Sonya Kraus und die «Baustelle Body»: 

netzeitung.de«Gute Gene? Da krieg ich Aggressionen!»

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Sonya Kraus (Foto: Stephan Pick<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sonya Kraus
Foto: Stephan Pick
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Sie ist das «Plauderpüppchen« von ProSieben, und gibt nun auch noch Tipps fürs Styling. Der Netzeitung verriet Sonya Kraus wie frau ihre Brüste zum Balkon umbaut, was Männer wirklich wollen, ob Madonna noch sexy ist und wann sie selbst zum Schönheits-Chirurgen gehen wird.

Blond, stets durchgestylt und gerne eine ironische Bemerkung auf den Lippen: TV-Moderatorin Sonya Kraus präsentiert nicht mehr nur auf ProSieben die besten Schnippsel aus diversen Talkshows, sondern gibt nun auch Tipps fürs perfekte Styling. «Baustelle Body» heißt das Werk, in dem es durchaus handfest zu Werke geht: Statt aus der Parfümerie kommt so manches Utensil auch schon mal aus dem Baumarkt. Schon das Cover des Buches ist ein Hingucker - ihre linke Gesichtshälfte präsentiert die 35-Jährige ganz natürlich, rechts im perfekten Styling. Kerstin Rottmann hat bei Sonya Kraus mal nachgefragt, wie das geht - und wie lange es gedauert hat.

Netzeitung: Frau Kraus, Sie sehen toll aus auf dem Cover ihres neuen Buches und das auch noch in doppelter Version. Und was man sonst nicht ahnt: Sie haben ja sogar Sommersprossen!

Sonya Kraus: Tja, «schön» ist ja subjektiv. Die Sommersprossen sind ja ganz nett, aber dazu gesellen sich auch Pigmentflecken und Rötungen. Ich bin fast ein bisschen traurig, dass man das auf dem Buchcover nicht groß sehen kann. Das Titelbild ist ja echt, da ist nichts nachträglich am Computer zusammengebaut. Dazu haben wir die eine Seite meines Gesichtes wieder mit einem Öllappen abgeschminkt und sogar die Haarteile wieder rausgewurstelt. Mit erschreckenden Ergebnissen: Ich habe das Foto schon als Plakat gesehen, riesengroß, und da sieht man auf der ungeschminkten Seite wirklich jede Pore und jedes Muttermal. Deswegen danke schön für das Kompliment!

Netzeitung: Kein Problem - Sie haben ja auch wunderschöne grüne Augen. Die werden sonst also offenbar von blauen Kontaktlinsen verdeckt?

Kraus: (lacht) Ja, so variabel ist man heute ...

Netzeitung: Was habe ich da denn noch auf der «aufgepimpten» Seite gesehen? Haar-Extensions? Push-Up-BH? Selbstbräuner?

Kraus: Oh viel! Es stecken schließlich anderthalb Stunden Arbeit in der einen, aufgestylten Seite. Auf der ich sag mal «Barbie-Seite» sind tatsächlich Haarteile eingearbeitet, die Haare sind mit dem Lockeneisen onduliert, dazu kommt komplettes Make-Up mit den derzeit angesagten «Smokey Eyes». Dazu falsche Wimpern, sowie Kontaktlinsen. Die trage ich aber auch, weil ich kurzsichtig bin. Und die Brust ist auf einer Seite hochgeklebt. Einseitig habe ich das aber auch zum ersten Mal gemacht.

Netzeitung: Anderthalb Stunden Arbeit also – brauchen Sie selbst auch soviel, wenn Sie sich mal über einen beruflichen oder einen Abendtermin aufstylen?

Kraus: Also die Haare dauern bei mir immer extrem lange. Wenn ich die frisch wasche und dann föhnen muss, dann dauert es wirklich anderthalb Stunden. Wenn ich aber mit diversen Tricks – etwa mit Omas Haarnetz – meine Frisur über die Nacht gerettet habe, dann geht es fix. Dann brauche ich maximal die Hälfte der Zeit für alles.

Netzeitung: Sie sind ja bekannt aus Fernsehshows wie «talk talk talk» (ProSieben) und haben sich auch schon als Schauspielerin versucht...

Kraus:: ... Ach, sagen Sie das nicht! Nein, ich bin keine Schauspielerin, ich bin «Gelegenheits-Laiendarstellerin», so ist mir das sympathischer. Für kleine Betriebsausflüge in die Schauspiel-Branche bin ich dankbar. Das Zweipersonenstück «A Picasso» am English Theater war ein wunderbares Abenteuer und es wird auch nicht meine letzte Rolle gewesen sein. Aber mein Job ist der des Plauderpüppchens.

Netzeitung: Ihr Buch jedenfalls ist angenehm bodenständig. Schnell, effektiv und günstig sollen die Tipps aus «Baustelle Body» sein. Da raten Sie schon mal zu Nivea im Haar statt der teuren Glättcreme. Braucht man denn gar keine teuren Produkte, um schön zu sein?

