netzeitung.deDie Sterne entdecken das «wir»

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Die Sterne 'Das Weltall ist zu weit' (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Sterne 'Das Weltall ist zu weit'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Für ihr neues Album «Das Weltall ist zu weit» hat die Hamburger Band Die Sterne den Protestsong wieder ausgegraben.

Der politische Song, der Protestsong gar, war das nicht ein totes Genre? Eine nach Moralmuff riechende Leiche des Musikbusiness? Nun kommt mit «Das Weltall ist zu weit» von der Hamburger Band Die Sterne ein Album, dass etwas sagt zum Stand der Dinge in der Republik, dass Stellung bezieht – und zwar nicht zu knapp.

Aber damit ist man mittendrin im Problem. Schließlich hat der Protestsong seinen schlechten Ruf nicht von ungefähr: uncool, oberlehrerhaft, nervig. So tumb waren die Sterne, die Serien-Meister des Hamburger Schlaumeier-Pop, allerdings nie. Und das hat sich auch mit dem neuen Album nicht geändert. Aber die Band, die Anfang der neunziger Jahre als die neuen Ton Steine Scherben gehandelt wurde, hat eben das «wir» neu entdeckt. Der CD-Spieler läuft noch keine 15 Sekunden, da greift Frank Spilker schon in der allerersten Gesangszeile zur Gemeinschaftsformel: «Wir werden leider das Gefühl nicht los, dass irgendwas nicht stimmt.»

«Wir» auf der einen Seite, «die» auf der anderen – wie ein dicker roter Strich zieht sich diese Dichotomie durchs Album. Nur haben sich die Vorzeichen geändert. Hieß es vor zwölf Jahren noch «fickt das System», ist es heute umgedreht: «Wir werden betrogen und zwar mit System.» Das ist der «Standpunkt» - so der Titel des Stückes – der Sterne. So sei eben das Lebensgefühl einer Generation, die in der Schlage steht und nicht dran kommt, sagt Spilker. Keine neue Erkenntnis, musste aber wohl auch in der Popmusik mal gesagt werden. Und die Musik? Auf «Das Weltall ist zu weit» sind die Sterne rockig, funkig und eingängig wie lange nicht. Und das macht ja auch seit jeher einen guten Protestsong aus.

Die Sterne: »Das Weltall ist zu weit«