netzeitung.deRyan Adams im Goldrausch

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Das Cover von 'Cold Roses' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Das Cover von 'Cold Roses'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit «Cold Roses» hat Ryan Adams im Fundus der Rockgeschichte ein bisschen tiefer gegraben - und sein bisher bestes Werk geschaffen.

Prima dran ist, wer im Zeitalter des Zitat-Pop über eine gut sortierte Plattensammlung verfügt. Im Fall von Ryan Adams wird das Graben nach Gold sogar noch in einem wesentlich größeren Stil betrieben.

Fast könnte man angesichts bisheriger Veröffentlichungen meinen, der gute Ryan schiebe regelmäßig einen ganzen Einkaufswagen durch diverse Gemischtwarenabteilungen der Rock-Geschichte: Hier ein Tütchen Springsteen, dort ein Päckchen Byrds und für hinterher zum Nachspülen eine Dose New York Dolls.

Für «Cold Roses» ist es dann wohl die Familienpackung Neil Young gewesen – eine goldrichtige Wahl. Die meisten der 19 Stücke dieses prächtigen Doppelalbums sind wundervoll countryfiziert. Und zwar nicht auf die knackig-straffe Nashville-Art, sondern sehr viel mehr auf die psychedelische Weise von Youngs Wald-, Feld- und Scheunen-Country zu «Harvest»-Zeiten. Einen großen Anteil daran dürfte Adams Backing-Band The Cardinals haben. Pickings und Slide-Gitarren von J.P. Bowersock und Cindy Cashdollar geben dem ohnehin schon sehr flüssigen Songwriting noch mehr Boden und öffnen sogar noch das ein oder andere Türchen nach oben, zum Beispiel wenn die Lap Steel gedankenversunken Traumschlieren zieht und vergangenen Zeiten nachweint.

Und Adams selbst dürfte die eventuell nach seinem Trotz-Album «Rock'n'Roll» – Wir erinnern uns: Die Plattenfirma soll das kurz zuvor eingespielte «Love Is Hell» als zu depressiv abgelehnt haben – aufgekommenen Zweifeln an seiner Integrität ausgeräumt haben. Er ist und bleibt der ewig Herzgebrochene und trotzdem Überlebende. Und «Cold Roses» ist das Album, auf dem ihm das bisher am besten gelungen ist.