Kraus: Man braucht die garantiert nicht, nein. Die Ausnahme, die ich im Buch ja auch erwähne, ist meine Power Plate. Und ich erzähle ja auch, wie ich zu dem Gerät kam, dass ich da mit Freunden zusammengelegt habe. Ist schon 'ne Weile her und das Ding hat sich echt bezahlt gemacht. Stimmt schon, mit dem Buch habe ich mir wohl auf Ewigkeiten hin alle Werbeverträge mit Luxuskosmetikmarken verdorben. Aber es ist nun mal so. Und wir (Mit-Autorin ist Christiane Stella Bongertz) haben da ja auch gewissenhaft Recherche betrieben und Dermatologen befragt.

Netzeitung: Mit welchem Ergebnis?

Kraus: Die Haut als unser größtes Organ ist dafür da, unseren Körper vor Eindringlingen zu schützen. Und es gibt nur eine Handvoll Stoffe, die nachgewiesenermaßen die Haut überhaupt durchdringen können. Wir als Endverbraucherinnen sitzen da oft nur einer cleveren Marketingstrategie auf. Wenn Tiegelchen wirklich funktionieren würden, dann gäbe es keine einzige Milliardärsgattin, die geliftet wäre. Die Realität aber sieht erschreckend anders aus. Trotzdem verurteile ich niemanden, der mir sagt, ich gönn mir mal was für die Psyche, an diese Creme glaube ich, die versetzt Berge. Ja, der Glaube versetzt Berge! Und wenn ich mich dann damit besser fühle, dann ab ins Gesicht. Mir tut es halt immer ein bisschen leid um den Geldbeutel. Ich bin nun mal ein Sparbrötchen, ich gebe mein Geld lieber für andere Sachen aus.

Netzeitung: Sie finden auch sonst sehr klare Worte, warnen vorm Transenlook beim Schminken (zuviel High-Lighter unter den Augenbrauen), empehlen Slipeinlagen unter die Arme geklemmt (als Notfallhilfe beim Schwitzen) oder einen Pinkeltrichter in der Handtasche. Haben sie für solche Tipps schon entsetzte Kommentare bekommen?

Kraus: Ach, Quatsch. Meine Leser schätzen das! Die Zeiten sind vorbei, in denen man da schockiert oder pikiert reagieren muss. Junge Frauen sprechen nun mal eine direkte Sprache. Mein Stil ist nun mal unverblümt und direkt. Ich liebe es, zweideutig und anzüglich mit Worten zu spielen. Seit «Sex and The City» ist wohl bekannt, dass Frauen sich auch mal gerne so unterhalten. Es sollte allerdings nicht soweit gehen, dass man sich beim Lesen eines Buches Herpes einfängt. (lacht)

Netzeitung: Noch mal zurück zu den Männern. Die sagen ja laut diverser Umfrage oft, dass sie Frauen gerne ganz natürlich hätten und die Freundin sich bloß nicht zu lange im Bad aufstylen soll. Sind Frauen, die Ihnen nacheifern, schön, aber alleine?

Kraus: Ich glaube, wir müssen uns eher fragen: Das, was die Männer da sagen, stimmt das überhaupt? Ich glaube es ihnen nämlich nicht. Die Erfahrung hat gezeigt: Nachgeguckt wird dann wieder ganz anderen Frauen. Aber ich möchte meine Mädels ja auch nicht dazu verführen, irgendwelche Tipps und Tricks für den Notfall, die im Buch drin stehen, tagtäglich anzuwenden. Das wäre ja völliger Schwachsinn! Ich will Ihnen diese Zaubernüsse in die Hand geben, mit denen sie sich vom Aschenbrödel in eine Prinzessin verwandeln können. Und wenn man diese Zaubernüsse in der Handtasche bzw. im Oberstübchen hat, dann kann man viel gelassener mit der Fassade umgehen. Das ist meine Erfahrung. Privat bin ich sehr faul und manchmal echt schludrig. Ich kann mit der ungeschminkten Sonya wunderbar leben. Aber wenn es drauf ankommt, weiß ich eben auch, was ich meinen Zuschauern oder wem auch immer schuldig bin.

Netzeitung: Apropos Zaubernüsse – ein paar ihrer Tricks sind ja wirklich hollywoodreif. Silikonpolster in den Schuhen soll ja angeblich auch Tom Cruise tragen. Oder der «Balkon-Bausatz», wie Sie es nennen, sprich, eine Anleitung zur Busenfixierung mit dem Klebeband. Woher haben Sie das alles?

