01.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Das ist er nicht - das ist nur ein Bild
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Mainstream-Medien berichten über Medikamentenmissbrauch und forschen nach Todesursachen. In den Nischen des Netzes allerdings sind sich Hobbyreporter und Augenzeugen einig: Michael Jackson lebt!
Die Indizien sind natürlich erdrückend. Wenn man sich erst einmal auf die wesentlichen Details der Argumentationsketten konzentriert hat, wird auch den Skeptikern schnell klar: Michael Jackson lebt, muss leben, es geht gar nicht anders. Man muss sich nur einmal das Hubschrauber-Video ansehen, das eine der
führenden Internetseiten zu diesem Thema gerade ausgewertet hat. Der Leichnam sitzt! Kann ein Toter sitzen? Natürlich nicht.
Was zwangsläufig bedeuten muss: Jackson lebt. Oder mindestens: Er lebt - vielleicht. So formuliert
das andere Portal, das sich mit der wirklich, echten Wahrheit zum angeblichen Tod des Popstars beschäftigt. Den einen oder anderen Zweifel, einen kleinen vielleicht, darf man sich schon auch erlauben bei diesem Moonwalker, der ja zahlreichen unbestätigten Gerüchten zufolge permanent von Doppelgängern vertreten wurde. Zumal die Qualität dieses Hubschrauberbeweis-Videos so überaus schlecht ist, dass es sich bei dem beförderten Leichnam theoretisch auch um Elvis handeln könnte oder um, nun ja, Britney Spears, die ja zwischenzeitlich angeblich auch einmal kurz gestorben war in diesen Tagen.
Trotzdem ist man sich bei michaeljacksonsightings.com sicher: «Wir wissen, dass er lebt, wir haben Bilder gesehen.» Solche etwa, auf denen er mit Freunden am Pool sitze. Die Fotos würden bald noch veröffentlicht. Vielleicht sollten die Betreiber der Seite sich damit beeilen. Ein
Michael-Jackson-Fanclub schließlich meldet schon
Trauer-Selbstmorde.Mit Michael Jackson läuft alles ähnlich wie bei Elvis, da wurde der Tod auch ziemlich schnell von treuen Fans angezweifelt. Die Nachricht von Jackos Tod erreichte das weltweite Netz sogar fast zeitgleich mit ihrem Dementi. Der Promi-Blogger Perez Hilton etwa behauptete gleich, es handle sich um eine PR-Aktion hielt diese Behauptung aber nur für einen begrenzten Zeitraum aufrecht. In diversen Internetforen dagegen wurde der Gedanke sofort weitergesponnen.
«Wie könnte man dieses Gesicht verwechseln?»Die einen haben Michael Jackson dabei gesehen, wie er als Nonne verkleidet das Krankenhaus verließ. Die anderen sind sicher, dass ein Todkranker mithilfe eines plastischen Chirurgen zum Jacko-Double operiert worden sei, um stellvertretend für ihn zu sterben. Bei michaeljacksonhoaxdeath.com wurden Vertreter der Zollbehörden erwähnt, die gesehen haben wollten, wie Jackson sich nach Mexiko absetzte. Zwar seien seine Haare kurz geschnitten gewesen, aber, sagte eine Augenzeuge: «Wie könnte man dieses Gesicht verwechseln?».
Diese Kurzhaartheorie steht in leichtem Widerspruch zu dem Beweisfoto vom 27. Juni, das michaeljacksonsightings.com präsentiert. Darauf ist ein Mann mit langen Haaren zu sehen, der einen Schirm hält. Zwar könnte es sich, bei genauerer Betrachtung der recht groben Pixel, auch um den Aerosmith-Sänger Steve Tyler handeln. Es ist andererseits nicht ganz auszuschließen, dass sich Michael Jackson als Tyler verkleidet hat, um zu entkommen gar nicht als Nonne.
Gemeinsam mit dem anderen KingDenn darum geht es ja, darin sind sich viele der Wahrheitsverfechter einig: Jackson wollte der Last des Ruhms entfliehen. Naja, oder sich wenigstens in Ruhe auf seine Konzerte vorbereiten. Oder vor den Gläubigern fliehen.
Wo er definitiv gesichtet wurde: in
Second Life, dem Online-Universum. Über Pläne für eine Avatar-Beerdigung ist dort noch nichts bekannt, berichtet digitalmissive.com. Ob das manchen Anhängern der Jackson-lebt-These als Beweis dienen könnte? Fraglich. Möglicherweise verfolgt Jackson die Second-Life-Geschehnisse jetzt in einem Bunker unter Elvis Presleys Villa Graceland gemeinsam mit dem «King of Rock'n Roll». Auch auf solche Ideen sind Jackson-Experten im Internet schon gekommen. Wenn der King des Pop nicht doch beim Test einer neuartigen biologischen Waffe umgekommen ist, wie mancher vermutet.
Aber das - so viel wissen wenigstens die Leser von michaeljacksonshoaxdeath.com - kann eigentlich ausgeschlossen werden. Denn dann wäre er ja tot. (nz)
Das «Beweisvideo»: