17.12.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Die besseren Weihnachtslieder
Der Sampler «Wish You Best Christmas Ever» stellt außergewöhnliche Musikperlen rund um das Fest der Liebe zusammen. Diese sind so süffig wie Glühwein, meint Sascha Woltersdorf .
Alle Jahre wieder das gleiche Ärgernis. Manche Jahres-End-Lieder verpesten das Raumklima mit Trompeten-Sermon und Glockengeklimper im Stil alter Ladenkassen. Dabei geht es auch anders. Der Sampler mit dem Titel «Wish You Best Christmas Ever» macht alles richtig. Das fängt mit dem grünen Wunderbaum auf dem Cover an, der – anders als die profanen Duftkartons, die hinter dem Rückspiegel hängend im Auto für gute Luft sorgen sollen – wirklich ein kleines Wunder vollbringt: Nämlich eine Zusammenstellung von 19 Weihnachtsliedern, die nicht nerven. Statt dessen gibt es viel Weihnachts-Rock'n'Roll, Blues, Country, Doo Wop und – jawohl – Mambo. Die Zusammenstellung dürfte ähnlich passend oder unpassend sein wie viele Familienbanden, die alljährlich unter dem Baum zusammenkommen.
Manch obskures Gebinde ist dabei, zum Beispiel «White Christmas». Der besinnliche Klassiker kommt diesmal von der Münchener Formation Coconami in einer reizend geplinkerte Version von zwei Ukulelen und Gesang. Südseeflair statt Graupelschauer, da hüpft das Herz. Ein weiterer hübscher Einfall stammt von Dj Zufall. Sein «Oh Tannenbaum» erklingt aus zwei Lebkuchendosenspieluhren. Das original Aufziehgeräusch ist auch dabei.
Die meisten anderen Songs haben ihre Wurzeln jedoch in der us-amerikanischen Pop-Tradition und gehen so süffig runter wie Glühwein. Bekannte Interpreten wie Brenda Lee («I’m Gonna Lasso Santa Claus») oder NRBQ («Christmas Wish») steuern Songs bei. Weniger bekannte Bands wie «The Twang» aus Braunschweig frischen Evergreens auf. In diesem Fall ist es «Last Christmas» von Wham!. Der Pop-Klassiker aus dem Jahr 1984 bekommt ein hübsches Country-Kleid angepasst, das stark an einen anderen viel gecoverten Klassiker erinnert: An «16 Tons», das 1947 in einer Version von Merle Travis das Licht der Welt erblickte. So ließe sich zu jedem Stück der Anekdoten-Reigen spinnen, was das stark komprimierte, aber dennoch sehr informative CD-Booklet übrigens auch tut.
Den brandneuen Cadillac, bitteSogar einen echten Geistlichen hat «Wish You...» zu bieten. Gatemouth Moore, einen Blues-Helden der vierziger Jahre. Er wurde 1949 Priester, was ihn allerdings nicht davon abhielt, den ein oder anderen durchaus weltlichen Wunsch zu hegen. In dem trickreich gespielten und herzergreifend gesunden «Christmas Blues» ist es «nur eine gute Frau», die Gatemouth auf seinem Wunschzettel stehen hat. Und vielleicht noch den brandneuen Cadillac bitte, wenn's nicht zu allzu viele Umstände macht, lieber Herr Weihnachtsmann.
Und Jimmy Butler möchte in «Trim Your Tree», einem fingerschnippenden Blues-Stück, seiner Liebsten mal wieder ordentlich den Busch beschneiden. Eindeutiger geht es wohl kaum. So handfest kann das Fest der Liebe sein. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!
Diverse: «Whish You Best Christmas Ever» (Trikont/Indigo)