11.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Suzie Kerstgen und "ihre" Jungs
Foto: Espen Eichhöfer/Ostkreuz/Universal
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«Berge versetzen» heißt das neue Werk von Klee. Eine reife Platte, die Texte kann aber höchstens noch die «Generation Neon» spannend finden, meint Maike Schultz .
Aller Anfang ist schwer: Die Kölner Elektropopper von Klee bringen mit ihrem neuen Album «Berge versetzen» die erste der «großen Drei» in diesem Spätsommer auf den Markt. Darauf folgen die Veröffentlichungen von Mia und Rosenstolz im September. Der Zeitpunkt mag Zufall sein, aber ein musikalischer Vergleich liegt inzwischen nahe und das obwohl Klee mal mehr Ähnlichkeit mit den elektronischer klingenden Acts Paula oder 2raumwohnung hatten.
«Berge versetzen» steht seit vergangenem Freitag in den Läden und ist das dritte Album von Klee, die inzwischen so richtig im Mainstream angekommen sind. Dafür sprechen der Wechsel zum Konzernriesen Universal, eine Kooperation mit dem Musiksender Vox sowie der Co-Produzent ihrer neuen Single, Andreas Herbig, der auch schon bei Ich+Ich und Udo Lindenberg mitarbeitete.
Aktion Mensch und «Honeysuckle»Während der letzten zwei Jahre tourte die Band ohne Unterlass und spielte rund 200 Konzerte, unter anderem bei den Festivals Melt und Hurricane. Ihr zweites Album «Jelängerjelieber» wurde als englische Version («Honeysuckle») in den USA veröffentlicht und der Song «Zwei Fragen» für einen Werbespot der Aktion Mensch verwurstet. Noch Fragen?
Zurück zum neuen Album: Nein, «Berge versetzen» können Klee mit der neuen Musik sicher nicht, ganz einfach, weil sie nicht wirklich neu klingt. Wer die Vorgängerplatte und das Debüt «Unverwundbar» mochte, wird aber auch dieses Album mögen. Dem Klee-typisch leichtfüßigen Mix aus Synthie-Sound, Gitarrenpop und Suzie Kerstgens' unverwechselbar betörendem Gesang (schön ergänzt von Zweitstimme Sten Servaes) kann man sich eben nur schwer entziehen.
Liebeskitsch, genial verpacktGleich die erste Tempo-Nummer «Zwischen Glauben und Vertrauen» haut voll rein, gefolgt von der Single «Zwei Herzen» mit ebenfalls treibendem Beat. Es gibt auch viele schöne Balladen auf «Berge versetzen», etwa den Titelsong und «Wie weit».
Was daran nervt, sind die immer gleichen Themen. Irgendwie überkommt einen das Gefühl, das alles - vor allem bei Klee selbst - schon mal gehört zu haben. Aus «Zwei Fragen» sind «Zwei Herzen» geworden (mit Zahlen hat es die Band, man höre sich nur «Sieben Schritte» an), anstatt «Hey wenn du lachst» singt Kerstgens nun «Weine nicht».
Wo bleibt die Härte?Es ist genau wie mit Mias erstem Album «Hieb- und stichfest»: Man wünscht sich ein bisschen von der frechen Härte des Klee-Debüts «Unverwundbar» zurück. Der einzige neue Song, der an das Niveau von «Standard Kompakt» oder «Nicht immer aber jetzt» heranreicht, ist «Die Königin» und kennen wir diesen Titel nicht von der anderen groß gewordenen deutschen Band mit dem blumigen Namen?
Solche Stücke verhindern jedenfalls, dass man der ständigen weich gespülten Beziehungsbestandaufnahmen («Wir wollten eigentlich viel weiter sein») und «Neon»-mäßigen Mann-Frau-Klischees («Du sagst nichts, und ich rede») überdrüssig und einem stattdessen richtig warm ums Herz wird.
Herbststürme und fallende BlätterKomisch eigentlich: Obwohl draußen noch die Hitze drückt, hört man bei den Kölnern ständig Herbst. In «Wie weit» singt Kerstgens «Der Sommer ist vorbei»; «Verflucht sei der Herbststurm» lautet die erste Zeile von «Weil es Liebe ist», und mit «Wenn die Blätter von den Bäumen fallen» beginnt das großartige «Ich lass ein Licht an für dich».
Vielleicht sind ja auch Klee schon im Herbst ihrer Karriere angekommen. «Berge Versetzen» zeigt sich als bisher reifstes Werk der Kölner Formation, auf der geschickt verschiedenste Elemente der Popmusik miteinander verwoben werden. Und immerhin tritt das Gründer-Trio (Suzie Kerstgens, Sten Servaes und Tom Deiniger) jetzt auch auf dem Album-Cover offiziell zu fünft (mit Schlagzeuger Daniel Klingen und Bassist Stefan Götzer) auf.
Das Foto zeigt verträumte Szenen am Strand, an Äste gebundene pastellfarbene Bänder (die CD dazu ist passenderweise rosa) wehen im Wind. Die Urlaubsstimmung erinnert an 2007, als Klee während eines mehrwöchigen Aufenthalts an der portugiesischen Algarve-Küste den Grundstein für die Songs zum neuen Werk legten. «Wir sind bis hierher gekommen und das ist doch schon mal was», singt Kerstgens in dem Lied «Du und ich». Es klingt wie eine Liebeserklärung an alle Klee-Fans.
Klee - «Zwei Herzen»: