«Wetten, dass...?» wieder im alten Trott : 

netzeitung.deDas ewige Herumlecken an Michelle Hunziker

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«Wetten, dass...?» wieder im alten Trott  

Lupe Das ewige Herumlecken an Michelle Hunziker

Nackte Popos, ein Pin-Up mit Running-Gag-Funktion und Lady Gaga, die Rilke vorlas: Thomas Gottschalks «Wetten, dass...?» will jugendlich wirken, amüsiert aber vor allem durch seine altväterlichen Momente, schreibt Kerstin Rottmann. Alter Zausel trifft ...

Alter Zausel trifft auf junge Hüpfer - das neue «Wetten, dass...?»-Konzept mit Zweitmoderatorin Michelle Hunziker ist Thomas Gottschalk schon in Fleisch und Blut übergegangen. Dazu hat der Moderator nun auch den passenden Gesichtsausdruck: Immer wieder ließ der 59-Jährige am gestrigen Samstagabend den Kiefer sacken und den Blick ein wenig starr werden. Dazu presst er ein «joah» heraus, das der Selbstironie eines Frührentners ähnelte.

Gleich zu Beginn dieser 184. Folgen der ZDF-Show, die diesmal aus Braunschweig kam, gab es reichlich Platz für «joahs». Da kamen nämlich zwei nur wenig ältere bzw. jüngere Herren als Gottschalk die Showtreppe herab, beide ebenfalls sogenannte «Show-Dinos», wenn auch aus unterschiedlichen Bereichen: ARD-Moderator Harald Schmidt und TV-Produzent Wolfgang Rademann. Trotz aller vermeintlicher Unterschiede hatten beide dasselbe Produkt zu bewerben, und zwar die neue Folge des ZDF-«Traumschiffs».

Dort ist Schmidt - mittlerweile eine Art Bord-Maskottchen - wieder als Schauspieler dabei, doch in diesem Mal nimmt die mediale Überhöhung noch eine weitere Schraube, wie das staunende «Wetten, dass...?»-Publikum erfuhr: Am heutigen Sonntagabend wird nämlich auch Thomas Gottschalk in dem Spielfilm zu sehen sein, und zwar als er selber, um wiederum Schmidt, der einen alternden Entertainer spielt, einen Gefallen zu tun - und zwar um dessen Vater (gespielt von Uwe Friedrichsen) mal endlich wirklich zu beeindrucken. Verwirrender Plot? Stimmt. Auch der Film-Einspieler, der die ZDF-Sendung bewerben sollte, war wenig mehr als wirr.

«Sieht doch allet jut aus»?
Das glichen dann aber wenig später die Herren auf dem Sofa aus, die sich in überaus vertrauter und nahezu altväterlicher Art und Weise die Bälle zuspielten. Schmidt feuerte pro forma Sprüche wie «Uniformen machen mich geil ab» und sprach Gottschalk auf eventuelle Faceliftings an - Zeit für ein neues «joah» - während Rademann alle gutgelaunt in Grund und Boden berlinerte, und verkündete: «Traumschiff - wa, det sieht doch allet jut aus?!».

Spätestens hier war des hohe Zeit für den zweiten Einsatz von Ko-Moderatorin und Berufs-Augenweide Michelle Hunziker, die sich immer mehr zum Pin-Up mit Running-Gag-Funktion entwickelt. Gleich zum Auftakt der Show hüpfte sie im Bademantel über die Bühne (hach, es ist als Frau ja auch so schwer, sich für ein schönes Kleid zu entscheiden...), stieg dann ins Abendkleid um, wechselte in ein Basketball-Trikot und endete in einem Michael-Jackson-Outfit.

Popo zeigen
Dass die Braunschweiger zu Tausenden vor dem dortigen Schloss in Zombie-Verkleidung zu Jackos« «Thriller» tanzten und Gottschalk so seine Wette verlor, sei nur nebenher erwähnt. Zwischendrin verloren sich zahlreiche eher langweilige Gäste auf dem Sofa - Rennfahrer Sebastian Vettel, Moderatorin Nazan Eckes und Elisabeth von Thurn und Taxis, neuerdings Buchautorin und Tochter von Fürstin Gloria - und es gab eine Wette, die den »Stinkstiefeln« der letzten Ausgabe nur wenig nachstand: Diesmal ordnete ein Student farbige Po-Abdrücke den dazugehörigen nackten Models zu. Wer ein wenig rumzappte, konnte zeitgleich bei RTLs »Supertalent« einen Kandidaten sehen, der sich zwei Löcher in die Hose geschnitten hatte und ein aufgemaltes Gesicht auf dem Allerwertestens offenbarte.

Soviel also zum Unterschied von ZDF und RTL. Immerhin konnte der neuerdings so juvelin wirken wollende Sender beim Showprogramm punkten. Die Black Eyed Peas spielten, ebenso Spandau Ballett und der vom Publikum heiß erwartetet Robbie Williams. Der zeigte die neueste Anzugmode, seine ergrauten Haare und wirkte sichtlich peinlich berührt, als ihn der Moderator mit einem Bild seiner selbst aus dem Jahre 2003 konfrontierte: Darauf leckte »Skandal-Robbie« dem damaligen Gast Michelle Hunziker bei einem »Wetten, dass...?« Auftritt die Wange ab. Klar, dass die nun schnellsten aufs Sofa herbeizitiert werden und unter viel Kicherei und Knutscherei Abbitte geleistet werden musste.

Schöner werben mit Lady Gaga
Was Williams von all dem wirklich hält, zeigte sich kurz danach: Er flüchtete sich nach Smalltalk und Gesangsauftritt wieder hinter die Bühne zu Lebensgefährtin Ayda Fields. Wie wenig Lust die Stars auf ihre Auftritte haben, führte dann US-Sängerin Lady Gaga auf. Statt brennende BHs oder anderen Gimmicks ihrer Bühnenshow zu präsentieren, stellte Frau Germanotta nur einen Ausschnitt (!) aus ihrem neuem Videoclip (!?) vor, wies darauf hin, dass es ihr aktuelles Album demnächst für den halben Preis gibt und las sich ihr eigenes Tattoo auf dem Arm vor - immerhin ein Gedicht von Rainer Maria Rilke. «Joah», konnte der TV-Zuschauer da nur sagen - das «Wetten, dass...?» eine Abspielplattform für neue Produkte der Gäste ist, ist ja hinreichend bekannt, aber könnte das ZDF nicht vielleicht doch die eine oder andere Schamgrenze einziehen?
Baggern ganz elegant
Vielleicht sollte Thomas Gottschalk die Einlösung seiner Wettschuld am heutigen Sonntag mal zur Besinnung nutzen. Dann nämlich muss der ZDF-Moderator von Braunschweig nach Berlin in einem Trabi fahren. Ein wenig Stoff zum Nachdenken dürften auch die Quoten geben: Den Erfolg vom Oktober - damals zog die erste Sendung mit Michelle Hunziker immerhin 11,29 Millionen Zuschauer vors Fernsehgerät - konnte die Show vom Samstag nicht wiederholen. Diesmal sagen «nur» 9,85 Millionen Deutsche zu, wie der 30-jährige Ralf Rabung Wettkönig wurde. Der wiederum zeigte dem Moderator, dass Baggern auch ganz elegant geht: Er warf Basket-Bälle mit dem Greifer seines Baggers in den Korb.