Die Killer-Königin schlägt zurück
20.11.2000
Herausgeber: netzeitung.de
Die Jagdleidenschaft der Queen erbost die Briten. Erst zeigten die Zeitungen Elizabeth II. beim «kaltblütigen» Töten eines Fasans. Und dann trägt sie einen neuen Hut - mit Fasanenfedern.
LONDON. Die Queen versteht den Aufruhr nicht. Nur wenige Stunden, nachdem sie wegen eines Jagdausflugs von der britischen Presse als «Killer-Queen» beschimpft wurde, trug Elizabeth II. ganz demonstrativ einen mit Fasanenfedern geschmückten Hut. Die englische Zeitung «
The Mirror» ließ das durch einen «Palastkenner» erklären: «Die Queen ist sich keiner Schuld bewusst. Alles was sie getan hat, ist einen Vogel von seinem Leid zu befreien».
Fachmännisch «abgemurkst»Mehrere Sonntagszeitungen hatten Fotos veröffentlicht, auf denen die Queen einem angeschossenen Fasan den Hals umdreht. Tierschützer im Königreich reagierten empört. Die «Skandal»-Szene spielte sich am Samstag bei der Jagd auf dem königlichen Anwesen Sandringham ab.
Die Queen habe den verletzten Vogel einem ihrer Labrador-Hunde aus dem Maul genommen und ihn dann mit fachmännischem Griff «abgemurkst», so die Zeitungen. Es war offenkundig nicht das erste Mal, dass sie einem Fasan den Hals umdrehte», so ein Augenzeuge.
Nichts Besseres zu tun?Penny Little, Sprecherin der Organisation «Schützt unsere Wildtiere», kritisierte: «Die königliche Familie genießt unglaubliche Privilegien, und ich denke, es ist tragisch, dass sie mit ihrer Zeit nichts Besseres anzufangen weiß, als Fasane zu töten.»
Ingrid Seward hingegen, Chefredakteurin des Royal-Magazins «Majesty», verteidigte die Königin: «Wenn jemand kein so guter Schütze ist, wird der Vogel nicht mit dem ersten Schuss getötet. In dieser Situation hat sie das einzig Humane getan - und ihm den Hals umgedreht.»
Die Jagdleidenschaft der Royals ist in Großbritannien schon oft auf Widerstand gestoßen. So nahm Prinz Charles vor einigen Monaten seine beiden Söhne William und Harry mit auf die Fuchsjagd, obwohl die Labour-Regierung von Tony Blair ein gesetzliches Verbot dieses «Blutsports» vorbereitet. Das Vorgehen von Charles wurde als offener Affront gegen den Premierminister gewertet. Das Verhältnis zwischen Blair und dem Thronfolger soll eisig sein. (dpa/nz)