11. Feb 2008 08:49
Miss Kittin kommt auf ihrem zweiten Album «Batbox» als Rockbitch daher. Das steht ihr ausgezeichnet, und die 13 Stücke sind auch beileibe nicht schlecht, findet
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Nun also erscheint «Batbox» von der Französin, die bereits mit Elektro-Größen wie Felix Da Housecat und Sven Väth zusammengearbeitet hat. Diesmal heißt der musikalische Partner Pascal Gabriel, eine belgische (!) Produzentenlegende, die schon mit New Order, Debbie Harry, Kylie Minogue aber auch – oh Schreck – Dido zusammengearbeitet hat. Die 13 Stücke auf «Batbox» haben glücklicherweise keinen Schaden genommen. Im Gegenteil, selbst die musikalische Stilvorlage des Albums, der minimalistische und kühl-künstliche Synthie Pop der achtziger Jahre, wirkt bei der 34-Jährigen Miss Kittin nicht wie ein schlecht sitzender Hut, sondern passt wie angegossen. Das mag daran liegen, dass sie seit ihren vor zehn Jahren veröffentlichten ersten Tracks, zum Beispiel dem programmatischen «1982», eine Art Urheberrecht am Retro Elektro und Electroclash zugebilligt wird. Solche Ansprüche hat sie nicht brach liegen lassen. Klang «1982» noch wie den Sound Chips eines Commodore Computers entsprungen, könnte Manches auf «Batbox» eine aufgeblasene Produktion von Trevor Horn sein. «Playmate Of The Century» zum Beispiel. Das Stück strotzt nur so von selbstherrlicher Neon-Ästhetik, was sich auch in den Lyrics widerspiegelt. Kostprobe: «I’m the girlfried you can’t get». Andere weibliche Pop-Figuren wie Kylie Minogue versprechen das genaue Gegenteil. So gesehen ist Miss Kittin die Anti-Minogue. Wegen ihrer eher dünnen und spröden Stimme müsste man sie sowieso eher mit Madonna vergleichen, der Großmutter des Pop-Rollenspiels.
Bei der Stimme hat Koproduzent Gabriel ganze Arbeit geleistet. Der Gesang – der im elektronischen Genre oft vernachlässigte Teil der Musik – macht richtig Spaß. Und in Sachen Rollenspiel kann man einer Miss Kittin ohnehin nichts vormachen. Diesmal ist es – siehe Albumtitel – natürlich die Fledermaus. Man kann sie sich bildhaft vorstellen, diese düsteren Figuren in den dunklen, schlecht gelüfteten Clubs unter flackernder Beleuchtung.Aber Miss Kittin sieht inzwischen nicht nur aus wie eine zerfledderte schwarzlederne Rockbitch, sie ist ein «modernes Mädchen» geworden, dass im Gitarrenladen nicht vor Scham im Boden versinkt («Barefoot tonight»). Zielstrebig macht Miss Kittin ironische Songs über Minibars leer trinkende Rocker («Solidasarockstar») und greift selbst zu Gitarre und Bass wie in «Grace», dem dritten Stück des Albums. Das aus zwei (!) Tönen bestehende Bassriff und die drei Töne der Gitarre werden die Musikwelt zwar nicht aus den Angeln heben, aber es steht ihr ausgezeichnet.
Miss Kittin: «Batbox» (Groove Attack)