netzeitung.deSchampus mit Lachs: Franz Ferdinands Zweite

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Franz Ferdinand, das neue Album (Foto: Promo<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Franz Ferdinand, das neue Album
Foto: Promo
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Fast schon eine kleine Sensation: Die britische Rockband Franz Ferdinand schafft mit «You Could Have It So Much Better» ein ebenbürtiges zweites Album.

Von Sascha Woltersdorf

Böse Zungen hatten Franz Ferdinand ja schon immer «die Strokes vom letzten Jahr» genannt. Nun kommt mit dem neuen Album die Stunde der Wahrheit. Gehen die vier netten Kunsthochschul-Dandys den Weg, den die fünf New Yorker Rotznasen-Cleverles mit «Room On Fire» gegangen sind? Viele waren enttäuscht von deren zweitem Album, obwohl es nicht wirklich schlechter war als «Is this It». Und Franz Ferdinand wären nicht die erste Band, die sich selbst aus den Erwartungshaltungen sämtlicher Außenstehender einen Strick drehen würde.

Die Karre in den Dreck...
Klar: Die neue Platte soll selbstverständlich so werden wie das Debüt. Nur besser. Nun ist «You Could Have It So Much Better» da. Die wichtigste Nachricht vorweg: Franz Ferdinand machen da weiter, wo sie mit «Franz Ferdinand» aufgehört haben. Nur anders. Auch diesmal blitzen draufgängerische Stimmungen aus fast jedem Song, was wieder mit der ausgiebigen Verwendung von Disco-Elementen kombiniert mit den aufgekratzten Schrammelakkorden von Nick McCarthy zu tun haben dürfte. Jeden Moment erwartet man, Schampus mit Lachsfisch serviert zu bekommen.

Gibt es aber nicht. Statt dessen wird die Karre richtig in den Dreck gefahren, alles klingt rauer, polternder, dröhnender. «Do You Want To» rollt so unaufhaltbar wie eine gute Party nachts um viertel nach zwei. «Evil And A Heaven» scheint direkt in einer Kompressionskammer aufgenommen worden zu sein. Einen wundervollen Kontrast bilden die Balladen, allen voran «Eleanor Put Your Boots On» mit Streichern, Piano und einer Gesangslinie, die auch Ray Davies gefallen hätte. Das ist neu und hält außerdem die Platte wundervoll in der Schwebe. Na also, es kann doch so einfach sein mit dem zweiten Album.

Franz Ferdinand: «You Could Have It So Much Better» (Domino/Rough Trade)