netzeitung.dePop beim Barte des Propheten

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Yusuf Islam: 'An Other Cup' (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Yusuf Islam: 'An Other Cup'
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Yusuf Islam klingt wie Cat Stevens und singt trotzdem von Politik. Als er eine Gitarre in die Hand nahm, seien Schleusentore in ihm aufgegangen, sagt der Sänger.

Von Sascha Woltersdorf

In Bagdad explodieren islamistische Bomben, der freiheitliche Westen verwandelt mit so genannten «Smart Bombs» Hochzeitsfeiern in Blutbäder. Gebe es sie nicht, diese an verschiedensten Orten der Welt so beängstigend gut laufenden Filialen der Vorhölle, wäre das popmusikalische Combeback des Jahres vielleicht gar keins. Vor Yusuf Islam hat selbst der CIA Angst. Jedenfalls wurde dem früher als Cat Stevens bekannten Künstler im September 2004 die Einreise in die USA verweigert, weil er – zu diesem Zeitpunkt zumindest – auf einer Liste stand, die Personen mit vermuteten Verbindungen zu Terroristen aufführt.

Ist aus Cat Stevens, dem Sänger so streichelzarter wie ehrfurchtsvoller Liebesballaden («Lady D'Arbanville») ein Freund von Hasspredigern und Mördern geworden? So hört sich das natürlich nicht an auf «An Other Cup», dem seit 28 Jahren ersten Album des vor 59 Jahren als Sohn eines Griechen und einer Schwedin geborenen, griechisch-orthodox erzogenen und katholisch schulgebildeten Steven Georgiou. Er liebe es, den Kindern beim Spielen im Regen zuzusehen, wenn sie in Gummistiefeln rumspringen und das Wasser spritzt, singt Yusuf in «Midday (Avoid City After Dark)», dem ersten Stück der Platte. Alles nur ein Missverständnis?

Auch Höllenhunde lieben ihre Brut, dürften seine Kritiker einwenden. Der vor knapp dreißig Jahren nahezu zeitgleich mit seinem letzten Pop-Album zum Islam konvertierte Kuschelbarde ist längst zu einer politischen Figur geworden. Er soll die Hamas unterstützt haben, Saddam Hussein seinen «moslemischen Freund» genannt und Khomeinis Aufruf zum Mord an Salman Rushdie unterschrieben haben. Falschmeldungen, sagt er selbst. Die britischen Zeitungen «Sun» und «Sunday Times» verklagte er erfolgreich auf Schadenersatz. Die Blätter hatten ihm unterstellt, er sei in terroristische Aktivitäten verwickelt. Auch musikalisch erklärt sich der Liedermacher und zwar mit einem alten Stück von Eric Burdon: «Don't Let Me Be Misunderstood.»

Lässt man die Politik außen vor, bekommt man mit «An Other Cup» mehr als nur ein solides, aus den klassischen Zutaten von Folk, Blues und Jazz erschaffenes Album. Es ist an den richtigen Stellen zurückhaltend, ja sparsam produziert und öffnet ebenfalls an den richtigen Stellen die ganz großen Türen. Hier wurde das Gefühl eingefangen, dass Islam seinen eigenen Worten zufolge hatte, als er nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder eine Gitarre in den Händen hielt: «Es fühlte sich an, als ob in mir überdimensionale Schleusentore aufgehen.»
Memories of Klammerblues
Sehr schön – für einen Blick zurück. Aber ein Van Morrison macht ja auch nichts anderes. Selbst manche Spätergeborenen, Norah Jones zum Beispiel, klingen so. Und es ist natürlich diese Stimme, die schon in Cat Stevens jungen Jahren so reizvoll brüchig und zugleich stabil wirkte. Das schafft Vertrauen und führt jeden, der früher als 1973 auf die Welt gekommen ist, wieder zurück in die Zeiten, in denen sein «Morning Has Broken» unvermeidlich und sofort den gefürchteten Klammerblues auslöste. Was hat diese Musik doch so wundervoll zu kokelnden Räucherstäbchen gepasst. Echt dufte.

Wer will, kann sogar schon in die alten Cat-Stevens-Songs orientalisch verspielte Melodien hineinhören. «An Other Cup» schwelgt da noch mehr, manchmal über die Grenzen des Erträglichen hinaus, wenn sich Yusuf The Cat in Sufi-Versen verliert oder in ölgesalbten Zeilen über Schmetterlinge, Frieden und die Wahrheit aalt. Ja, ja, die Wahrheit kommt am Ende doch immer heraus. Und dann wartet das Oben oder das Unten, sprich Himmel oder Hölle. «You can't bargain with the truth», egal ob man «rich» oder «poor» sei.

Wenn man dem Erleuchteten so lauscht, erscheint eine seltsame Welt, in der Reichtum auch nichts anderes ist als Armut – bloß eben mit weniger Geld. Voller goldener Sandhügel und grüner Felder ist dieses gottgefällige Utopistan. Grenzen spielen natürlich ebensowenig eine Rolle wie irgendein Ärger oder betonierte Standpunkte, die zu eben jenem Ärger führen. Oder zu weit Schlimmerem. Ach wäre die Welt nur so, wie Yusuf Islam sie besingt. Allein mir fehlt der Glaube, dass es in Yusufs Welt Dinge geben darf, die Allahs neuem Popstar nicht gefallen. Kurz: Es klingt nach Cat Stevens, aber «An Other Cup» ist nicht das Pop-Comeback eines früher sehr bekannten Folk-Sängers. Es ist Politik. Die Zeiten sind halt so.

Yusuf Islam: «An Other Cup» (Polydor / Universal)