Die unendliche Inszenierung von DSDS : 

netzeitung.deHysterie und Heuchelei um Annemarie

 Herausgeber: netzeitung.de

Annemarie mit ihren Eltern (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Annemarie mit ihren Eltern
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Es ist geschafft: Annemarie ist unter den letzten drei Teilnehmern bei «Deutschland sucht den Superstar». Nie zuvor, so wundert sich Kerstin Rottmann , wurde in der RTL-Show eine Kandidatin so promotet, aber auch so runtergemacht.

Am Samstag kam Dieter Bohlen an der Seite einer Krankenschwester in die Show von «Deutschland sucht den Superstar». «Hier ist ja jeder krank. Ich dachte mit, da bringe ich gleich Hilfe mit», so der 55-Jährige laut «Bild»-Zeitung über die 23-Jährige, die im Minikleid so gar nicht nach Hilfsschwester aussah.

Am Ende der Show gab es zwar keinen Krankheitsfall, wohl aber wieder einmal Tränen. Der 22-jährige Daniel, der als einer der letzten drei Teilnehmer der RTl-Castingshow feststand, hielt die nervliche Anspannung nicht mehr aus, und bekam feuchte Augen. «Hass-Tränen» nennt das die «Bild»-Zeitung zwei Tage später und zitiert Daniel mit einer angeblichen «Wutrede» gegen Konkurrentin Annemarie. «Ich hasse dieses Weib. Ich stehe als Arschloch hier, als niedlicher Junge, weil keiner sich traut, zu zeigen, wie hinterlistig Annemarie wirklich ist», wird der Nachwuchssänger zitiert.
Wille zum Sieg
Erstaunlich - damit räumt die Zeitung, die selbst seit Wochen völlig ungehemmt für die ehrgeizige 18-Jährige trommelt, ein, wie sehr die aktuelle Staffel der Casting-Show von Sender, Medien und wohl auch dem Umfeld der jungen Frau aus Dessau gesteuert wird. Kaum ein Tag, in dem nicht neue Zickereien von oder über Annemarie ihren Weg in die Presse finden. Die posiert derweil erotisch, bricht mit einem Kollaps zusammen oder muss sich mit Enthülllungen eines früheren Managers auseinandersetzen, der wiederum deutlich macht, dass die Eltern der Blondine diese schon als Teenager vermarkten wollen. Dieser Wille zum Sieg trifft sich günstigerweise mit dem durchaus offen verkündeten Konzept des Senders, aus der Talentsuche eine «Dokusoap» zu machen. RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger bekannte sich auf einer Tagung in Köln laut dem Branchendienst DWDL.de ganz offen zu diesem Konzept.
«Fantastisches Storytelling»?
«Danach haben wir dann die Kandidaten ausgesucht. Da mache ich überhaupt keinen Hehl draus», wird Sänger zitiert. Neben dem - mittlerweile ausgeschiedenen - Sonderling Holger sei dabei auch die Rolle des «blonden Biests» sehr wichtig. «Annemarie ist fantastisch im Storytelling dieser Staffel. Zehn nett aussehende, nett singende, sich nett behandelnde Konkurrenten wäre die Entdeckung der Langeweile», wird Sänger weiter zitiert.

Langeweile, die darf natürlich in der sechsten Staffel von DSDS nicht aufkommen. Umso heuchlerischer, wenn die Jury rund um Dieter Bohlen auch noch so tut, als geschehe als dies ohne ihr Zutun. Sie würde sich wünschen, so Jurorin Nina Eichinger ganz besorgt am vergangenen Samstag, dass Annemarie nicht so schrecklich viel in den Medien auftauche und auch nicht immer zu allem und jedem ihren Kommentar abgebe. Ja, wie denn sonst? Der erst 18-jährigen zitterte bei diesem Rüffel übrigens bedenklich die Unterlippe.

Eine Frage bleibt bei dieser koordiniert betriebenen Publikums-Verarsche noch offen: Empfindet eigentlich keiner der Beteiligten - Boulevardmedien, Sender, und nicht zuletzt auch die Eltern der jungen Frau - irgendeine Scham?