25.09.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Dann ging's zur Sache: Harald Schmidt und Monica Ivancan
Foto: ARD/Klaus Görgen
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Man hätte vieles von Harald Schmidt erwarten können. Aber dass er sich in der Sendung die Ex-Freundin seines Ex-Partners auf den Tisch legt. Und dann. Ja dann
Das ist schon. Also
Das Feuilleton hat ja nie aufgehört zu hoffen. Oder aber: zuletzt vielleicht doch ein bisschen. Harald Schmidt habe, schrieb da einer, damals im renditegeilen Privatfernsehen eine Premium-Zielgruppe gehabt, «nämlich uns: rachsüchtige Leistungsträger, im Büro gequält, beim endlosen Elternabend im Kindergarten erschöpft in der Mal-Ecke hockend.»
Der rachsüchtige Leistungsträger der «Süddeutschen Zeitung» scheint nun die Mal-Ecke verlassen zu haben, die Kinder werden schließlich älter, und findet einfach nicht mehr so richtig okay, was der ehemalige Playmobil-Regisseur in der ARD abliefert. Selbst nachdem er sich vom so genannten Proll Pocher getrennt und für die Rückkehr in der vergangenen Woche neu erfunden hat. Dem Leistungsträger missfiel zum Beginn der postpocherschen Ära nicht nur das mau-laue Auftreten, sondern auch das Äußere des ARD-Chef-Komikers. «Keine Ahnung, ob Schmidt vor der Sendung jemand über den Bart leckt, jedenfalls glänzt das Fell sonderbar», beklagte sich der kahlköpfige Kritiker.
Schmidt wird das gelesen haben. In seiner aktuellen Sendung leckte er nun selbst. Und lieferte den Elternabend-Besuchern aus den Kulturteilen endlich wieder Material für anspruchsvolle Begleit-Erläuterungen.
Streberhafter BrünoismusEs begann alles sehr harmlos. Schmidt kündigte an, er wolle zum 50-Jährigen eine Szene aus der «Blechtrommel» von Günter Grass nachspielen, ganz ohne Playmobil oder Lego, nur mit Aal, Schoko-Hakenkreuz oder Brausepulver. Das Schoko-Hakenkreuz hätte der anwesende Intendant Claus Peymann verschlucken können. Das Publikum wünschte sich stattdessen, dass Schmidt einer Zuschauerin Pulver vom Bauch leckt. Da fing der eigentliche Teil der Inszenierung an.
Die blonde Zuschauerin, die Schmidt nun auf die Bühne bat, war die
ehemalige Freundin seines ehemaligen ARD-Partners Pocher. Nicht dass das in der Situation irgendjemand erwähnt hätte. Alles sehr zufällig dahin inszeniert, wie man das in der brünoistischen Medienmoderne so macht, seit nicht nur der britische Leit-Komiker Sacha Baron Cohen Reales und selbstprovoziert Semi-Virtuelles zu lustigen Unbestimmtheiten vermengt. Das könnte man mit etwas Rachsucht noch streberhaft nennen, aber es ging ja weiter.
Diesmal wohl kein Pfarrersfrauen-ProtestMonica Jasminka Ivanka legte sich auf Schmidts Schreibtisch und der beruhigte sie erst einmal: «Es ist ja Literatur. Es ist ja 'ne Literaturverfilmung.» Was dann folgte, war eine Nummer, von der sich mit Pocher in der Hauptrolle sicher irgendeine CDU-Pfarrersfrau in irgendeinem Fernsehausschuss zu medialen Unmuts-Äußerungen genötigt gefühlt hätte. Es ist davon auszugehen, dass bei Schmidt keiner schreit. Trotzdem irgendwie voll porno das alles, ganz ohne Pocher.
Schmidt ließ den wenigen Speichel, den sein offenbar sehr trockener Mund barg, mit einiger Anstrengung tatsächlich auf die grünlich schimmernde Brause in Ivancans Bauchnabel tropfen («Spucken Sie da jetzt drauf? - Soll ich? Im Film war's so»). Er tat das nicht ohne besorgt nachzufragen: «War's schlimm?» Darauf Ivancan: «Ist schon was passiert?» Und Schmidt: «Das klingt ja so, als ob wir Sex haben.»
Es sah überhaupt nicht danach aus.
Spucke auf BrausehügelEin alter Mann mit Fellbart speichelte mit großer Mühe den flachen Bauch einer überaus blonden, schlanken Frau ein, die sich auf seinen Tisch gelegt hatte. Es war die Frau, von der sich der junge Mann getrennt hatte, von dem sich der alte, bärtige Mann getrennt hatte, weil Schmidt so schrieben die rachsüchtigen Leistungsträger- das Humorniveau mit Pocher dann doch ein wenig zu tief gesunken war.
Nicht zuletzt wegen angeblicher Scheidensekrete, die eine selbsternannte Bitch namens Lady Ray einmal ins Studio geschleust hatte, woraufhin Pocher das Sekret-Döschen an eine anständige Sängerin verschenkte, was Schmidt sehr wütend gemacht haben soll. Jetzt veranstaltete Schmidt ganz ohne Pocher und Playmobil, aber mit dessen Ex-Freundin seine eigenen Sekretspiele. Nahaufnahmen zeigten die Spucke auf dem Brausehügel.
Dann leckte Schmidt.
«Ich wusste nicht, dass Sie so gut lecken können», sagte Monica Ivancan. (nz)