Der Pop-Produzent präsentiert sich als Lebenshelfer:
Bohlen: Bushido redet «Sülze»
17.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Dieter Bohlen und sein 'Bohlenweg'
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Auch auf der Buchmesse trommelte Dieter Bohlen für den «Bohlenweg». Die Buch-Vorstellung geriet zum Hohelied auf die Bildung - und deren Gefährdung durch Rüpel-Rapper und pöbelnde Literaturpäpste.
Jetzt ist es raus: Produzent Dieter Bohlen will das Bildungsland Deutschland retten. «Es wurde in den vergangenen Monaten soviel Nonsens über Erfolg in der Musikbranche erzählt, da musste ich meine Sicht der Dinge dagegenstellen», sagte Bohlen, der sein neues, mittlerweile bereits drittes Buch «Der Bohlenweg. Planieren statt Sanieren» auf der Frankfurter Buchmesse vorstellte. Mit dem Ratgeberbuch wende er sich auch gegen Rapper, die dazu aufrufen, «sich vollzukiffen, die Schule zu schmeißen» und einfach Musik zu machen. «Das ist sehr ärgerlich», sagte der Juror von «Deutschland sucht den Superstar». «Disziplin und Arbeit sind der Grundstock zum Erfolg.»
«Das ist nicht populär»Die Finanzkrise zeige, dass sich über Nacht alle materiellen Dinge in Nichts auflösen könnten. «Gute Bildung kann einem keiner wegnehmen. Damit kann man ein neues Leben aufbauen, alle Optionen offenhalten», sagte Bohlen. «Wer Erfolg haben will, muss bereit sein, die Extrarunde zu laufen. Das ist nicht populär, aber es gibt keine Alternative.» Auch bei seinen Kindern habe er auf eine gute Bildung geachtet. Viele junge Menschen erwarteten den Erfolg über Nacht - auch bei seiner Sendung «Deutschland sucht den Superstar», musste der durchaus umstrittene Casting-Juror einräumen, gab die Verantwortung dafür aber weiter. Schuld daran seien Rapper wie Bushido, die mit ihrer fehlenden Bildung angeben würden. Damit wecke er Träume, «aber das ist nur Sülze».
Ich Bohlen, du Reich-RanickiEine «Generation doof» jedoch sehe er auch nicht, so der 54-Jährige. An der Intelligenz hat sich seiner Meinung nach wenig geändert. Auch die Orientierungslosigkeit unter Jugendlichen sei nicht größer als zu seiner Zeit. Sie suchten Vorbilder - und er wolle eines davon sein, so Bohlen. So ganz nebenbei gab Bohlen auch noch seinen Kommentar zu Marcel Reich-Ranicki und der von dem Literaturkritiker entfachten Qualitäts-Debatte um's Fernsehen ab. «Wenn Reich-Ranicki sich nicht über den Ablauf einer Preisverleihung informiert, dann die beleidigte Leberwurst spielt und damit drei Tage lang die Titelseite der Bildzeitung bekommt - dann ist das ja fast schlimmer als Bohlen», so der Pop-Produzent durchaus selbstironisch. Gleichzeitig bemängelte er eine gewisse Ungleichbehandlung durch Medien und Kritiker: «Wenn ich einem Jungen sage «Du kannst nicht singen», dann werde ich angeklagt, und der Sender muss eine Strafe zahlen, wenn Reich-Ranicki alle als Dreck bezeichnet, dann ist das OK, weil er ja Euer Kulturpapst ist», so Bohlen und spielte damit auf eine Strafzahlung an, die RTL für beleidigende Äußerungen in der letzten Staffel seiner Casting-Show zahlen musste.(nz)