14. Apr 2008 09:10
«Konk», das neue Album von The Kooks, weckt zwei Vermutungen: Indie ist der neue Pop und die Vier aus Brighton sind dessen Boy Band, findet
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Es ist kaum zu übersehen: Indie ist der neue Pop und dessen Boy Band sind The Kooks. Die standesgemäße Portion Sex’n’Drugs-Gossip, die sich um die vier gerade mal Anfang 20-jährigen Jungspunde rankt, dürfte einen nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen haben. Zu Schulzeiten war Sänger Luke Pritchards mit Katie Melua liiert. Und Bassist Max Rafferty wurde kürzlich drogenbedingt aus der Band geschmissen und durch Dan Logan ersetzt. Aber nicht nur in Besetzungsfragen handeln die vier Briten professionell, auch ihr Rock’n’Roll-Handwerk haben sie gelernt. Die ersten vier Stücke auf «Konk» könnten auch Mando Diao oder Arctic Monkeys in ihren Programmen spielen, ohne vor Scham von der Bühne zu fallen. «Always Where I Need To Be» ist ein knapp dreiminütiger Kracher mit klassischem Do-Do-Di-Di-Do-Chorus. «See The Sun» hat einen herrlich verklimperten Gitarrenanfang, aber dann zieht eine frische Brise durch den Song als würde jemand nachts um Vier in einer vermufften Bar die Fenster und Türen aufmachen.
Keine Frage, Harmonien und Melodien gehen gut ins Ohr. Meistens flutschen sie aber ebenso schnell wieder raus. Insbesondere die zweite Hälfte des Albums ist nur noch hübsch gemachtes Beipackmaterial, sozusagen das Schnittgrün eines Blumenstraußes, damit die fünf Rosen ein bisschen was hermachen. Aber wer nun eins und eins zusammenzählt und The Kooks für so etwas wie die neuen Oasis für Mädchen hält, dürfte die Rechnung ohne eben diese Zielgruppe gemacht haben. Denn der rehäugige und wallemähnige Pritchard schmeichelt, schmachtet und schmettert nicht nur Rockstücke, er kennt sich auch in den Gefühlsuniversen der angesungenen Mädels aus. Etwa, wenn er in «Shine On» seiner lyrischen Freundin dazu rät, ihre ganzen Haarnadeln wegzuschmeißen. Und die dazugehörigen Beauty-Magazine gleich mit. Denn – toller Reim – «your magazines rip people at their seams». Er findet nämlich, dass sie sowieso immer toll aussieht. Man kann sich vorstellen, wie viele Millionen Plattenkäuferinnen das gerne hören.
Fazit: Boy Bands können sich auflösen. Den Job macht jetzt Indie Rock.
The Kooks: «Konk» (Labels / EMI)
The Kooks - «Always Where I Need To Be»: