Pop-Legende überraschend gestorben: 

netzeitung.deWeltweite Trauer um Michael Jackson

 Herausgeber: netzeitung.de

Michael Jackson (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Michael Jackson
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile, auch dank Twitter: Popstar Michael Jackson ist in der Nacht zum Freitag gestorben. Bei Facebook wurden innerhalb kurzer Zeit Dutzende von Erinnerungsseiten gestartet.

Michael Jackson, der selbsternannte «King of Pop», ist tot. Der Sänger, einer der größten Popstars aller Zeiten, starb am Donnerstag (Ortszeit) in Los Angeles unerwartet mit nur 50 Jahren. Nach Angaben der Behörden wurde er um 14.26 Uhr (23.26 MESZ) von den Ärzten des UCLA Medical Center für tot erklärt.

Wie Jacksons Bruder Jermaine wenige Stunden nach dem plötzlichen Tod mitteilte, war der Privatarzt des Popstars in dessen Villa, als der 50-Jährige vermutlich einen Herzstillstand erlitt. Erste Wiederbelebungsversuche waren ohne Erfolg. Jackson wurde dann in das nahe gelegene UCLA Medical Center gebracht. Dort hätten die Ärzte über eine Stunde lang vergeblich versucht, das Herz des Sängers wieder zum Schlagen zu bringen, erklärte der Bruder vor Reportern in dem Krankenhaus.

Die Leiche des Sängers wurde wenige Stunden später per Hubschrauber vom UCLA Medical Center zum Amt für Gerichtsmedizin des Bezirks Los Angeles geflogen. Dort sollte am Freitag eine Autopsie vorgenommen werden. Ergebnisse seien erst in einigen Tagen zu erwarten, sagte ein Experte dem Sender «FoxNews».
«Einen der Größten verloren»
Am schnellsten war ein Internet-Portal: Die erste Nachricht vom Tod von Michael Jackson kam am Donnerstag von TMZ.com, einem auf Promi-Geflüster spezialisierten Web-Angebot der AOL-Gruppe. «Wir haben einen Hinweis bekommen», sagte TMZ-Chefredakteur Harvey Levin. «Wir hätten es nicht gebracht, wenn wir nicht sicher gewesen wären.» Nach quälenden Minuten der Unsicherheit wurde die Nachricht vom Tod Jacksons von der «Los Angeles Times» und der Nachrichtenagentur AP bestätigt, kurz danach auch vom US-Fernsehsender CNN.

Vor dem Hospital versammelten sich spontan Hunderte von bestürzten Fans des Popstars. Auch an vielen anderen Orten hielten sie spontan Mahnwachen ab und zollten ihrem Idol mit Gesängen und Moonwalk-Nachahmungen Tribut. Stars reagierten ebenfalls mit Bestürzung und Trauer. «Ich kann nicht aufhören über diese traurige Nachricht zu weinen», teilte Madonna mit. «Ich habe Michael Jackson immer bewundert. Die Welt hat einen der Größten verloren, aber seine Musik wird für immer weiterleben.»

Lisa Marie Presley, die Mitte der 1990er Jahre kurz mit Jackson verheiratet war, sprach von einem «massiven Verlust». Sie denke vor allem an Jacksons Kinder, «die ihm alles bedeuteten». Hollywoodstar Elizabeth Taylor, Jacksons langjährige enge Freundin, war nach Angaben ihres Sprechers «zu sehr am Boden zerstört», um den Verlust in Worte zu fassen.

Bei Twitter rauschte es heftig
Mit Trauer und Bestürzung nahmen Fans in aller Welt die Nachricht vom plötzlichen Tod des Pop-Stars auf. Viele gaben ihrer Trauer im Internet Ausdruck. Bei Facebook wurden innerhalb kurzer Zeit Dutzende von Erinnerungsseiten gestartet. «Ich hatte Tränen in den Augen, als ich es gehört habe», sagte der 19-jährige Australier Charles Winter, der bei Facebook eine Petition gestartet hatte, um Jackson dazu zu bewegen, auch Australien in sein Konzertprogramm in diesem Jahr aufzunehmen. «Es ist egal, ob man 40, 60 oder 20 ist, seine Musik spricht jeden an.»

