netzeitung.deLeiden auf hohem Niveau

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Das Quartett um "Frannie" (vorne) (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Das Quartett um "Frannie" (vorne)
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Travis bleiben auch mit dem neuen Album «The Boy With No Name» die liebenswürdigen Anti-Rock’n’Roller, meint Sascha Wolterdorf .

Beim zweiten Stück horcht man auf. Wer hat denn da den Beat geklaut? Da bauen Travis, diese liebenswürdigen schottischen Trauerweiden, das zweite Stück ihres neuen Albums «The Boy With No Name» doch tatsächlich auf dem Bass und dem Schlagzeug aus Iggy Pops altem Gassenhauer «Lust For Life» auf. Das kann durchaus als Experiment durchgehen. Denn Lust und Life geht bei dieser Band ein bisschen anders.

Hier gehört das Leiden zum Leben dazu, spätestens wenn bei «Selfish Jean» das Glockenspiel erklingt, die nicht minder glockigen Gitarren einsetzen und Band-Boss Fran Healy seine Klage über jene ich-süchtige Jean erhebt. Dieser will er jetzt nicht mehr garantieren, dass er morgens neben ihr aufwacht. Oder ans Telefon geht, wenn sie anruft. Hui, das war ja fast Rock’n’Roll!

Aber Spott ist fehl am Platz. Nicht, weil Bühnentiere wie Iggy auch leiden konnten - na ja, wie ein Tier eben - sondern weil Travis-Sänger Fran Healy das exakte Gegenteil von Rock’n’Roll ist. «Frannie», wie ihn seine Band-Kumpels nennen, ist stets der nette Verlierer-Typ. Aber das bringt Sympathien – und zwar viele. Angeblich steht in jedem achten britischen Haushalt ein Travis-Album.

Melodien, die dem Gedächtnisschwund trotzen'The Boy With No Name'Foto: PR
Das neue «The Boy With No Name» dürfte ebenfalls genügend Freunde finden, denn es bietet wie seine Vorgänger die besondere Qualität von Travis: Melancholien, die einen freundlich in den Arm nehmen und Melodien, die jedem Gedächtnisschwund trotzen. Wer es nicht glaubt, kann ja versuchsweise etwas Älteres anspielen.

«Sing» vom Album «The Invisible Band» zum Beispiel. Oder «Why Does It Always Rain On Me» von «The Man Who». Beide Songs hat man schon nach den ersten Sekunden wieder im Ohr, und beide Alben klangen übrigens schon damals wie das neue. Wie gesagt, Experimente sind nicht Travis' Sache.

Travis: «The Boy With No Name» (Sony BMG)