in Washington - ein «rogue» halt. Doch dank ihrer teuren Kleidung (für die sie nachweislich mehr Geld ausgab, als ihr im Wahlkampf eigentlich zustand) und dem stets perfekten Make-Up kommt «Rouge» der Realität fast näher.
Auch mag sich der ein oder andere an eine umstrittene Redewendung erinnern, die der Demokrat Barack Obama im Zusammenhang mit Palin benutzte: In Anspielung auf die Tatsache, dass Behauptungen und Äußeres nicht zwingend eine innere Wandlung bewiesen, sagte er im Wahlkampf, man könne «einem Schwein Lippenstift auftragen», es bliebe jedoch «immer ein Schwein».
Ein Kapitel im «Rouge»-Buch lautet «Sarah Palins Lyrik» und bietet dem Leser die Worte der Republikanerin in Form eines japanischen Haiku:
You Cant Blink
You cant blink.
You have to be wired
In a way of being
So committed to the mission,
The mission that were on,
Reform of this country,
And victory in the war,
You cant blink.
So I didnt blink.
To Charles Gibson, ABC News, September 11, 2008. Quelle:
msnbc.com (nz)