19.07.2004
Herausgeber: netzeitung.de
The Hives '
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Geschmack beweisen die Hives nicht nur bei der Krawatten-Wahl. Auch die Gittarrenriffs und Gesangslinien haben Stil: Rock'n'Roll trifft New Wave. Das neue Album heißt «Tyrannosaurus Hives».
Auch in schmalen 60er-Jahre-Anzügen kann man rocken bis die Jackettnähte krachen, wie The Hives mit ihrem Album «Tyrannosaurus Hives» eindrucksvoll beweisen. Den fünf Schweden ist kein Vatermörderkragen zu steif, um nicht doch Gitarrenriffs zu spielen, die scharf sind wie Rasiermesser. Und damit hat das dritte Album der Hives gute Chancen, das unverschämteste Stück Rockmusik dieses Jahres zu werden.
Die Band aus der schwedischen Industriestadt Fagersta, die seit Teenager-Tagen zusammenspielt, verschmilzt auf dem neuen Album Spaß, Show und Entertainment mit Garagenrock zu einem mustergültigen Block. Und das machen sie ziemlich clever: Die Hives verbauen musikalische Konzepte aus den späten 60ern und frühen 80ern. Zwei eigentlich nicht miteinander vereinbare Pop-Epochen. Den Schweden gelingt es trotzdem. Man habe einen «Maschinensound» entwickeln wollen, den in den 80er Jahren New-Wave-Bands wie Devo hatten. Dann sei aber alles «so Rock'n'Roll» geworden, erzählt die Band gern in Interviews.
«Maschinensound», dass kann man ja noch durchgehen lassen, wenn damit die eher kühle und kantige Spielweise vieler Songs gemeint sein soll. Aber die Klassifizierung als «irgendwie so Rock'n'Roll» ist glattes Understatement. Die zwölf Songs auf «Tyrannosaurus Hives» sind fast ausnahmslos Hochtempo-Nummern und halten trotzdem diese perfekte Balance zwischen ausgetüfteltem Songwriting und rohem Krach von je her eine der Grundtugenden des Rock'n'Roll. Kurzum: «Tyrannosaurus Hives» zeigt, dass die Welle der «The»-Bands noch lange nicht verebbt ist.
The Hives, «Tyrannosaurus Hives» (Universal)