15.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Robin McKelle swingt wie einst Ella Fitzgerald
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wieder eine Frau, die swingt. Wieder die gleichen Standards. Doch Robin McKelle hat durchaus etwas, was sie von zahlreichen anderen Jazz-Sängerinnen unterscheidet. Jens Teschke hat sich ihre Debüt-CD angehört. Mit Video .
Klar, fürs Label ist Robin McKelle «die Swing-Sensation des Jahres». Das ist ein bisschen übertrieben, denn Robin McKelle macht jetzt nichts wesentlich anders als viele Sängerinnen der letzten Jahre auch. Ob Diana Krall, Madeleine Peyroux, Melody Gardot alle sind attraktive, relativ junge Frauen, die jazzen und swingen und so manchen schönen, jahrzehntealten Song wieder entdecken. «Modern Antique» als Debüt-Album der rothaarigen Sängerin mit Wahlheimat Frankreich und rassig-rauchiger Stimme hat dennoch einen ganz besonderen Reiz.
Als Kind der 80er überrascht schon der Album-Opener. Es ist «Abracadabra» der Steve Miller Band in einem genialen Swing-Arrangement: harte Bläsersätze, Bassfiguren und Pianoläufe. McKelle überrascht, macht klar, dass sie heute und gestern congenial verbinden kann. Die Debütantin packt den Zuhörer («I wanna reach out and grab 'ya»), scattet sich Ella-Fitzgerald-gleich durch die Hexenmelodie.
Scatten wie EllaRobin McKelles Debüt überzeugt vor allem durch die sie sehr unterstützenden und den Hörer überraschende Arrangements. «Comes Love» klingt bei Peter Cincotti verwunschen, sehnsüchtig, bei McKelle ist es ein kubanisch-verführerischer Cha-Cha-Cha, der den Ton entsprechender Songs aus den 50er-Jahren perfekt trifft. Ihre Version macht Lust und Laune, mit ihr über ein Hochglanz-Parkett zu wirbeln. So hat man den Standard auf jeden Fall noch nie gehört.
Stimmlich liegt McKelle nahe bei Ella Fitzgerald mit einem Schuss Sarah Vaughn. Ihre Videos zeigen, dass da jemand noch nicht für die ganz großen Showbühnen singt, sondern für kleine Clubs da wo für den Zuhörer der Funke auch überspringt. So wie Michael Bublé einst auch ein Barsänger war, könnte McKelle schnell auch zum Swing-Star für große Hallen werden. Diese Entwicklung ist traurig und schön zugleich. Traurig, weil eben die Sänger viel «echter» im kleinen Club sind, schön, weil natürlich Swing durchaus auch Musik für die große, die Big Band ist. Songs wie etwa «Lullaby of Birdland» funktionieren auf beiden Ebenen. Auch hier erinnert dieses leicht Rauchige in Robin McKelles Stimme an Ella Fitzgerald.
Nach diesem fulminanten Debüt, beendet auf der CD von der Eigenkomposition «Remember», wo McKelle dann plötzlich sehr pop-balladig klingt, freut man sich über eine neue Stimme am in den letzten Jahren ja nie dunklen Swing-Himmel. Sie hat da sehr schöne Swing-Nummern zusammengesammelt und auf Hochglanz poliert, wie man das mit wertvollen Antiquitäten ja auch machen sollte. «Modern Antique» ist ein Debüt, das den dringenden Wunsch nach einem schnellen Nachfolger-Album weckt.
Video zu «Abracadabra»: