netzeitung.deRyan Adams: Das Country-Herz

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'Jacksonville City Nights' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe 'Jacksonville City Nights'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nur fünf Monate nach «Cold Roses» schürft Ryan Adams mit «Jacksonville City Nights» nach neuen Americana-Goldadern.

Weshalb es «endlich» wieder so weit sein soll, dass Ryan Adams ein neues Album veröffentlicht, weiß wohl nur der Verfasser des zu «Jacksonville City Nights» mitgeliefertem Infoblatts.

Zur Erinnerung: Vor nicht einmal fünf Monaten gab es mit «Cold Roses» ein Doppelalbum, dass auf wundervolle Weise den magischen Redwood- und Kornfeld-Country eines Neil Young in die Jetztzeit transportierte. Nun also «Jacksonville», der zweite Teil der für dieses Jahr angekündigten Trilogie. Ein Werk steht demnach noch aus. Außerdem soll er Cameron Crowe 18 Songs für seinen Film «Elisabethtown» geschrieben haben. Wie schafft er das eigentlich? Muss man sich Sorgen machen? So ein Tempo kann doch nicht wirklich gesund sein.

Duett mit Norah Jones
Doch zurück zum eigentlichen Gegenstand dieser Zeilen. Die Cardinals – Ryans Band – treten in leicht veränderter Zusammensetzung an. Für Cindy Cashdollar hat Jon Graboff Pedal Steel und Mandoline übernommen. Natürlich heult die Slide-Gitarre den Mond immer noch an, als gebe es keinen Morgen.

Und die Akustik-Gitarre legt gemeinsam mit dem Rumpel-Schlagzeug mal einen brüchigen Lehmboden, mal hört man im Dreiviertel-Takt die Holzdielen knarzen. Kurz: «Jacksonville» – übrigens Ryan Adams Heimatstadt – geht noch tiefer ins Herz des Country als sein Vorgänger «Cold Roses». Mit Norah Jones, der achtfachen Grammy-Gewinnerin, singt Ryan Adams «Dear John», ein Duett, in dem sich beide umschleichen wie schlaftrunkene Katzen. Aber das dürfte Futter für die Charts sein. Zu den wirklich berührenden Momenten gehört «Dear John» nicht.

Liebe ist Hölle
Wer allerdings glaubt, bei «Jacksonville» ungeschoren davon zu kommen, gerät ab der zweiten Hälfte in echte Lebensgefahr. Liebe ist immer noch Hölle, und Stücke wie «Silver Bullets», «Don't Fail Me Now» oder das wohl ursprünglich als Titelstück vorgesehene «September» sind nichts für schwache Herzen. Niemand beherrscht dieses Schweben über dem Abgrund besser als Ryan Adams. Da kann man nur hoffen, dass er durchhält. Für Dezember ist jedenfalls das nächste Album angekündigt. Es soll den Titel «29» tragen und nur Stücke enthalten, die eine Länge von neun Minuten haben. Man darf gespannt sein.

Ryan Adams, «Jacksonville City Nights» (Universal)