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Bushidos nicht ganz ernst gemeinte Biographie : 

Vom Muttersöhnchen zum Millionär

06. Okt 2008 11:30, ergänzt 11:49
Bushido
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Der Bürgerschreck ist passé, Bushido ist jetzt Besserverdiener. Neben Sex, Crime und Dicke-Hose-Getue zeigt seine Lebensbeichte aber auch, wie ein Junge mit Migrantenhintergrund Karriere macht. Kerstin Rottmann hat sich bei der Lektüre jedenfalls durchaus amüsiert.

Eine Nummer kleiner geht nicht - nicht, wenn man sich Bushido nennt und einen Ruf als Deutschlands erfolgreichster Gangsta-Rapper zu verteidigen hat. Groß und so gülden wie die in der Hip-Hop-Community so beliebten Halskettchen prunken die Buchstaben vom Cover, ganz klein darunter der Name des Autors und Journalisten Lars Amend, der sich praktischweise gleich als «PR-Berater» seines Schützlings outet. Ernst blickt der Berliner Hip-Hop-Star auf seinem ansonsten ganz in Schwarz gehaltenen Buchcover. Doch was dann auf immerhin über 400 Seiten folgt, kann nur eine nicht ganz so ernst gemeinte Angelegenheit sein. Ein Schelm, der in «Bushido» ein ehrliches Porträt jenes Anis Mohamed Ferchichi erwartet, der mit über 1,5 Millionen verkauften Tonträgern der erfolgreichste deutsche Rapper ist. In der Hip-Hop-Szene, im Show-Geschäft, aber auch in seiner Musik gilt das Prinzip: Fassade ist alles, und wer öffentlich schwächelt, der kriegt einen auf's Maul.

Gezogene Handbremse beim 'Dissen'

Nur, dass das bei dem mittlerweile auch schon 30-jährigen Berliner ganz altmodisch «Schelle» heißt. Nicht das einzige Codewort, dass der Sohn eines Tunesiers und einer Deutschen benutzt, um einerseits möglichst viele missliebige Konkurrenten (und da gibt es, mal angefangen mit Lieblingsfeind Sido, natürlich so einige) zu dissen und trotzdem keine kostspieligen Rechtststreitigkeiten einzugehen. Statt den richtigen Namen so mancher Protagonisten zieren kleine Totenköpfe, Fäuste oder Spiralen die Seiten, in denen mal so richtig abgelästert wird - wenn auch nur mit gezogener Handbremse. Denn eines ist klar - Bushido will mittlerweile vor allem eines: verkaufen. Ein Talent, dem er schon als Jugendlicher mit den ersten Drogendeals, damals noch finanziert von einem Mini-Kredit der eigener Mutter, gefrönt hat. Überhaupt die Mutter - sie schwebt über allem, und das in klassischer «Alles Schlampen, außer Mutti»-Manier.

«In jeder Frau steckt eine Hure»

Mein Cover: Bushido...
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«Für Mama» heißt denn auch die Widmung des Buchs, das nicht zuletzt eine Danksagung an seine allein erziehende und hart arbeitende Mutter sein soll. Der Vater - ein Alkoholiker und Schläger, der die Familie verließ, als der kleine Anis erst vier Jahre alt war. Keine ganz leichten Startbedingungen also. Dennoch hat es Bushido geschafft. Mittlerweile, so lässt er einfließen, sei er Millionär, noch präziser, Euro-Millionär, und das schon sei «zwei Jahren». Längst besitzt er auch eine Villa im Westen der Stadt und ja, Bushido ist mittlerweile auch Betreiber einer Immobilienfirma, die alte Häuser billig kauft, saniert und dann teuer absetzt. Neben Anekdoten zu seiner mühsam erworbenen Geschäftstüchtigkeit - der erste Vertrag bracht ihm kaum Gewinne ein - dominieren Frauengeschichten das Buch. «Ganz ehrlich, in jeder Frau steckt eine Hure», trötet Bushido heraus, um wenig später zu verkünden, dass seine Traumfrau «superhübsch und geil» sein, aber auch ihren «Pflichten» (saubermachen, kochen) nachkommen müsse. «Blümchensex, was ist das?», protzt er weiter, weist darauf hin, dass bei ihm schon «die Frauen Schlange standen», bevor er das Mikrophon in der Hand hatte. Beim ersten Verdacht auf Gefühle statt seelenlosem Sex allerdings flüchtet er mit offener Hose und Kondom am besten Stück wieder zurück in seinen BMW. Beziehungsunfähigkeit? Ja bitte! ist die Maxime des selbst ernannten «skrupellosen Sex-Gangster», kurz SSG.

Mehr Werbe-Prospekt als Biographie

Eine Zuschreibung, die sich praktischerweise auch dafür eignet, die üblichen Schock-Geschichten über Puffbesuche (Bilanz: 400 Nutten gevögelt, weil, Zitat, das eine «solide Angelegenheit» ist), «Gangbang» im Tourbus, «My-Space-» und (Achtung, Unterschied!) «-Tour-Schlampen» zu Papier zu bringen. Mehr Werbe-Prospekt als Biographie sind andere Zeilen, in denen «Opfer» (wahlweise Schwule, Junkies oder auch schon mal Robbie Williams oder Natascha Kampusch) in bewährter Bushido-Manier ihr Fett abkriegen. An anderer Stelle hingegen präsentiert sich der Gangsta-Rapper als Spießer, schwärmt vom Wasserpfeifchen in der Stammkneipe, dem neuen schwarzen BMW, vom stundenlangen «World of Warcraft»-Gezocke im Internet und seiner Begeisterung für Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling. Mit dem Erfolg kommt halt die Saturiertheit, und dagegen wehrt sich der Sänger, der sich selbst längst als «Entertainer» sieht, auch gar nicht.

Bushido meets Biene Maja

Selbstbewusst gibt Bushido sich auch auf dem Cover seiner Biografie
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Zu froh ist der gelernte Anstreicher, der das Abitur geschmissen hat, dass es nun doch mit der Karriere geklappt hat. Aber warum hat es ausgerechnet Bushido geschafft? Er selbst erklärt sich das so: Keine halben Sachen machen, und alles «möglichst perfekt» erledigen. Ein als typisch deutsch geltender Arbeitseifer also. Der erfasste den jungen Anis erstmals, als er seinen Lehrmeister am Don-Bosco-Ausbildungszentrum für schwer erziehbare Jugendliche zeigen wollte, was er so drauf hatte. Bis zur Gesellenprüfung schaffte er es dann, um danach doch alles selbstbewusst wieder zu schmeißen. Wieder stand die Mama bereit, gab 3000 Mark für ein professionelles Aufnahmegerät, so dass die zweite Karriere des nun zum «Krieger» mutierenden Bushido beginnen konnte. Ein hart arbeitender Superstar also - eigentlich ein Szenario, das Mut macht. Gute Nachrichten auch für die Eltern, die sich Sorgen machen wegen der gewaltbereiten, teils frauenfeindlichen Texte des Rappers. Jetzt kann der Nachwuchs mit der Lektüre der immerhin 432 Seiten Biographie ruhiggestellt werden, die mit den Worten «Danke, Mama!» endet. Bald steht auch Bushidos neuer Hit zum Kauf bereit. Passend zur neuen Bürgerlichkeit mit einem überraschenden Duettpartner: «Biene Maja»-Star Karel Gott.

Bushido. Die Biografie. Von Bushido und Lars Amend, Riva Verlag, 19,90 Euro

 
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