Die Sterne: Pop und Zweifel
20.03.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die Piano-Akkorde hüpfen wie Kinder beim Gummitwist, der Beat marschiert eins-zwo-drei-vier, der Bass umtanzt das Piano, ein wenig ungelenk zwar, aber gut gelaunt. Die ersten Sekunden des neuen Sterne-Albums klingen wie das Versprechen einer großen Zeit, der erste laue Frühlingsabend, der Sommer kommt bestimmt.
«Es hat alles sein Gutes» heißt das Titelstück. Aber: «Ich will mehr, es könnte noch mehr knallen», ergänzt Spilker den Titel im Refrain. «Räuber und Gedärm» nebenbei bemerkt ein ziemlich blöder Titel ist die Zerrissenheit in Vollendung: Ein Einerseits-Andererseits-Album, ein Tour-Tagebuch von irgendwo unterwegs auf halber Strecke. Und diese goldene Mitte ist ein großer, stinkender Haufen Mist. Oder vielleicht doch nicht? «Aber Andererseits», klärt uns das zweite Stück auf: «Man ist nie wirklich sauber und kein Zustand ist perfekt.»
Musikalisch bewegt sich «Räuber und Gedärm» übrigens im weiten Sterne-Weltall aus funky Schrammel-Rock mit Sprenkeln aus Dub und Kraut. Die passende Verortung liefert die ansonsten wenig gehaltlose Angabe, wo die Sterne vor den Aufnahmen geprobt haben: In Fresenhagen, auf dem ehemaligen Landsitz von Ton Steine Scherben, irgendwo auf halber Strecke zwischen Flensburg und der Nordsee.
Die Sterne: Räuber und Gedärm
(V2/Rough Trade)

