CD-Tipp: 

netzeitung.deDie Attacke der Spiele-Heuler

 Herausgeber: netzeitung.de

Webseite zu Video Games Live Screenshot: nz (Screenshot: nz<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Webseite zu Video Games Live Screenshot: nz
Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Schon länger machen Computerspiele der Filmindustrie Konkurrenz. Mit der CD «Video Games Live» drängen sie nun auch auf den Musikmarkt. Maik Söhler hat sich Songs wie «Warcraft Suite» und «Castlevania Rock» angehört.

Bombast-Chöre und Geigenschmacht, Opern-Sound und Gregorianer-Gemurmel, Weltmusikversatzstücke und jaulende Stimmen - warum nur fällt es einem beim Spielen am Computer oder an der Konsole kaum auf, wie schlecht die Begleitmusik der Spiele oft ist?

Hier aber, auf der CD «Video Games Live», die einige orchestral bearbeitete Soundtracks von Spieleklassikern versammelt, gibt es keine Action, die von der Musik ablenkt; keinen Kampf mit Controller oder Tastatur, der alle Aufmerksamkeit von den Ohren abzieht und zu den Fingern umlenkt; keine Konzentration auf einen Gegner, der einen gerade unter Beschuss nimmt und somit alles außer dem Gefecht in den Hintergrund treten lässt; hier ist nur Musik.

Und was für furchtbare. Die ersten vier Stücke - «Kingdom Hearts», «Warcraft Suite», «Myst Medley» und «Medal of Honour (Live)» verschmelzen beim Hören zu einem einzigen Potpourri aus Opern-Chor-Bombast-Gegröle, mal von ruhigeren Passagen unterbrochen, mal von Fanfaren und Posaunen triumphalistisch gesteigert. Allesamt Musik, die ein Filmregisseur mit klammem Etat nicht mal einem C-Movie zumuten würde.

Civilization und Tetris
Man denkt, es kann nicht schlimmer kommen, doch dann treibt einen das «Civilization IV Medley» auch noch in den Trommel-Trallala-Wahnsinn, beim Hören fängt man plötzlich an, sein einstiges Lieblingsspiel zu hassen.

Zum Glück kommt anschließend das «Tetris Piano Opus No.1», das bis zu diesem Zeitpunkt einzig erträgliche, weil weniger dick aufgetragene Stück. Schade, dass es nach gut einer Minute auch schon wieder vorbei ist und mit «God of War Montage (live)» die Hyperdramatik zurück in die Ohrmuschel drängt. Man stellt sofort leiser.

Ballermann in der Oper
Eine weise Entscheidung, denn so bekommt man vom sechs Minuten anhaltenden Gejaule der «Advent Rising Suite» und auch vom choral-paukigen «Tron Montage» nur das Aufdringlichste mit, was immer noch viel zu viel ist.

Ist bald mal Schluss? Nein, es müssen ja auch noch die «Halo Suite» und der «Castlevania Rock (live)» folgen, wobei die «Halo Suite» mit ihren eingestreuten dreckigen E-Gitarren-Riffs und sonderbaren Scheppergeräuschen halbwegs erträglich sein könnte, wäre da nicht - ja, was? - der Rest. Und über «Castlevania Rock (live) reden wir am besten gar nicht erst.

All das wird in dieser Woche zur Games Convention in Leipzig als Eröffnungskonzert zu hören sein. Schnell weiter in die Messehallen und ran an die PCs und Konsolen.

Video Games Live. Volume One. EMI, 53 Min., 18,95 Euro.