CD-Tipp: «Lungs» von Florence and The Machine: 

netzeitung.deHype, Hysterie und ein echter Hit

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Florence and The Machine (Foto: Promo<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Florence and The Machine
Foto: Promo
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Hilfe, die Achtziger recken ihr scheußliches Haupt! Die Briten feiern Little Boots und La Roux als Fräuleinwunder des Pop ab. Die Dritte im Bunde, Florence Welch, huldigt auf ihrem Debüt gar Kate Bush.

Ja, ist niemals Ruhe? Kaum ist der Hype um die jungen Neo-Soul-Protagonistinnen von Duffy bis Adele einigermaßen abgeklungen, schwappt aus Großbritannien schon der nächste Trend herüber. Little Boots und La Roux heißen die beiden jungen Songschreiberinnen, die derzeit in der britischen, aber auch in der deutschen Musikpresse als die wohl heißesten Newcomerinnen des Jahres 2009 gehandelt werden.

Beide Frauen sind hörbar inspiriert von Achtziger-Synthiepop, beide bedienten via MySpace, Twitter und Youtube virtuos eine wachsende Fan- und Kritikergemeinde, schon lange bevor ihre Debütalben (Little Boots' «Hands» und La Rouxs «La Roux») überhaupt erhältlich waren. Und weil aller guten Dinge drei sind, vervollständigt die Combo der Nachwuchsstars noch die Londonerin Florence Welch, die unter dem Namen Florence and The Machine nun als letzte im Bunde ihr Debüt «Lungs» vorlegt.

Wenn eine Liste zur Last wird
Anders als Little Boots alias Victoria Hesketh und La Roux (die eigentlich Elly Jackson heißt) versteht sich die Tochter einer britischen Hippie-Familie ausdrücklich als Teamplayerin. Mit wechselnden Musikern machte sie sich besondes live einen Namen, ehe sie, Anfang 2009, auch offiziell in den Status eines Geheimtipps gehoben wurde. Die britische BBC, die alljährlich im Januar eine Liste mit den kommenden «Sounds of the Year» veröffentlicht, platzierte Welch auf Platz drei - hinter Gewinnerin Little Boots, aber noch vor La Roux, die «nur» Fünfte wurde. Im Internet kursierte derweil die erste von drei Florence and The Machine-Singles, «Kiss with a fist», ein erfrischend unbekümmertes Stück Punkrock.

Seitdem hat Florence Welch, die sich im Booklet von «Lungs» wahlweise als Wasserleiche, hysterische Hexe oder rothaarige Schönheit im Stile der präraffaelitischen Maler inszeniert, immer wieder ihren Musikstil gewechselt. «Dog Days are Over» ist eher poppig, während «Rabbit Heart» mit aufgetürmten Bombastfolk, Harfenklängen und juchzenden Kate-Bush-ähnlichen Stimmkieksern daherkommt.
Die lachende Dritte
Ähnlich bunt, betont vielseitig und letztlich mächtig anstrengend ist auch der Rest des Albums geraten. Florence and The Machine müssen aufpassen, dass sie bei soviel ostentativ vorgezeigter Exzentrik beim Dreikampf der Pop-Prinzessinnen nicht allzu sehr ins Hintertreffen geraten.

Anzeichen dafür gibt es bereits: Während Florence Welch sich kürzlich betont provokativ mit Konkurrentin Victoria Hesketh küssend ablichten ließ, hat La Roux - mit knallrotem, grafisch geschnittenen Kurzhaarschnitt und dem knallig-futuristischen Video zur tatsächlich gelungenen Single «Bulletproof» - ihre beiden Konkurrentinnen zumindestens in den Charts kurzfristig überholt. Aber keine Sorge: Das Jahr 2009 ist noch lang und abgerechnet wird erst am Schluss.(nz)