Interview mit Benno Fürmann zum Thema Organspende:
«Von mir ist das meiste noch relativ brauchbar»
Auch Schauspieler Benno Fürmann ist mit dabei.
Warum engagieren Sie sich für Junge Helden?
Benno Fürmann: Es ist für mich eine Freude, das ich etwas ich hinterlasse, dass anderen Menschen von Nutzen sein wird, Menschen, die eine Organspende dringend brauchen können.
Fürmann: Niemand schaltet die Geräte einfach so ab. Hier haben wir doch eine gewisse Rechtssicherheit in Deutschland. So leicht ist ein Missbrauch ja dann Gott sei dank noch nicht.
In anderen Ländern werden Menschen entführt, um ihnen Organe zu entnehmen, die dann teuer verkauft werden. Sollte ein Engagement für Organspende nicht verbunden sein mit einem Engagement gegen Organhandel?
Fürmann: Alles, wofür du dich einsetzt kann natürlich auch eine Kehrseite haben oder kann missbraucht werden. Wenn jedoch genug Organe auf dem Markt wären - er sozusagen gesättigt wäre - würden wahrscheinlich auch kriminellen Machenschaften die Basis entzogen werden.
In was für einem Verhältnis steht jemand zu seinem Körper, wenn er sagt: ich gebe da auch gerne etwas davon ab oder her?
Fürmann: Also was mich angeht: Bislang sind glaube ich die meisten Teile noch relativ brauchbar. ich hoffe, das bleibt noch ganz lange so.
Würden Sie sagen: Mein Herz oder meine Niere spende ich, aber nicht mein Auge beispielsweise oder eine Hand, weil diese Organe doch zu sehr mit mir als Person verbunden sind?
Fürmann: Ich glaube, dass es von der Lebensphilosophie oder vom Gottglauben jedes einzelnen abhängt, wie er auf so eine Frage antwortet. Ich glaube, wenn ich gehe, bin ich weg. Ich habe meinen Körper dann verlassen und sehe keine ethischen Bedenken etwas von ihm weiternutzen zu lassen, so dass es Menschen hilft, die noch im Leben stehen.
Ist ein Organspender ein spiritueller Mensch?
Haben wir hier ein distanziertes Verhältnis zum Tod?
Fürmann: Auf jeden Fall ist der Tod hier in die dunkle Ecke verbannt. Vielleicht sind die Menschen in Indien anders als wir, weil das Leben dort härter ist, weil in größeren Familien auch häufiger Todesfälle zu beklagen sind - da wird dem Tod mit Spiritualismus aber auch sehr großem Pragmatismus begegnet. Das Rad des Lebens dreht sich halt unaufhörlich weiter. Aber auch hier, im Umgang mit dem Tod, ist der Gottesglauben entscheidend. Wenn ich glaube, dass mit dem Tod nicht alles zu ende ist, dass ich auf einer anderen Stufe weiterleben werde, habe ich ein anderes Verhältnis zu meinem eigenen Lebensende und dem der Menschen, die mir nahe stehen.
Sind Sie ein religiöser Mensch?
Im Neuen Testament steht, dass der Leib der Tempel Gottes ist. Er ist also nicht nur irgendeine Hülle, sondern mit mir als Person verbunden. Im Tod werden Leib und Seele getrennt. Organspende steht meiner Ansicht nach nicht im Gegensatz zum christlichen Glauben.
Fürmann: Es gibt genügend Denker, die an der Existenz der Seele zweifeln oder die Frage stellen, ob die Seele nicht auch stirbt, wenn der Körper stirbt. Auch wenn ich selbst dieses Thema aufgemacht habe, merken wir doch schnell, dass das alles zu groß für uns ist. Für mich kulminiert mein Glaube in einem Satz von Martin Buber: Gott wohnt da, wo du ihn einlässt. Für mich ist dieser Satz einfach, klar und stilistisch schön. Er ist für mich ein Ansatz, über mich als Einzelner hinaus zu denken und mir meiner Verantwortung bewusst zu werden.
Herr Fürmann, wir danken Ihnen für das Gespräch!
Alexander Görlach ist Ressortleiter von Cicero.de. In loser Folge übernimmt die Netzeitung Texte und Interviews von ihm.

