netzeitung.deRau zeigt Genforschern Grenzen auf

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Bundespräsident spricht sich für enge Grenzen der Gentechnik aus. Wirtschaftliche Interessen dürfen nicht allein im Vordergrund stehen.

BERLIN. Bundespräsident Johannes Rau hat sich für enge Grenzen bei der Gentechnik ausgesprochen. Rau forderte am Freitag in seiner «Berliner Rede» eine breite Diskussion über die Ethik und einen «Fortschritt nach menschlichem Maß», der nicht die wirtschaftlichen Interessen in den Vordergrund stellt.
Gegen PID und Embryonenforschung
Der Bundespräsident sprach sich gegen die derzeit heftig diskutierte Präimplantationsdiagnostik (PID) und die Forschung an Embryonen aus. Die (PID), bei der im Reagenzglas erzeugte Embryonen auf Erbkrankheiten untersucht werden, öffne «das Tor für biologische Selektion, für Zeugung auf Probe». Die neuen Diagnosemöglichkeiten könnten Rau zufolge überdies zu einer Abwertung von Behinderten führen.

Das derzeitige Verbot der Forschung an Embryonen basiert auf der Definition, dass menschliches Leben mit der Befruchtung der Eizelle beginnt und geschützt werden muss. Rau warnte, dass «hochrangige Ziele medizinischer Forschung» nicht darüber bestimmen dürften, «ab wann menschliches Leben geschützt werden soll».

Öffentliche Diskussion
Auch der Sterbehilfe nach niederländischem Vorbild steht Rau ablehnend gegenüber und forderte stattdessen bessere Schmerztherapien. Rau rief die Bürger auf, sich aktiv an der Diskussion über Maßstäbe, Werte und Grenzen des Fortschritts zu beteiligen. Die Fragen nach Leben und Sterben dürften nicht an Experten und Kommissionen «delegiert» werden.

«Wir müssen über diese Fragen streiten und dann gemeinsam entscheiden», forderte er. Rau räumte ein, dass es schwierig ist, Grenzen auch dort zu setzen und zu akzeptieren, «wo man sie überschreiten könnte», und sie sogar dann zu respektieren, wenn dadurch auf andere Vorteile verzichtet werden müsse. «Ich glaube aber, dass wir genau das tun müssen», sagte er.

Der Bundespräsident ermutigte die Wissenschaft, nach Arzneimitteln zu forschen, die mit Methoden der Gentechnik Heilungschancen für Krankheiten bieten. Unendlich viel Gutes könne erreicht werden, ohne sich auf ethische bedenkliche Felder zu begeben.

Bevölkerung skeptisch gegenüber Gentechnik
Laut einer Umfrage sind 67 Prozent der Deutschen dafür, das Verbot der Embryonenforschung aufrecht zu erhalten. 28 Prozent würden sie erlauben, wie das Institut dimap für die «Bild»-Zeitung vom Freitag ermittelte. 63 Prozent sprachen sich dafür aus, dass ein Embryo schon im Frühstadium auf Krankheiten getestet werden darf. 31 Prozent sind dagegen.

Als Ort für seine zweite Berliner Rede mit der Überschrift «Wird alles gut? - Für einen Fortschritt nach menschlischem Maß» hatte Rau die Berliner Staatsbibliothek gewählt. Im Vorjahr sprach er im «Haus der Kulturen» über das Zusammenleben mit Ausländern. Die Tradition der Berliner Rede geht auf Ex-Bundespräsident Roman Herzog zurück. (nz/epd/AFP)