Die Fantastischen Vier: «Viel»
29.09.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Wie umgehen mit dem laut Plattenfirma «schwierigen Thema HipHop»? Eine Angelegenheit, die die Fantastischen Vier seit ihrem ersten Album vor 14 Jahren begleitet. Und diesmal machen es die Fantastischen Vier so: Sie spannen ein kleines Hörspiel vor den ersten Track des neuen Albums «Viel». Michi, Smudo, Thomas und Andy wollen in die Disco, werden aber erst nach viel Bitte-Bitte-Machen vom Türsteher reingelassen und dann ausgerechnet von Sabrina Setlur gedisst. O-Ton: «Macht euch weg mit eurem Stuttgart-Dreck.»
Kurz: Ausgangsmaterialien, die mitunter weiter voneinander entfernt sind als Berlin-Mitte und Kornwestheim. Das befindet sich übrigens zwischen Stuttgart und Ludwigsburg und war der Abmischort des neuen Albums.
Der Hampel-HipHop von «Die da», die Jenny-Elvers-Geschichten oder Thomas Wohnmobil-Existenz zu «Rückenwind»-Zeiten kein Klischee wird ausgelassen. Was soll man da noch sagen, wenn die Vier das schon selbst übernehmen? «Viel» macht Spaß und schwimmt in bestem Sinne mitten drin im Mainstream. Manchmal sogar ein bisschen vorneweg, zum Beispiel wenn Battle-Raps zu Mäusestimmchen («Pipis und Popos») hochgegepitcht werden. Sehr schön.
Weniger schön sind die Momente, in denen sich die Vier zum oft kritisierten «Mittelstands-Rap» runterseichten. Die «Tränen im Rinnsal des Lebens» werden beispielsweise beim Balladenversuch «Sommerregen» gezählt. Dann doch lieber Zeilen a là «bevor wir gehen, gehen wir lieber ab».
Die Fantastischen Vier: «Viel» (Four Music / Sony)

