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CD der Woche: 

Die Unkopierbare kopiert nun selbst

28. Apr 2008 09:17
Madonna und Justin Timberlake
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Madonna betritt mit ihrem neuen Album «Hard Candy» die Hit-Pfade, die ihr Produzententeam um Pharrell und Timbaland schon oft gegangen ist. Aber Sascha Woltersdorf hofft auf künftige Besserung.

Kopieren ist geschäftsschädigend, wer wüsste das besser als die Musikindustrie? Da verwundert es schon ein bisschen, dass Madonna die ersten fünf Stücke ihres neuen Albums verpuffen lässt, um dann im Sechsten, in «She’s Not Me», die Sache auf den Punkt zu bringen. Da bekommt eine schändliche Plagiatorin vor Augen geführt, wie aussichtslos es ist, eine Madonna nachmachen zu wollen. Die Echte zählt im Song eine ganze Palette ihrer Attribute auf: Haarfarbe, Parfum, Lingerie, Liebe machen unter der Dusche und so weiter. Und dann singt sie, warum die Kopie scheitern muss, obwohl die das alles auch hat oder macht: «Sie ist nicht ich, sie hat nicht meinen Namen.» Markennamen hätte es heißen müssen. Oder auf Englisch «Brand».

Noch nicht einmal ein Makeover

Mit «Hard Candy» veröffentlicht die Marke Madonna den Nachfolger ihres Disco-Albums «Confessions On A Dancefloor» (2005). Mit dem war sie vor fast drei Jahren gewissermaßen zu ihren Anfängen zurückgekehrt. Denn in den späten 1970ern und frühen 1980ern hatte das italienische Einwandererkind Madonna Louise Ciccone die New Yorker Clubs und Diskotheken unsicher gemacht – immer auf der Suche nach dem Produzenten, der sie groß rausbringen sollte. Und so kam es ja auch. Die «Confessions», das Bekenntnis zu diesen Disco-Wurzeln, waren deshalb ausnahmsweise kein Neubeginn. Zum ersten Mal in ihrer Karriere hatte sich die Pop-Ikone wiederholt. Aber das konnte noch als territorial pissing durchgehen, als ein «schaut, wo ich herkomme, und seht, wo ich ein halbes Jahrhundert später immer noch stehe: oben».

Unglücklicherweise ist «Hard Candy» noch schlimmer, es ist noch nicht einmal ein Makeover. Die Unkopierbare, die Marke Madonna, spürt diesmal keinem Trend nach, sondern hängt sich an die Erfolgsmusik der Jahre 2006 und 2007 an. Schon die Namen der vermutlich teuer eingekauften Starproduzenten Pharrell Williams, Timbaland und Nate «Danja» Hills lassen ahnen, wie die Königin des Pop nach 200 Millionen verkauften Alben und 115 Millionen Singles inzwischen klingt: Wie andere auch. Man muss nur die Liste der Klienten dieser Hitmaschinen durchgehen: Britney Spears, Nelly Furtado, Gwen Stefani.

Bald Background-Sängerin ihrer eigenen Musik?

'Hard Candy' wird das letzte Album für Warner sein
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Die Qualität der Stücke trotzt selbstverständlich jedem Zweifel, jedenfalls in der ersten Hälfte des Albums. Und genauso selbstverständlich passt Madonna perfekt in die zeitgemäße Produktion. Herausragende Tracks sind das urban swingende «Give It 2 Me» und die Single «4 Minutes». Das Duett mit Justin Timberlake, in vielen Ländern inzwischen an der Spitze der Charts, zeigt außerdem noch eine andere, ungewohnte Rolle der wahrscheinlich ehrgeizigsten und dominantesten Frau im Showbiz: In «4 Minutes» ist sie nah dran, zur Background-Sängerin ihrer eigenen Musik zu werden.

Hier könnte diese Rezension zu Ende sein, wenn sich beim Hören des neuen Albums nicht das Gefühl anschleichen würde, dass sich trotz – oder gerade wegen – der in der Mehrzahl wenig inspirierten Songs eine Wende anbahnt. Denn «Hard Candy» wird Madonnas letzte Album für die Plattenfirma Warner sein. Danach beginnt ein 120 Millionen Dollar schwerer Vertrag mit Live Nation, einem US-Konzertveranstalter, für den Madonna drei Alben einspielen wird. Vielleicht sind Abgesänge deshalb noch zu früh. Wer weiß, welche neuen Wege die dann fünfzig- bis sechzigjährige Madonna für ihre Konzertauftritte gehen wird. Das gibt der Unkopierbaren reichlich Spielraum für Neuerfindungen.

Madonna: «Hard Candy» (Warner)

Madonna - «4 Minutes»:

 
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