28.06.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
RnB-Star Brandy lässt es auf ihrem neuen Album «Afrodisiac» ungewöhnlich rau angehen.
Was macht Brandy, wenn sie zu Hause sitzt an einem kalten Tag, einem «Cold Day»? Sie hört Coldplay. Kein Witz, sondern Tatsache, wenn man «I Tried», dem fünften Track ihres neuen Albums «Afrodisiac» glauben darf. Und das will die R'n'B-Sängerin sogar verstanden wissen als «Hommage an diese britische Band, die ich sehr verehre». Dann also Cold Day und Coldplay so treuherzig schlicht reimt sich die 25-jährige noch den ein oder anderen Track zusammen.
Trotzdem ist «Afrodisiac» keine belanglose Aufschüttung von Massenware. Und das liegt gerade an Stücken wie «I Tried», denn hier öffnet sich Brandy für Einflüsse, die das übliche R'n'B-Geschaukel auf ein anderes Niveau heben. Eine erfreuliche Niveau-Regulierung, für die die Produktion Wizard Timbaland (Missy Elliot, Snoop Dogg) die richtigen Stellschrauben gedreht hat: Da wird schon mal geruckelt im Beat, die Gitarren kratzen, das Schlagzeug rumpelt, und die Samples fließen nicht immer ganz so weich ins Ohr, sondern haben Ecken und Kanten.
Ein reizvoller Kontrast zu Brandys Stimme, die in bewährter R'n'B-Manier Harmonie-Lage über Harmonie-Lage schichtet. Aber auch hier geht Brandy mit mehr Druck und Schneid zur Sache, als man es von ihren millionenfach verkauften Alben wie «Never Say Never» und «Full Moon» gewohnt war. Sehr schön, denn die üblicherweise dauerversiegelten und glatt polierten Oberflächen des R'n'B können ein wenig Roughness ganz gut vertragen.
Brandy, »Afrodisiac« (Atlantic/ Warner)