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CD-Tipp - Antony and the Johnsons: 

Von der Raupe zum Schmetterling

14. Okt 2008 13:38
Antony Hegarty
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Der Übergang vom Leben zum Tod - mit diesem Thema beschäftigen sich Antony and the Johnsons auf ihrer neuen EP. Nicht nur inhaltlich geht es um Wandel. Auf «Another World» entfaltet sich auch Antony Hegartys Singer/Songwriter-Talent zu ganzer Schönheit, findet Julia Wilczok.

Was kann es für ein scheues Wesen schlimmeres geben, als von einer hippen Musikzeitung zum «coolsten Menschen des Planeten» gewählt zu werden? Genau das erlebte der Folk-Musiker Antony Hegarty im Jahr 2005 mit der britischen Musik-Bibel «NME». Dabei passte Hegarty oberflächlich betrachtet so gar nicht in dieses Business - dicklich und verhuscht wie er war. Und dann war da noch die Sache mit der Sexualität. Wie sollte man ihn einordnen? Ein Zwitterwesen, das auch äußerlich zwischen den Geschlechtern steht und gerne mal rumläuft wie ein biederes Nerd-Mädchen?

Die Musikpresse versuchte es erstmal mit «Queer Pop» und rief wenig später ein in Vergessenheit geratenes Genre aus den Sixties aus, zu dem neben Hegarty Künstler wie Joanna Newsom oder Devendra Banhart gezählt wurden: Freak Folk. Der chronisch verschnupft klingende Hegarty veröffentlichte zwei überaus erfolgreiche Platten. Damit die Fans nicht so lange auf Album Nummer drei warten müssen, legte er nun die EP «Another World» vor.

Die Grenze zwischen Leben und Tod überwinden

In den fünf Songs beschäftigt Hegarty sich mit dem Übergang zwischen Leben zum Tod. Im namensgebenden Titelstück, der epischen Ballade «Another World», singt er: «I need another place. Will there be peace? I need another world. This one’s nearly gone», um anschließend wehleidig wimmernd aufzuzählen, was er an dieser Welt alles vermissen wird. Die Bienen zum Beispiel, die Bäume oder das Meer. Brrr, Gänsehaut - denn Hegarty singt nicht nur intensiv wie eh und je, auch die Texte sind zum Weinen schön.

Kazuo Ohno auf dem EP-Cover
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Für das EP-Cover hat Pierre-Olivier Deschamps übrigens die japanische Butoh-Legende Kazuo Ohno fotografiert. Wie passend, wird die japanische Ausdrucksform doch mit «Tanz der Finsternis» übersetzt. Durch den Tanz wird die Grenze zwischen Leben und Tod überwunden, können die Tänzer angeblich Kontakt mit den Verstorbenen aufnehmen. Eine Übung, der sich auch Hegarty in seinen Songs versucht. In «Sing For Me» beispielsweise hebt er seine tote Mutter noch einmal aus dem Grab.

Deutlich positiver als seine Texte verläuft die Karriere des in England geborenen Amerikaners. Nach Kollaboration mit Künstlern wie Lou Reed, Leonhard Cohen, Rufus Wainwright und jüngst mit Björk sowie der Zusammenarbeit mit dem Dance-Kollektiv Hercules and Love Affair ist Hegarty längst kein Insidertipp mehr. Da wundert es kaum, dass er unlängst erneut in einem Ranking auftauchte: Das amerikanische Magazin «Out» wählte ihn zu einem von Hundert homosexuellen Männern und Frauen, die 2007 «rockten». (nz)

Antony and the Johnsons - «Another World»:



Björk & Antony Hegarty - «The Dull Flame Of Desire:

 
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