08.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Immer wieder für einen neuen Style zu haben: Mia
Foto: Promo/H. Flug
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Fünf Freunde und die Mini-Rakete: Mit ihrem neuen Album «Willkommen im Club» fliegen Mia zu ihren musikalischen Wurzeln zurück. Sie lassen es krachen. Und das ist auch gut so, findet Maike Schultz . Mit Video
Wer noch Mias letztes Album «Zirkus» im Ohr hat, denkt bei «Willkommen im Club» erstmal, die Berliner Band würde da weitermachen, wo sie aufgehört hat. Denn die ersten Synthesizer-Takte des Eröffnungssongs klingen wie ein fettes «Manege frei»-Konzert nur ohne gekünstelt-orchestralen «Hereinspaziert»-Schnickschnack.
«Kapitän» ist ein großartiges Konglomerat von Eletrogebritzel, fetzigen Rockgitarren und Pop-Orgel. Mias letzter Hit «Tanz der Moleküle» hätte perfekt zu diesem Sound gepasst. Die stattdessen folgende neue Single «Mein Freund» kann da leider nicht mithalten. Auch wenn das Quintett einen hübschen Tango-Break wagt: Leider nervt der eine Spur zu eindringlich gesungene Sinnlos-Text («Mein Freund, komm her und tanz mit mir, hin und wieder mal»).
Ab auf die TanzflächeImmerhin bringt die Aufforderung auf den Punkt, worum es der Band bei ihrer neuen und vierten Platte ging. Nämlich Songs zu schreiben, die tanzbar sind und sei es Engtanz, wie bei der wunderbaren Schluss-Ballade «Die Aussicht». Der Albumtitel «Willkommen im Club» ist tatsächlich mehr als eine Phrase. Wer den Intros von «Mausen», «Du», «Deinetwegen» oder «Verfolger» lauscht, fühlt sich zumindest kurz auf eine rauschende Party versetzt.
«Back to the Roots» also: 1997 starteten die fünf Freunde als Underground-Elektropunk-Gruppe. Ihr Debütalbum «Hieb- und Stichfest» transportierte den Sound der Neuen Deutschen Welle in die Gegenwart. Dort angekommen, wandelte sich der freche Tonfall aber schnell in Beziehungs-Allerlei in weißen, sterilen Räumen. «'Willkommen im Club' hat die harsche Geradlinigkeit von 'Hieb und Stichfest' gegen krumme Komplexität getauscht», schreiben Mia über ihr neues Werk, das den Spagat zwischen Elektrobeats und Mainstream-Pop schafft.
Experimentierfreude im Taka Tuka LandFür die Band waren Studio und Bühne schon immer eine einzige, große Spielwiese, auf der sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen konnten. Was dabei entsteht, ist manchmal schräg (man denke nur an Miezes bunte «Liebe und Frieden, Freunde»-Anwandlungen oder die «Zirkus»- Drehorgel) und oft schlicht genial: So wie im Song «Halt Still», der eine sich stetig wiederholende Gesangslinie «Tuke tuke tak» von einem der Jungs enthält.
Miezes Gesang hat sich inzwischen zum unersetzlichen Alleinstellungsmerkmal entwickelt. Textlich darf man von Mia einfach nicht mehr allzu viel erwarten. Seit sie sich 2003 durch ihre Single «Was es ist» mit Nationalismusvorwürfen auseinandersetzen mussten, weil sie allzu spielerisch mit den Farben schwarz-rot-gold umgegangen waren, ist die Band immer unpolitischer geworden.
Seltsame MetaphernDas spiegelt sich in den neuen Zeilen, die zwischen Schlagerniveau («Du Du erlaubst es, Du Du brauchst mich») und Selbstzitaten («Mein Mund sagt auf Wiedersehen») schwanken, aber auch in den Interviews und PR-Texten zu «Willkommen im Club» wider. Mia wollten ein Album machen, das sich rund um die Themen Freundschaft und Reisen dreht.
So entstand auch die eigens von einem Künstler-Team gestaltete Rakete für das Album-Cover. «Friend-Ship» nennt die Band das mit einem roten Tuch verhüllte (ein weiterer «Zirkus»-Zaubertrick?) Mini-Raumschiff, das für die Entdeckung neuer und fremder Welten stehen soll. Merkwürdig konstruiert wirkt das. Aber «hin und wieder mal» im Club mit Freunden auf Mia abzutanzen kann auf keinen Fall schaden.
Video: Clip zur Single «Mein Freund»