07. Apr 2008 08:55
Der Reiz des Unfertigen: Gnarls Barkley klingen auf dem zweiten Album «The Odd Couple» sehr nachtschwarz und zerfleddert, findet
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Aber inzwischen steht hinter vielen neuen Platten ein Produzent, dessen Arbeit man hört, dessen Namen man aber wahrscheinlich noch nie gehört hat. Ausnahmen bestätigen die Regel. Danger Mouse a.k.a. Brian Burton zum Beispiel. Der hat unter anderem «Demon Days» produziert, das zweite Album der Gorillaz.Aber richtig spannend wird es, wenn ein Knöpfchendreher gewissermaßen Hand an sich selbst legt, also die eigene Musik produziert und dabei ohne den Input der anderen zurechtkommen muss. Das kann im wahrsten Wortsinn enttäuschend sein. Das Selbstprojekt von Danger Mouse trägt den merkwürdigen Namen Gnarls Barkley und hat noch einen zweiten Beteiligten: den kleinen, robusten, volltätowierten Sänger und Texteschreiber Cee-Lo Green a.k.a. Thomas Calloway.
«Crazy» war vor zwei Sommern der Hit des ungleichen Duos, es ist übrigens das erste Stück, das als reiner Download zur Nummer Eins der britischen Charts wurde. Das dazugehörige Album «St. Elsewhere» bekam 2007 einen Grammy. Mit «The Odd Couple» erscheint nun das zweite Album. Und wieder loten Burton/Calloway die Untiefen von Soul, Blues und Rock mit den Möglichkeiten des HipHop aus. Aber diesmal kommt die dunkle Seite stärker zum Vorschein.Wenn «St. Elsewhere» die Engtanzfete von Melodie und Groove war, dann ist «The Odd Couple» das Kettenrasseln der gefesselten Seele. «Who’s Gonna Save My Soul», das zweite Stück nach dem schwungvollen Opener «Charity Case», klingt, als wäre Soul-Legende Isaac Hayes in Form von Trip Hop zurückgekehrt. Ähnlich nachtschwarz und zerrissen wirken auch die meisten anderen Stücke. Da marodieren Sounds umher. Und der Beat verliert sich manchmal in den unendlichen Weiten der Echo-Effekte. Vor allem «Open Book» hört sich an wie eine völlig zerfetzte Reprise von «Crazy».
Bisweilen wird die Melodie aber doch auf dem Silbertablett serviert: Zum Beispiel in dem getriebenen «Run» und in «Whatever», einem echten sechziger-Jahre-Garagen-Kracher mit verzerrter Stimme, der ein Klassiker-Thema des Testosteron Rock aufgreift: Alle sind gegen mich.Trotzdem bleibt vieles auf «The Odd Couple» allerdings zerfleddert und skizzenhaft. Aber manchmal liegt ja gerade der Reiz in der unfertigen und nicht bis ins Letzte ausgearbeiteten und glattgebügelten Musik. Auch das kann glücklicherweise Produzentenmusik sein.
Gnarls Barkley: «The Odd Couple» (Warner)
Gnarls Barkley - «Run»: