28.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Schmidt überreicht Raab den Preis als 'Entertainer des Jahres'
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Große Gefühle kamen bei der Bambi-Verleihung kaum auf. Dafür wurde ordentlich ausgeteilt - vor allem von Harald Schmidt und Stefan Raab. Britney Spears kämpfte mit dem Playback, Franjo Pooth zeigte sich wieder und auch Boris Becker war mit dabei, wenn auch nicht ganz im Bilde.
Gerade noch berichtet die «Tagesschau» über den Terror von Bombay, dann grüßt schon der Bambi mit mächtigen Fanfaren aus der ARD. Nein, die mitterweile 60. Verleihung des Medienpreises aus dem Hause Burda, die zeitgleich auch im TV übertragen wurde, passte nicht ganz in die Zeitläufe. Gut aber, dass Moderator Harald Schmidt einen Sinn für solch feine Ironie hat. «Man kann auch in der sogenannten Krise richtig Spaß haben», begrüßte er am Donnerstagabend die prominenten Gäste in Offenburg. Das war es dann aber auch schon mit der Einstimmung, denn der erste Mega-Promi hatte es offenbar mächtig eilig, den Saal wieder zu verlassen. Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton bekam das erste Bambi, passenderweise anmoderiert von Model Sylvie van der Vaart.
Die Fußballer-Ehefrau sah in ihrem Leopardenkleid, mit baumelnder Schmuck-Goldmedaille um den Hals und dem, was die US-Amerikaner wohl «Big Hair» nennen, auf dem Kopf ein bisschen so aus wie die Damen in der Boxengasse. Dass irgendwie auch Boris Becker plötzlich auf die Bühne kam, um dem Sportler den «Sonderpreis der Jury» persönlich zu überreichen, passt zu der derzeitigen Rolle des 41-jährigen Ex-Tennisstars: immer mit dabei, aber irgendwie nicht ganz im Bilde. Gut im Bild, aber schlecht zu hören war hingegen Iris Berben, die den nächsten Bambi überreichen durfte.
Hallo Offenburg, hallo Welt? Ihr Sounddesign, aber auch die Tonqualität der Halle sollten die Veranstalter bis zum kommenden Jahr deutlich verbessern. Immerhin erkannte man in der Laudatio für Preisträger Til Schweiger (Bambi für «Keinohrhasen», Film national), in welchen Verlagshaus die Sause veranstaltet wurde. Im Ankündigungstrailer für den neuen Schweiger-Film, eine Ritter-Comedy, war auch «Focus»-Chefredakteur Helmut Markwort zu sehen. Schnitt auf den Journalisten im Publikum, und wieder war ein Stück Dauerwerbesendung fertig, das irgendwie allen nutzt.
«Glamour»-Gala stark an US-Vorbildern orientiertDeutlich unterhaltsamer waren da schon die kleinen Seitenhiebe und Unverschämtheiten, die in der wie immer stark auf US-Vorbilder orientierten «Glamour»-Gala so anfielen. Der wie immer unterhaltsame Hape Kerkeling etwa, der in seiner Laudatio für Autorin Cornelia Funke (Bambi Kultur) bemerkte, dass nicht nur er, sondern auch einige im Saal ein bisschen «auseinandergegangen» seien. Oder Harald Schmidt, der Laudator Erol Sander sichtlich vergrätzte, als er über dessen Kümstlernamen lästerte (Erol wie Schauspieler Flynn und Sander wie Modeschöpferin Jil). Dass stimme «nicht ganz», monierte Sander eingeschnappt, um dann Kollegin Christine Neubauer den TV-Bambi zu überreichen.
Die 46-Jährige war dann auch die erste Preisträgerin des da auch schon langen Abends, die wirklich und ehrlich gerührt war über ihren Preis. Sie habe schon als Kind gerne die Bambi-Verleihung gesehen, so Neubauer, für sie gehe mit ihrem ersten Bambi denn auch ein «Kindheitstraum» in Erfüllung. Das schien einige der Anwesenden im Saal eher zu amüsieren denn zu rühren, und auch Moderator Harald Schmidt flüchtete sich vor der möglicherweise aufkommenden Rührung schnell in neue Kalauer und Einspielfilme.
