PR-Experten loben TV-Auftritt: 

netzeitung.deCruise, «Oprah» und das Schneemobil

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Oprah Winfrey und Tom Cruise in Colorado (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Oprah Winfrey und Tom Cruise in Colorado
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nicole Kidman sei eine «gute Mutter» und die Ehe mit Katie Holmes «kein PR-Stunt»: Tom Cruise saß erneut neben Oprah Winfrey auf der Couch. Verglichen zu seinem peinlichen Auftritt vor drei Jahren wirkte er dabei überaus seriös. Mit Video .

Man muss einfach sagen: Es war ein cleverer Schachzug von Tom Cruise, dahin zurückzukehren, wo seine Image-Misere begann. Auf eine Couch neben Oprah Winfrey nämlich, wo er im Jahr 2005 Millionen US-Fernsehzuschauer mit seinem überdrehten Sofa-Hüpfer an seinem Verstand zweifeln ließ. In allen Medien wurde der peinliche Vorfall damals aufgegriffen, von Lettermans Talkshow bis hin zum Cover einer US-Zeitschrift, die eine Fotomontage von Cruise und damals-noch-Freundin-heute Ehefrau Katie Holmes in Zwangsjacken zeigte.

Heute ist Cruise schlauer. Bei seinem jüngsten «Oprah»-Auftritt kam es daher nicht zu unerwarteten Gefühlausbrüchen. Stattdessen präsentierte sich der Hollywoodstar während des einstündigen Interviews, das in seinem plüschig eingerichteten Privatanwesen in Colorado stattfand, überaus seriös und wählte seine Worte mit Bedacht. Um das Herz der Zuschauer zu gewinnen, führte Cruise Winfrey zudem durch sein Anwesen und zeigte ihr unter anderem das Zimmer von Töchterchen Suri. Nach dem Interview unternahm er mit der Moderatorin noch eine Fahrt auf einem Schneemobil.

Von Winfrey auf den Couch-Aussetzer angesprochen, sagte Cruise, er habe seinerzeit lediglich seine «Gefühle für Katie Holmes ausdrücken» wollen. Er sei sich zwar nicht sicher, ob er nochmal so eine Aktion wagen würde, aber er bereue es nicht. Die negativen Äußerungen über Brooke Shields, die er vor zwei Jahren in der «Today Show» für die Einnahme von Antidepressiva kritisiert hatte, seien einfach «falsch verstanden» worden. Er persönlich sei zwar gegen Psychopharmaka, aber jeder müsse das für sich selbst entscheiden, so Cruise. Was Scientology betreffe, befinde er sich in einer Zwickmühle: «Wenn ich Fragen dazu nicht beantworte, heißt es, ich weiche aus. Beantworte ich die Fragen, heißt es, ich versuche zu missionieren.» Weiterhin äußerte er sich im Verlauf des Gesprächs zu zahlreichen Boulevard-Gerüchten um seine Person. Dabei sagte er, dass Ex-Frau Nicole Kidman entgegen anderslautenden Spekulationen den gemeinsamen Adoptivkindern eine «gute Mutter» sei. Gerüchte, bei der Ehe mit Katie Holmes handele es sich um einen «PR-Stunt», wies er als «lächerlich» zurück.

Ein langer Image-Heilungs-Prozess
Amerikanische PR-Experten lobten das Auftreten des Schauspielers, das in seiner Artigkeit beinahe «langweilig» gewirkt habe. «Ich glaube, das Tom seine Lektion gelernt hat. Diese Lektion war, dass deine privaten Überzeugungen manchmal deinen beruflichen Projekten im Weg stehen», sagte beispielsweise Howard Bragman, Chef einer PR-Agentur in Los Angeles. Cruise habe sich in der Show «verteidigt, ohne defensiv zu wirken». Trotz allem Gerede dürfe man nicht vergessen, dass Cruise immer noch einer der mächtigsten Männer Hollywoods sei.

Darf Cruise nun also hoffnungsvoll in die Zukunft blicken? Werden die Leute künftig wieder über seine Filme reden, anstatt sich über sein Privatleben auszulassen? Promi-Insider bezweifeln jedenfalls, dass ein Fernsehauftritt ausreicht, um Cruises schwer angeschlagenes Image zu kitten. Um die Öffentlichkeit wieder auf seine Seite zu bringen, dürfe Cruise vor allem nicht mehr als Gallionsfigur von Scientology auftreten, rät Medien-Experte Michael Levine: «Es gibt sicherlich keine Probleme mit der Wahl seiner Religion, aber wenn er versucht seine Sache aggressiv zu vertreten, regt das sie Leute auf. (...) Wenn man sich in einem Loch befindet, sollte man aufhören zu graben.» Den Auftritt bei «Oprah» bewertet Levine als «positiven Schritt» eines langen Image-Heilungs-Prozesses.

«Eine Person, die kreativen Selbstmord begangen hat»
Seiner Karriere hat der Couch-Patzer überraschend wenig geschadet, denn beruflich befindet Cruise sich zurzeit mal wieder auf der Überholspur. Anfang 2009 soll mit gehöriger Verspätung sein umstrittener Stauffenberg-Film «Walküre» in die Kinos kommen und auch in Ben Stillers Komödie «Tropic Thunder» ist er mit von der Partie. Des Weiteren verhandelt er gerade über einen vierten Teil von «Mission: Impossible». Die Produktion des Films würde auch eine Versöhnung mit seinem früheren Geschäftspartner und Viacom-Boss Sumner Redstone bedeuten. Zwischen den beiden herrschte lange Funkstille, da Redstone Cruise öffentlich als «eine Person, die kreativen Selbstmord begangen hat» bezeichnet hatte. Vielleicht war der Auftritt bei «Oprah» ja tatsächlich ein erster Schritt in Richtung Besserung. (nz)

Tom Cruise über den «Sofa-Vorfall»: