CD-Tipp: 

netzeitung.deLiebe und Frieden und so

 Herausgeber: netzeitung.de

Nach elf Jahren zurück: Ashcroft (2.v.l.) und The Verve (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nach elf Jahren zurück: Ashcroft (2.v.l.) und The Verve
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

The Verve sind nach elfjähriger Bandpause zurück und behandeln auf «Forth» wie gewöhnlich die ganz großen Fragen. Julia Wilczok freut sich über die Reunion - trotz der Parallelen zu früheren Tagen.

Richards Ashcrofts Prognose über die Zukunft seiner Band hat sich glücklicherweise doch nicht bewahrheitet: Die Beatles kämen eher wieder zusammen als The Verve, ließ der charismatische Sänger einst verlauten. Das Quartett aus Großbritannien hat sich nun jedoch nach elf langen Jahren erneut zusammengerauft - es war übrigens schon die zweite Kreativpause, die Ashcroft und seine Mannen sich in der fast zwanzigjährigen Bandgeschichte gegönnt haben. Das gerade veröffentlichte vierte Album «Forth» besiegelt nun also die jüngste Reunion.

Frontmann Ashcroft war in den vergangenen Jahren äußerst produktiv und hat drei Soloplatten aufgenommen. Um «Forth» nicht zur Ego-Show für den Bandleader mutieren zu lassen, war wie in frühen The Verve-Zeiten Gitarrist Nick McCabes maßgeblich an der Entstehung der zehn neuen Songs beteiligt. Man fühlt sich an das letzte Album vor der Trennung erinnert, «Urban Hymns». Denn Hymnen haben Ashcroft und McCabe auch hier wieder geschaffen. So sind auf «Forth» beinahe nur epische Balladen zu hören und kaum eines der Stücke ist unter fünf Minuten lang.
Trotz überbordendem Pathos irgendwie bezaubernd
Auf jeder The Verve/Richard Ashcroft-Platte gab es mindestens einen kommerziellen Knaller. Was einstmals «Bitter Sweet Symphony» oder «A Song For The Lovers» waren, ist auf «Forth» der Song «Love Is Noise». «Liebe ist Lärm», das ist doch wohl trotz überbordendem Pathos irgendwie bezaubernd. Denn Lieben, Sterben, Gott und der Weltfrieden, das waren immer schon die großen Themen bei Ashcroft, diesem alten Hippie. Damit die Botschaft bei allen ankommt, darf er auch mal etwas dicker auftragen. Sei es mit schwülstigen Texten oder opiumschweren psychedelischen Klangteppichen. Wie einst in «The Drugs Don't Work» finden sich außerdem in dem neuen Song «Valium Skies» Referenzen zum Drogenrock der Hippie-Ära und natürlich Ashcrofts eigener Dorgenvergangenheit.

Apropos Drogen: Interviews geben mag Ashcroft leider kaum noch. Leicht sentimental erinnert man sich da an Zeiten, in denen er «Rolling Stone»-Redakteure zum gemeinsamen Kiffen in sein Landhaus einlud und stundenlang über eine bessere Welt philosophierte. So abgehoben das klingt, scheint Ashcroft doch einer der normalsten im Indierock-Geschäft zu sein (man denke an die großkotzigen Gallagher-Brüder!). Immerhin hat er den einzigen Weg gewählt, der es einem Künstler seines Kalibers erlaubt, im Pop-Zirkus normal zu bleiben - den Rückzug ins Private. Kein Wunder also, dass er im Booklet des neuen Albums allen voran seiner Frau und «unseren wunderbaren Söhnen» dankt. (nz)

The Verve: «Forth» (EMI)