netzeitung.deAdam Green: Blumenwiese im Schnelldurchlauf

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Adam Green 'Gemstones' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Adam Green 'Gemstones'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit «Gemstones» hat Adam Green sein drittes Album herausgebracht - und ist noch immer für Überraschungen gut.

Kann man Popmusik messen in Länge mal Breite oder in anderen Verhältnissen, Mengen oder Ladungszuständen? «Gemstones» von Adam Green hat folgende Maße: Fünfzehn Songs in einunddreißig Minuten und sechsundvierzig Sekunden. Das macht kaum mehr als zwei Minuten pro Stück. Ergebnis: Wegen der Kürze müsste das eigentlich Punkrock sein. Ist es natürlich nicht. Allerdings steckt ein ordentliches Stück Punkrock-Attitüde im dritten Album des dackeläugigen Songschreibers, das ein – wie beinahe naturgesetzmäßig zu erwarten war – gutes geworden ist.

Adam Green probiert aus, wagt ein bisschen und schlägt erstaunliche Haken beim Songwriting. Das Überraschungsmoment ist das Tolle an Adam Greens neuem Album. Zum einen schwirrlen nun die Orgeln und perlen die Pianos statt der Streicher wie noch auf dem Vorgängeralbum «Friends Of Mine». Aber vor allem wechseln die kurzen Songs ihre Stile und Tempi schneller als der Suchlauf die Sender im Autoradio. Ein angestochener Orgel-Boogie-Woogie springt in einen Chanson à la Jacques Brel, der sich in einen doorsigen Freakout verwandelt. Dafür braucht Green gerade mal 1:44 Minuten und einen Song: «Over The Sunrise».

Kurz gesagt: Man bekommt eine Folk-Pop-Rock-Wundertüte. Und das wirkt angesichts der zur Zeit mal wieder sehr vorhersehbaren Rockmusik so wundervoll erfrischend, als ob man in einem muffigen Keller die Tür aufmacht und plötzlich auf einer grünen Wiese voll weißer Margeriten steht.

Adam Green, «Gemstones» (Sanctuary/ Rough Trade)