Stöckel, stöckel, stöckel: Nicht nur die SaTC-Girls stehen auf hohen Hacken
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In High Heels und Designer-Roben kamen die Frauen zur «Sex and The City»-Vorpremiere. Maike Schultz hat sich ins Getümmel gemischt und erlebte Kreisch-Szenen wie bei Tokio Hotel.
Wer am gestrigen Mittwochabend das Berliner Kino International (KI) betreten hat, traute seinen Augen kaum: Soweit das Auge reichte junge Frauen in knallfarbenen Minikleidern und Stilettos. Der Grund für das kollektive Aufhübschen - die Vorpremiere von «Sex and The City» (SaTC).
Im Glückstaumel über den lang ersehnten Kinostart hatten sich die Mitte-Mädchen verkleidet, als gelte es eine Statistenrolle bei Carrie, Miranda und Co zu ergattern. Mit Cocktailgläsern und Designer-Handtaschen bewaffnet verliehen sie dem alten DDR-Bau einen eigenartigen neuen Glanz.
Rumstehen und gut aussehen
Um Punkt zehn Uhr stürmten alle in den schnell überfüllten Kinosaal, um die Gastgeberin auf der Bühne zu begrüßen - Drag Queen Nina Queer. Die stellte sich als «die Samantha Jones von Berlin» vor und verfiel auch gleich in deren sexuelle Direktheit: «Ein herzliches Willkommen an alle in den Po gebumsten», hauchte sie ins Mikrofon, stürzte schnell zwei Cosmopolitans hinunter und riet den Besuchern, die Taschentücher griffbereit zu halten.
Doch auch die traurig-ernsten Momente des Films konnten der allgemeinen Partystimmung nichts anhaben: Schon bei den ersten Tönen der SaTC-Titelmelodie jubelte das zu 80 Prozent weibliche Publikum wie bei einer echten Premiere.
Erfolgskonzept «Reich und schön»
Für jeden flotten Spruch (vornehmlich von Samantha) gab es so donnernden Applaus, als wären die Schauspielerinnen live im Raum und nicht auf eine Leinwand projiziert. Bei Pointen grölte jemand in der Nachbarreihe so laut, dass der Witz für nicht ganz so schnell Schaltende im akustischen Nimmerland verschwand.
Erstaunlich auch die Reaktionen auf das unverblümte Dauer-Product-Placement im Film, das sämtliche Produktionskosten decken dürfte. Mercedes Benz, Louis Vuitton, Christian Dior – egal welcher Name fiel, die Zuschauer kreischten immer begeistert auf. Zumindest einmal geht der Film ironisch mit einer Marke um. Als Carrie dringend telefonieren muss, lehnt sie Samanthas iphone nach kurzer Betrachtung ab: «Das ist mir viel zu kompliziert. Gebt mir bitte ein richtiges Handy.»
«Das Serien-Gefühl kam nicht rüber»
Nach 144 Minuten Labels, Liebe und natürlich jeder Menge Sex gab es keine Buh-Rufe, dafür aber viele neue Fans. «Ich kannte das nicht, hatte aber viel Spaß», verriet ein Stammgast der schwulen Kinoreihe «Mongay», Veranstalter der Preview im KI. Überraschend viele lernten die promisken New Yorkerinnen bei dieser Gelegenheit erst kennen: «Ich hatte das vorher noch nie gesehen, aber es hat mir richtig gut gefallen», sagte eine 46-jährige Berlinerin. «Das war so was Frauentypisches: Mode und Männer.»
Ihre Arbeitskollegin, die sie mit ins Kino geschleppt hatte, war enttäuscht. «Wenn man die TV-Serie kennt, ist der Film scheiße. Das Grundgefühl daraus kam einfach nicht rüber, ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wann es denn endlich mal losgeht.»
Auch unter Kennerinnen sind die Meinungen kontrovers: «Ich als Fan fand es natürlich super, auch wenn ich ganz vorne sitzen musste», meinte Vorpremieren-Gast Paros, die Torhüterin aus dem Film «Football under Cover». «Großartig. Das war genau das, was ich sehen wollte», sagte die 24-jährige Gesine. Schnell nahm sich die Studentin noch ein «Sex and The City»-Plakat von der Wand und ging zufrieden nach Hause - mit ihren Heldinnen unterm Arm.