Schampus mit Lachs: Franz Ferdinands Zweite
04.10.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Böse Zungen hatten Franz Ferdinand ja schon immer «die Strokes vom letzten Jahr» genannt. Nun kommt mit dem neuen Album die Stunde der Wahrheit. Gehen die vier netten Kunsthochschul-Dandys den Weg, den die fünf New Yorker Rotznasen-Cleverles mit «Room On Fire» gegangen sind? Viele waren enttäuscht von deren zweitem Album, obwohl es nicht wirklich schlechter war als «Is this It». Und Franz Ferdinand wären nicht die erste Band, die sich selbst aus den Erwartungshaltungen sämtlicher Außenstehender einen Strick drehen würde.
Gibt es aber nicht. Statt dessen wird die Karre richtig in den Dreck gefahren, alles klingt rauer, polternder, dröhnender. «Do You Want To» rollt so unaufhaltbar wie eine gute Party nachts um viertel nach zwei. «Evil And A Heaven» scheint direkt in einer Kompressionskammer aufgenommen worden zu sein. Einen wundervollen Kontrast bilden die Balladen, allen voran «Eleanor Put Your Boots On» mit Streichern, Piano und einer Gesangslinie, die auch Ray Davies gefallen hätte. Das ist neu und hält außerdem die Platte wundervoll in der Schwebe. Na also, es kann doch so einfach sein mit dem zweiten Album.
Franz Ferdinand: «You Could Have It So Much Better» (Domino/Rough Trade)

