Interview mit Benno Fürmann zum Thema Organspende: 

netzeitung.de«Von mir ist das meiste noch relativ brauchbar»

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Benno Fürmann (Foto: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Benno Fürmann
Foto: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Natürlich freut sich Schauspieler Fürmann nicht auf seinen Tod. Aber darauf, dass dann andere weiterleben: Er will seine Organe spenden. Ein Cicero.de-Gespräch über Körper und Seele - und Verantwortung.

Obwohl die meisten Menschen Organspende sinnvoll und gut finden, haben die wenigsten den notwendigen Ausweis für den Notfall. «Junge Helden» ist ein Zusammenschluss Jugendlicher und Prominenter, die auf das Thema aufmerksam machen und für einen Spenderausweis werben. «Wir informieren, lösen Dialoge aus und heben das Thema Organspende unverkrampft auf die Bühne öffentlicher Wahrnehmung», schreibt der Verein auf seiner Website. Das Motto: «Ja, wir können Leben weitergeben!»

Auch Schauspieler Benno Fürmann ist mit dabei.

Warum engagieren Sie sich für Junge Helden?

Benno Fürmann: Es ist für mich eine Freude, das ich etwas ich hinterlasse, dass anderen Menschen von Nutzen sein wird, Menschen, die eine Organspende dringend brauchen können.

Vor zehn Jahren gab es in Holland noch einen Anti-Organspendeausweis, den vor allem alte Menschen bei sich trugen, weil sie Angst hatten, dass im Krankenhaus die Apparate schneller ausgeschaltet würden, wenn sie Organspender seien. Die Angst vor dem Missbrauch ging um.

Fürmann: Niemand schaltet die Geräte einfach so ab. Hier haben wir doch eine gewisse Rechtssicherheit in Deutschland. So leicht ist ein Missbrauch ja dann Gott sei dank noch nicht.

In anderen Ländern werden Menschen entführt, um ihnen Organe zu entnehmen, die dann teuer verkauft werden. Sollte ein Engagement für Organspende nicht verbunden sein mit einem Engagement gegen Organhandel?

Fürmann: Alles, wofür du dich einsetzt kann natürlich auch eine Kehrseite haben oder kann missbraucht werden. Wenn jedoch genug Organe auf dem Markt wären - er sozusagen gesättigt wäre - würden wahrscheinlich auch kriminellen Machenschaften die Basis entzogen werden.

Es wäre fantastisch, wenn sich jeder Mensch zum Spenden aufgerufen fühlen würde, denn wenn wir selber einmal ein Organ benötigen, hoffen wir ja auch, dass dann eines da sein wird. Da gilt die alte Weisheit: Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, dass müsst auch ihr ihnen tun.

In was für einem Verhältnis steht jemand zu seinem Körper, wenn er sagt: ich gebe da auch gerne etwas davon ab oder her?

Fürmann: Also was mich angeht: Bislang sind glaube ich die meisten Teile noch relativ brauchbar. ich hoffe, das bleibt noch ganz lange so.

Würden Sie sagen: Mein Herz oder meine Niere spende ich, aber nicht mein Auge beispielsweise oder eine Hand, weil diese Organe doch zu sehr mit mir als Person verbunden sind?

Fürmann: Ich glaube, dass es von der Lebensphilosophie oder vom Gottglauben jedes einzelnen abhängt, wie er auf so eine Frage antwortet. Ich glaube, wenn ich gehe, bin ich weg. Ich habe meinen Körper dann verlassen und sehe keine ethischen Bedenken etwas von ihm weiternutzen zu lassen, so dass es Menschen hilft, die noch im Leben stehen.

Ist ein Organspender ein spiritueller Mensch?

Fürmann: Spirituell, religiös, pragmatisch – ich würde sagen, er ist lebensnah. Jeder stellt sich die Frage: Wo gehen wir hin? Was passiert mit der Seele, was passiert mit dem Körper, wenn wir sterben? Ich war in Indien. Dort gibt es die religiöse Sitte, dem verbrannten Körper auf den Schädel zu hauen, so dass die Seele entweichen kann.

Die Unnahbarkeit des Todes wird mit einem pragmatischen, gut verständlichen Ritus begegnet. Das nimmt Dir nicht den Respekt vor dem Tod und dem Sterben, wohl aber ein wenig der Furcht.

Haben wir hier ein distanziertes Verhältnis zum Tod?

Fürmann: Auf jeden Fall ist der Tod hier in die dunkle Ecke verbannt. Vielleicht sind die Menschen in Indien anders als wir, weil das Leben dort härter ist, weil in größeren Familien auch häufiger Todesfälle zu beklagen sind - da wird dem Tod mit Spiritualismus aber auch sehr großem Pragmatismus begegnet. Das Rad des Lebens dreht sich halt unaufhörlich weiter. Aber auch hier, im Umgang mit dem Tod, ist der Gottesglauben entscheidend. Wenn ich glaube, dass mit dem Tod nicht alles zu ende ist, dass ich auf einer anderen Stufe weiterleben werde, habe ich ein anderes Verhältnis zu meinem eigenen Lebensende und dem der Menschen, die mir nahe stehen.

Sind Sie ein religiöser Mensch?

Fürmann: Ich komme aus einem religionsfernen Umfeld, ich bin auch nicht getauft. Alles, was ich in diesem Bereich weiß und glaube, musste ich mir selbst erarbeiten. Für Lebzeiten ist der Körper meine Hülle in der ich zu Hause bin. Er hat für mich eine Bedeutung. Aber nach dem Tod kann meine Seele auch Frieden finden, wenn mein Körper aufgeschnitten wird und ihm Organe entnommen werden. Wie wird das denn im Christentum gesehen?

Im Neuen Testament steht, dass der Leib der Tempel Gottes ist. Er ist also nicht nur irgendeine Hülle, sondern mit mir als Person verbunden. Im Tod werden Leib und Seele getrennt. Organspende steht meiner Ansicht nach nicht im Gegensatz zum christlichen Glauben.

Fürmann: Es gibt genügend Denker, die an der Existenz der Seele zweifeln oder die Frage stellen, ob die Seele nicht auch stirbt, wenn der Körper stirbt. Auch wenn ich selbst dieses Thema aufgemacht habe, merken wir doch schnell, dass das alles zu groß für uns ist. Für mich kulminiert mein Glaube in einem Satz von Martin Buber: Gott wohnt da, wo du ihn einlässt. Für mich ist dieser Satz einfach, klar und stilistisch schön. Er ist für mich ein Ansatz, über mich als Einzelner hinaus zu denken und mir meiner Verantwortung bewusst zu werden.

Herr Fürmann, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Alexander Görlach ist Ressortleiter von Cicero.de. In loser Folge übernimmt die Netzeitung Texte und Interviews von ihm.