Jackson dominierte auch das Twitter-Rauschen – mehr Tweets (Kurznachrichten) pro Sekunde zu einem Thema gab es auf dem Microblogging-Portal zuletzt bei der Wahl von Barack Obama im November 2008. «Wir haben mehr als doppelt so viel Tweets pro Sekunde erlebt, als die Nachricht rauskam und die Leute ihren Schmerz und ihre Erinnerungen teilen wollten», schrieb Twitter-Mitbegründer Biz Stone in einer E-Mail. Zu ihnen gehörten auch prominente Twitter-Nutzer wie Lindsay Lohan, Ashton Kutcher und John Mayer.
«Thriller» bei iTunes auf Platz eins
Die Google-Technik betrachtete die heftige Nachfrage nach Michael Jackson zunächst als einen koordinierten Hacker-Angriff. Als Schutzmaßnahme mussten Nutzer des Dienstes Google News etwa eine halbe Stunde lang einen «Captcha»-Check absolvieren, also eine angezeigte Buchstaben-Ziffern-Folge eingeben, ehe die News-Ergebnisse der Michael-Jackson-Anfrage angezeigt wurden. Das Hauptangebot der Google-Suche sei nicht betroffen gewesen, sagte Google-Sprecher Gabriel Stricker.

Das Monitoring-System von Akamai für den «Net Usage Index» stellte fest, dass der Datenverkehr von Nachrichtenseiten im Web um 50 Prozent nach oben schnellte. Bei iTunes eroberte «Thriller» innerhalb weniger Stunden den ersten Platz der meisten Downloads bei vollständigen Alben. Auch Youtube verzeichnete eine starke Nachfrage nach Videos mit Michael Jackson.

In vielen Ländern, etwa in Australien und Südkorea, wurde das laufende Fernsehprogramm unterbrochen, um an den «King of Pop» zu erinnern. Selbst der venezolanische Präsident Hugo Chávez sprach von einer «traurigen Nachricht». Jackson, ein begnadeter Sänger und Tänzer von Kindesbeinen an, verkaufte schätzungsweise 750 Millionen Platten und erhielt 13 Grammys, die höchste Auszeichnung, die die Musikbranche zu vergeben hat.

Mediziner, Rechtsexperten und Reporter spekulierten über die möglichen Ursachen, die zu dem Tod des zuletzt gebrechlich wirkenden Stars geführt haben können. Brian Oxman, einer der Anwälte der Jackson-Familie, schloss eine versehentlich eingenommene tödliche Dosis verschreibungspflichtiger Medikamente nicht aus.

«Dies war etwas, was ich befürchtete und etwas vor dem ich gewarnt habe», sagte Oxman dem US-Sender CNN. Der Sänger habe zuletzt Mittel gegen frühere Verletzungen, darunter ein Rücken- und ein Beinbruch, eingenommen, während er für eine geplante Konzertreihe probte.

«Das werden meine letzten Shows sein»
Frank DiLeo, Jacksons Manager und langjähriger Freund, beschrieb den Popstar als «das größte Talent, mit dem ich je gearbeitet habe». Nach seinen letzten Proben am Mittwochabend habe Jackson sehr zuversichtlich gewirkt. «Er sagte mir, wie glücklich er sei und dass die Dinge sich endlich so entwickelten, wie er es sich wünschte», sagte DiLeo der «Times».

Mitte Mai war der mit Spannung erwartete Auftakt von Jacksons geplanter Comeback-Tour in London vom 8. Juli auf den 13. Juli verschoben worden. Drei weitere der insgesamt 50 geplanten Shows sollten erst im März 2010 nachgeholt werden. Die Terminverschiebung habe organisatorische Gründe, hieß es damals.

Als geradezu seherisch erwies sich ein Zitat des Sängers vom März, als er die Comeback- Konzerte angekündigt hatte: «Das werden meine letzten Shows sein. Das wird es sein. Wenn ich sage, das ist es, dann meine ich wirklich, das ist es.» (nz/dpa/AP)