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CD der Woche: 

Sex und Drugs und Gossip

14. Apr 2008 09:10
The Kooks
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«Konk», das neue Album von The Kooks, weckt zwei Vermutungen: Indie ist der neue Pop und die Vier aus Brighton sind dessen Boy Band, findet Sascha Woltersdorf.

Nein, diese Band ist nicht gecastet, sie spielen ihre Instrumente tatsächlich selbst und machen das sogar richtig gut. Und sie kennen sich aus in der Geschichte der Rockmusik, was sich zum Beispiel in dem Wissen niederschlägt, wer Ray Davies ist und wer The Kinks waren. Wohl nicht zufällig wurde das neue The Kooks-Album nämlich in Davies Londoner Tonstudio aufgenommen und es heißt auch so wie das Studio: «Konk».

Die Jungs aus Brighton, die von ihrem ersten Album «Inside In / Inside Out» (2006) mehr als zwei Millionen Stück verkauften, passen eigentlich gar nicht in das vielfach erprobte Produktmuster namens Boy Band. Aber haargenau so funktioniert The Kooks. Zu beobachten war dies auf dem Konzert in Köln am Tag nach Erscheinen des Albums. Die ersten Reihen vor Bühne waren mehrheitlich weiblich und viele der jungen Frauen, die zum Mitsingen, Rumhopsen und Kamera hochhalten gekommen waren, dürften ihr Abi noch vor sich haben.

Nicht nur in Besetzungsfragen professionell

Die Jungspunde schmeicheln, schmachten, schmettern
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Es ist kaum zu übersehen: Indie ist der neue Pop und dessen Boy Band sind The Kooks. Die standesgemäße Portion Sex’n’Drugs-Gossip, die sich um die vier gerade mal Anfang 20-jährigen Jungspunde rankt, dürfte einen nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen haben. Zu Schulzeiten war Sänger Luke Pritchards mit Katie Melua liiert. Und Bassist Max Rafferty wurde kürzlich drogenbedingt aus der Band geschmissen und durch Dan Logan ersetzt.

Aber nicht nur in Besetzungsfragen handeln die vier Briten professionell, auch ihr Rock’n’Roll-Handwerk haben sie gelernt. Die ersten vier Stücke auf «Konk» könnten auch Mando Diao oder Arctic Monkeys in ihren Programmen spielen, ohne vor Scham von der Bühne zu fallen. «Always Where I Need To Be» ist ein knapp dreiminütiger Kracher mit klassischem Do-Do-Di-Di-Do-Chorus. «See The Sun» hat einen herrlich verklimperten Gitarrenanfang, aber dann zieht eine frische Brise durch den Song als würde jemand nachts um Vier in einer vermufften Bar die Fenster und Türen aufmachen.

Das Schnittgrün eines Blumenstraußes

'Konk' entstand im Studio gleichen Namens
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Keine Frage, Harmonien und Melodien gehen gut ins Ohr. Meistens flutschen sie aber ebenso schnell wieder raus. Insbesondere die zweite Hälfte des Albums ist nur noch hübsch gemachtes Beipackmaterial, sozusagen das Schnittgrün eines Blumenstraußes, damit die fünf Rosen ein bisschen was hermachen.

Aber wer nun eins und eins zusammenzählt und The Kooks für so etwas wie die neuen Oasis für Mädchen hält, dürfte die Rechnung ohne eben diese Zielgruppe gemacht haben. Denn der rehäugige und wallemähnige Pritchard schmeichelt, schmachtet und schmettert nicht nur Rockstücke, er kennt sich auch in den Gefühlsuniversen der angesungenen Mädels aus. Etwa, wenn er in «Shine On» seiner lyrischen Freundin dazu rät, ihre ganzen Haarnadeln wegzuschmeißen. Und die dazugehörigen Beauty-Magazine gleich mit. Denn – toller Reim – «your magazines rip people at their seams». Er findet nämlich, dass sie sowieso immer toll aussieht. Man kann sich vorstellen, wie viele Millionen Plattenkäuferinnen das gerne hören.

Fazit: Boy Bands können sich auflösen. Den Job macht jetzt Indie Rock.

The Kooks: «Konk» (Labels / EMI)

The Kooks - «Always Where I Need To Be»:


 
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