Kraus: Ich habe ja zehn Jahre als Model gearbeitet und da habe ich wahnsinnig viel mitbekommen, von superbekannten Stylisten und Visagisten weltweit. Der «Balkon-Bau» etwa, den habe ich mit 18 Jahren selbst erlebt. Als Model habe ich Aufnahmen für Bademoden gemacht, gemeinsam mit einem anderen Model und die hatte einfach unglaubliche Hängebrüste. Ein wunderschönes Mädel, aber eben leider Hängebrüste. Dass ich 18 war, ist ja auch schon eine Ecke her, der Gang zum Schönheits-Chirurgen wurde damals noch nicht so praktiziert. Die hat wirklich erst gewickelt und dann geklebt. Es war unglaublich! Und eine richtige Offenbarung für mich, diese Selbstverständlichkeit, mit der sie das gemacht hat. Extrem witzig, sehr pragmatisch und es hat auch noch funktioniert. Solche Tricks und Kniffe wollte ich sammeln.

Netzeitung: Sie sind ja auch sehr benutzerfreundlich und schreiben dazu, wo man diese Dinge überhaupt kaufen kann.

Kraus: Das gehört zum Service dazu! Klar, ich weiß, ob es das nun im Maskenbildner-Bedarf oder im Baumarkt gibt, aber da wollte ich den Leserinnen die Recherche ersparen. Das macht das Nacheifern auch einfacher, und die Hemmschwelle sinkt.

Netzeitung: Sie erwähnen in ihrem Buch ja auch das Thema Schönheits-OPs und bieten einen kleinen Check bei der Auswahl des richtigen Arztes an. Sie selbst sind jetzt 35 Jahre alt, und die bedrohliche Zahl 40 ist noch weit weg...

Kraus: ... Naja, meine Mutter sieht das ganz anders, die lästert schon immer: «Na, jetzt gehst Du aber auf die 40 zu...»(lacht)

Netzeitung: ... Aber wenn es dann irgendwann mal optisch brenzlig wird, schließen Sie eine OP auch für sich persönlich nicht aus, oder?

Kraus: Also ein Buch mit dem Titel «Baustelle Body» zu schreiben, wäre ohne das Thema Schönheits-OPs feige gewesen. Wichtig ist ja die Auswahl des richtigen «Architekten» für den Körper. Viele, ich selbst früher eingeschlossen, wissen ja nicht, dass der Titel Schönheits-Chirurg in Deutschland gar nicht geschützt ist. Jeder beliebige Arzt kann sich Chirurg für kosmetische Chirurgie oder Chirurg für ästhetische Operationen oder Schönheits-Chirurg nennen. Der Titel Facharzt für plastische Chirurgie oder plastische Operationen, das ist geschützt, alles andere nicht. Mein Tipp: Man sollte neben dem Titel auch noch gucken, dass der Arzt auch mindestens zwei Jahre Erfahrung in der ästhetischen Chirurgie hat. Wenn ich meine Visage in zwanzig Jahren noch in die Kamera halten sollte, dann würde ich es meinen Zuschauern auch nicht zumuten, dass die Brüste in den Kniekehlen hängen und das Kinn dort, wo einst das Dekolletee war. Aber wer weiß schon, was in zwanzig Jahren ist...

Netzeitung: Showbusiness-Größen wie Madonna, die kürzlich viel beachtet 50 Jahre alt geworden ist, haben das Problem mit dem Altern jetzt schon. Rund um die Welt wird nun beobachtete, wie geht sie damit um, wird spekuliert, was hat sie vielleicht machen lassen...Ist Madonna für Sie eigentlich noch sexy?

Kraus: Natürlich ist sie sexy! Egal wie sie aussieht, sie hat einfach diese unglaubliche Kraft, dieses Willensstärke und dieses Selbstbewusstsein. Und das ist unglaublich sexy. Selbst wenn sie jetzt runzelig wie eine Walnuss wäre, das wäre ganz egal. Es ist ihre Einstellung. Eine Prominente hat einmal gesagt, es gibt nichts Erotischeres als eine selbstbewusste Frau, die den Raum betritt. Das stimmt. Dass Madonna was machen lässt, dementiert sie ja gar nicht.

Netzeitung: ...andere aber schon...

Kraus: Genau. Mir stoßen da eher Frauen auf, vornehmlich aus Deutschland, die im Großmutteralter im Showbusiness tätig sind, aber aussehen wie meine jüngere Schwester und dann in Interviews sagen: gute Gene, makrobiotisches Essen, Personal Trainer und die richtige Creme. Da krieg ich wirklich Aggressionen! Dann frag ich mich, okay, Sonya, warum siehst du mit 35 schon knittrig aus? Oder wieso sieht meine Mama, die sich auch Tiegelchens ins Gesicht schmiert, nicht so aus wie die? Das empfinde ich das als hämisch und unaufrichtig. Ich halte es da eher mit der Schauspielerin Goldie Hawn, die jetzt auch schon fast 60 Jahre alt ist. Die hat vor ein paar Jahren gesagt: «Teile von mir sind 55, der Rest geht niemanden was an.» Das ist doch ne Superaussage!

Sonya Kraus: «Baustelle Body – Sonya's Secrets», Luebbe Verlag, 14,95 Euro.