Fanfaren, Tusch und TonproblemeDie, gedreht in der Offenburger Umgebung, sollten ausgerechnet den zweiten Weltstar des Abends anmoderieren: Sängerin Britney Spears, die bei der Bambi-Verleihung ihren neuen Song «Womanizer» als «Weltpremiere» vorstellte. Was dann kam, war einer der bizarrsten Auftritte der Preisverleihung. Die 27-Jährige, die wie eine jüngere Ausgabe von Madonna aussah - enges BH-Set mit Chiffoneinsätzen, Netzstrümpfen und hohen Stiefeln, dazu Zylinder auf den langen Locken - turnte mit viel Körper-Einsatz, aber schrecklich verschalltem Playback-Sound inmitten ihrer Background-Tänzer über die Bühne.
Was als erotischer Quickie begann, endete als Coitus Interruptus. Der Preis an Spears (Kategorie «Pop International») durfte nicht sofort übergeben werden, die Sängerin wollte sich nach ihrem schweißtreibenden Auftritt nämlich erst wieder herrichten. Dann plötzlich, Fanfaren, Tusch, Aufmarsch von Modemacher Karl Lagerfeld, der schon im Gehen eine für den Rest des Saales unverständliche - wieder Tonprobleme! - Lobrede auf Englisch hielt, dann: Bambi an Sängerin, BussiBussi, und Abgang. Beide drehten sich ohne einen Blick oder auch nur ein Wort fürs Publikum einfach um und gingen. Die US-Sängerin präsentierte so immerhin noch ihren knackigen Hintern, der Designer einen etwas übertriebenen Einsatz von Glitzersteinen auf dem Jackett.
Olympiasieger Matthias Steiner rührte zu TränenDie Worte «Das hat mich jetzt wieder total ergriffen» blieben nach einem so seelenlosen Auftritt einem anderen vorbehalten. Gewichtheber und Olympiasieger Matthias Steiner rührte mit seiner - wie er selbst zugab - immer wieder erzählten Geschichte seiner verstorbenen Frau und den Kampf um die Medaille nicht nur sich selbst, sondern auch etliche Promis im Saal zu Tränen. Dafür gab's den Bambi in der Kategorie «Emotion», äh, «Sport»?!
Ansonsten Business as usual - Preise für Frank Plasberg, Modemacher Tommy Hilfiger und Schauspielerin Meg Ryan folgten. Und während die Zuschauer noch ein wenig über die völlg missglückte Frisur der von der Jury in ihrer Begründung unverdrossen als «süß» angepriesenen 47-Jährigen nachgrübelten, betrat ein Mann die Bühne, der den Abend noch einmal so richtig auf den Kopf stellte: TV-Multitalent Stefan Raab, der zurecht als «Entertainer des Jahres» ausgezeichnet wurde. Allein seine Show «Schlag den Raab» hat der ProSieben-Star in mittlerweile 14 Länder verkauft, und findet trotz all seiner Aktivitäten immer noch Zeit für eine tägliche Latenight-Show, kündigte der ARD-Moderator ihn an. «Unvorstellbar» fand Harald Schmidt übrigens gerade letzteres.
Raab und sein Tribut an MRR«Ich nehme den Preis an» erklärte Raab dann auf der Bühne zur Belustigung seiner Zuschauer, und spielte so auf den «Eklat» beim deutschen Fernsehpreis an, wo Marcel Reich-Ranicki seine Auszeichnung bekanntlich abgelehnt hatte. Er hingegen, so Raab, stehe gern in einer Reihe mit so illustren Preisträgern wie «Dschingis Khan, Bro'Sis und der Frau von Franjo Pooth» (der Unternehmer zeigte sich beim Bambi erstmals seit Wochen an der Seite seiner Frau, und posierte auch selbstbewusst für die Fotografen). Auch Marcel Reich-Ranicki habe schließlich einen Bambi angenommen, Anfang der Neunziger, «als er noch wusste, was er tat»m, so Raab weiter. Seine fulminante Rede voller Spitzen und Beleidigungen endete der TV-Moderator mit der Aussage, dass er sich besonders bei Uschi Glas bedanke, der er vieles, nein «alles» zu verdanken habe. «Danke Mami», so Raab, und endlich einmal klappte es an diesem Abend auch mit Timing und Technik: Die Kamera fing genau in diesem Moment das verärgerte Gesicht der 64-Jährigen ein.