netzeitung.deEmmanuelle kann auch singen

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Dunkel, spröde, mysteriös (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Dunkel, spröde, mysteriös
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Emmanuelle Seigner, Schauspielerin und Gattin von Roman Polanski, hat mit der französischen Rockband Ultra Orange ein nettes Album aufgenommen, findet Sascha Woltersdorf .

Akzent in der Popmusik – das ist ein dickes Buch mit vielen Geschichten, manche peinlich, andere zauberhaft - wie die von Velvet Underground and Nico. Denn es war auch die unvergessliche Christa «Nico» Päffgen, die dem Debüt der Band jene dunkle, spröde und mysteriöse Note gab. Da kann ein Akzent sehr hilfreich sein als Träger des Fremden im Vertrauten. Nico als Referenz dürfte von den französischen Pop-Rockern Ultra Orange & Emmanuelle durchaus angestrebt worden sein.

Für ein Album haben sich das in Frankreich unter dem Namen Ultra Orange halbwegs bekannte Rock-Duo Pierre und Gil Emery und die Schauspielerin Emmanuelle Seigner zusammengetan. Vor ihrer Schauspiel-Karriere («Frantic», «Bitter Moon», zuletzt die Edith-Piaf-Verfilmung «La vie en rose») hatte Seigner gemodelt und – so viel zu den Trivia – während der Dreharbeiten zu «Frantic» ihren Ehemann Roman Polanski kennen gelernt. Als mysteriöse Geheimnisträgerin taugt die blonde Emmanuelle jedenfalls nicht.

Die 41-Jährige singt ein bisschen spröde, ein bisschen cool und ansonsten sehr mädchenhaft und sehr liebreizend. Im großen Buch des Akzent-Pop sollten Ultra Orange & Emmanuelle unter dem Eintrag «charmant» geführt werden. Einem Interview zufolge, das die Actrice mit dem Schweizer Revolverblatt «Blick» geführt hat, sollen ihre Kinder Morgane und Elvis während der Tonaufnahmen in einem Hotelzimmer auf den Betten rumgehüpft sein. Ob das nun stimmt oder nicht – das Album klingt zumindest so.

Freundliches Kopfschütteln
Für den Album-Starter «Sing Sing» hat sich Emmanuelle bemüht, kühl und hauchig zu klingen. Immerhin fühlt sie sich laut der Lyrics wie eine Gefangene, deren Blut – ja, ja, so sind sie, unsere linksrheinischen Nachbarn – wie ein Glas Rotwein getrunken wird. Entstanden ist ein angenehm verschwärmter, äußerst nett und fluffig dahinrollender Gitarren-Pop. Und «Bunny», ein Stück über ein Mädchen, das sich geistig ins Jahr 1969 zurückgebeamt hat, klingt eher nach freundlichem Kopfschütteln als nach einer klaren Ansage.

Aber genau diese französische Charm-Attacke macht natürlich den Reiz des Albums aus. Die elf Stücke schaffen in 40 Minuten das nicht gerade einfache Kunststück, eher knurrige Rock-Spielarten wie Surf, Trash, Garagen- und Boogie-Rock in eine samtige Klanglandschaft einzuhegen, ohne seicht zu klingen. Wäre diese Musik ein Möbelstück, wäre sie ein riesiges, mit Kissen übersätes Sofa im Popdesign der sechziger und frühen siebziger Jahre.

Enkel im Geiste
Apropos Musik: Hier wird sehr geschmackvoll die Rock'n'Roll-Klanganmutung dieser Zeit herausgearbeitet. Velvet Underground und deren Enkel im Geiste wie The Jesus And Mary Chain oder The Raveonettes spielen eine große Rolle. »Won't Lovers Revolt Now« verbrüdert sogar stonesigen Riff-Rock mit Lou Reed-Gitarrenlärm. Chapeau und Fazit: Emmanuelle ist toll. Gitarre, Bass und Schlagzeug sind absolut akzentfrei.

Ultra Orange & Emmanuelle: »Ultra Orange & Emmanuelle« (Sony BMG)


http://www.youtube.com/watch?v=BT2HtqMyV44