02.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Hollywoods Methusalem ist tot
Dem deutschen Publikum wird Karl Malden vor allem als Polizist Mike Stone in der TV-Serie «Die Straßen von San Francisco» im Gedächtnis bleiben. Am Mittwoch starb der Schauspieler mit 97 Jahren.
Dem deutschen Publikum ist Karl Malden vor allem in seiner Rolle als Polizist Mike Stone in der erfolgreichen TV-Serie «Die Straßen von San Francisco» an der Seite von Michael Douglas bekannt geworden. Aber auch darüber hinaus galt der Schauspieler in Hollywood als einer der stärksten und vielseitigsten Charakterdarsteller für Nebenrollen. Am Mittwoch starb Malden im Alter von 97 Jahren, wie seine Familie in Los Angeles mitteilte.
Der Oscar-Preisträger sei im kalifornischen Brentwood eines natürlichen Todes gestorben, sagte seine Tochter Mira Doerner der «Los Angeles Times». Malden wurde am 22. März 1912 in Chicago unter dem Namen Karl Mladen Sekulovich geboren. Seine Mutter stammte aus Tschechien, der Vater aus Serbien. Zunächst arbeitete Malden in einer Stahlfabrik und besuchte kurz eine Lehrerausbildung, bevor er 1933 in seiner Heimatstadt die Ausbildung zum Schauspieler absolvierte.
Frühe Oscar-PrämierungEs folgten erste Bühnenerfolge in New York, sein Kinodebüt gab er 1940. Den begehrten Oscar erhielt Malden bereits 1951 für seine Nebenrolle in dem Marlon-Brando-Welterfolg «Endstation Sehnsucht». Vor allem in den 50er und 60er Jahren spielte er in zahlreichen Kinoklassikern mit, in ganz verschiedenen Genres wie Kriegs-, Gangster- und Westernfilmen. Noch einmal für die höchste Filmehre nominiert wurde Malden 1954 für «Die Faust im Nacken», in dem wieder Marlon Brando sein Partner war.
Eine eindrucksvolle Hauptrolle spielte er 1956 im damals skandalumwobenen Film «Baby Doll» als Ehemann einer Kind-Frau (Carroll Baker), der das nur scheinbar arglose Mädchen Tag und Nacht im kurzen Hemdchen betrachten und warten muss, dass es «reif zur Ehe wird». Tennessee Williams hatte die Vorlage geschrieben, Elia Kazan Regie geführt, die meisten Kritiker waren begeistert – aber die US-Moralwächter sahen nur «Schmutz».
Lange hatte er das Fernsehen als «Bastard» verhöhnt – doch zu Weltruhm sollte der Mann mit der markanten Knollennase ausgerechnet im TV kommen: als Polizeileutnant Mike Stone in den «Straßen von San Francisco». Die Krimiserie wurde in den 70er Jahren in vielen Ländern ausgestrahlt, auch in Deutschland. Dabei hatte sich Malden bei der Übernahme der Rolle eher geniert. Er war da schon seit Jahrzehnten ein anerkannter Charakterdarsteller auf der Bühne und in Hollywood gewesen.
Gerade wegen seiner vom Sport zerbeulten Nase rechnete sich Karl Malden in Hollywood anfangs wenig Chancen aus. «Ich wusste, dass ich kein Hauptdarsteller bin. Schauen Sie sich doch mal mein Gesicht an», sagte er einmal. In Nebenrollen brillierte der Charakterkopf dafür umso mehr.
Lange Ehe mit Mona Greenberg1984 gewann er einen «Emmy» für den TV-Film «Fatal Vision». 1989 wurde Malden, der schon immer einer der respektiertesten Sprecher Hollywoods gewesen war, zum Präsidenten der renommierten Academy of Motion Picture Arts and Sciences gewählt und blieb das bis 1993. Die Akademie vergibt seit 1927 die «Oscars».
Klatsch gab es selten über ihn: 1938 heiratete er seine Kollegin Mona Greenberg, bekam zwei Töchter mit ihr und ließ sich nie scheiden – eine der längsten Ehen Hollywoods. Seinen letzten Auftritt als Schauspieler hatte er 2000 in der TV-Serie «The West Wing» um den Alltag eines fiktiven US-Präsidenten.
«Ich habe so ein unglaubliches Glück in meinem Leben gehabt», zog er Bilanz. In Wirklichkeit waren es wohl eher Einsatz und Talent, die den einstigen Stahlarbeiter zu einem gefragten Filmstar machten. Der Schauspieler selbst bekannte: «Ich bin ein Workaholic. Ich liebe jeden Film, in dem ich mitgespielt habe, auch die schlechten, jede TV-Serie, jedes Bühnenstück, denn ich liebe meine Arbeit. Sie hält mich auf Trab.» Noch in späten Jahren hat Malden, Vater von zwei Töchtern, viele Ehrungen aus der Filmbranche erhalten. (nz/dpa/AP)